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NFL-Quarterback Drew Brees : Einer der Besten

  • -Aktualisiert am

Quarterback Drew Brees von New Orleans beim entscheidenden Spiel gegen Washington. Bild: AFP

Quarterback Drew Brees stellt einen Pass-Rekord in der NFL auf – sein Vorgänger übermittelt eine spezielle Botschaft. Der alles entscheidende Wurf ist ein Spektakel für sich.

          Es sieht spontan und intuitiv aus, in einem wuseligen Gewirr aus vielen muskelbepackten Typen jenen Nebenmann zu entdecken, dem man den Ball zuspielen kann. Denn viel Zeit hat man nicht. Es sei denn, man hat robuste Vorderleute. Und die schirmen einen mit aller Kraft vor den gegnerischen Attacken ab. Dann lässt sich das angelernte Bewegungsmuster abspulen, das aus den Füßen heraus über die Hüftmuskulatur und Schulter die Energie im Wurfarm freisetzt, um den eiförmigen Lederball auf die Reise zu schicken. Das Grundkonzept lernen in den Vereinigten Staaten Tausende von ambitionierten Kindern bereits in der Schule, weil sie es auf die Prestige-Position in der populärsten Sportart des Landes abgesehen haben. Die meisten Nachwuchsspieler allerdings werden sukzessive ausgesiebt. Die einen, weil sie nicht die mentale Stärke haben, um den Kolossen zu widerstehen, die ihnen bei jedem Wurfversuch entgegenstürmen. Die anderen, weil es ihren Pässen an Präzision mangelt.

          Weshalb in der Knochenmühle nur solche Quarterbacks überleben, die über eine seltene Mischung aus Können und Charakter verfügen. Wozu eine Fertigkeit gehört, die keine der zahllosen Kameraeinstellungen und Zeitlupenwiederholungen aus den riesigen Stadien der National Football League zu illustrieren vermag. Was das ist, hat Drew Brees von den New Orleans Saints, Super-Bowl-Gewinner von 2010 und einer der besten Spielmacher der Liga, mal vor einer Weile in einem Video genau demonstriert: Die Kunst, mit dem Zeigefinger der Wurfhand dem Ball im allerletzten Moment jenen Effet mit auf den Weg zu geben, der das Flugverhalten stabilisiert und der in der Fachsprache der Sportart „spiral“ genannt wird.

          Brees trifft so genau wie die besten Bogenschützen

          Es gibt keinen besseren Quarterback, um so etwas zu erklären: Brees trifft sein Ziel so genau wie die besten Bogenschützen Amerikas. Der 39-Jährige, der 2001 bei den San Diego Chargers seinen ersten Profivertrag erhielt und seit 2006 den Angriff der Saints dirigiert, verfügt deshalb auch über eine beeindruckende Bilanz als Footballprofi. Am Montag beim 43:19-Sieg über die Washington Redskins kam ein weiterer Meilenstein hinzu. Da übertraf er im zweiten Viertel mit einem 62-Yard-Touchdown-Pass auf Tre’Quan Smith die alte Karriere-Bestmarke von Peyton Manning (71.940 Pass-Yards), der 2015 in Rente gegangen war. Auf welche Ziffer er den Rekord (aktuell 72.103 Yards) noch treiben wird, lässt sich nicht prophezeien. Die Saison ist noch frisch. Und Brees will auf jeden Fall auch noch im nächsten Jahr spielen.


          Das bedeutet allerdings, dass er für die auf Statistiken fixierten Football-Anhänger noch häufiger ein Thema sein wird. Unter anderem, weil er sich auf der noch sehr viel prestigeträchtigeren Liste der Touchdown-Pässe im direkten Wettbewerb mit dem fünfmaligen Super-Bowl-Sieger Tom Brady von den New England Patriots befindet. Der erreichte in dieser Kategorie am Donnerstag mit seiner 500. Vorlage ein viel beachtetes Plateau. Nicht nur ist ihm Brees mit 499 dicht auf den Fersen. Beide dürften binnen Kürze auch hier Manning verdrängen, bis dato mit 539 noch immer Spitzenreiter in dieser Tabelle. Manning weiß, dass Rekorde nicht ewig halten und zeigt in solchen Augenblicken einen Hauch von Selbstironie. Am Montag etwa verbreitete er eine Videobotschaft, die ihn beim Tomatenschneiden zeigt. Garniert mit dem Kommentar: „Die Zeit als Rekordhalter waren die schönsten 1000 Tage meines Lebens. Danke, dass du das jetzt ruiniert hast. Jetzt habe ich nur noch das hier: für meine Familie zu kochen.“ Auch Quarterback-Legende Brett Favre meldete sich bei Twitter und gratulierte Brees zu seiner Leistung.

          Brees hat wie Manning Familie. Die stand am Montag im Superdome von New Orleans erwartungsvoll bereit. Nach amerikanischer Sitte wurde nämlich das Spiel nach dem Rekord-Pass einfach unterbrochen. Gelegenheit, um einem Abgesandten der Hall of Fame den Ball zu übergeben – und für Brees, seinen Helm abzunehmen, die Ovationen der Zuschauer entgegenzunehmen und am Spielfeldrand seine Gattin und die gemeinsamen vier Kinder zu umarmen. Zeit aber auch, um einen Spruch abzulassen, der in die Geschichte der besten floskelhaften Sport-Aphorismen eingehen könnte: „Du kannst alles im Leben erreichen, wenn du bereit bist, dafür zu arbeiten.“

          Das gilt in einer so harten Sportart aber nur für jemanden, der möglichst ohne Blessuren durchkommt. Brees hält auch in diesem Fall eine einsame Bestmarke. Die schwerste Verletzung erlitt er vor zwölf Jahren in San Diego, als er sich die rechte Schulter auskugelte und operiert werden musste. Nach seinem Wechsel nach New Orleans verpasste er nur ein einziges Pflichtspiel. Brees wird übrigens mehr als angemessen für seine Leistung bezahlt. Mit einem Gehalt von 27 Millionen Dollar gehört er zu den Spitzenverdienern in der NFL.

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