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Kritik in der NFL : Der schwierige Umgang mit den Covid-Regeln

  • -Aktualisiert am

Der neue Quarterback der New England Patriots: Mac Jones (rechts) Bild: AP

Eine überwiegende Anzahl der Profis ist geimpft, nun erhöht die NFL die Restriktionen für die ungeimpften Spieler. Zukünftig wird es keine Spielverlegungen mehr geben. Nicht allen gefallen die Regeln.

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          Es ist nicht einfach, einen Spielbetrieb zu organisieren, bei dem jede Woche Kader mit einem großen Tross von Aktiven, Trainern und Hilfspersonal in einem so ausgedehnten Land unterwegs sind wie den Vereinigten Staaten. Und in dem alle Abläufe anhand eines lange im voraus festgelegten Zeitplans abgespult werden müssen.

          Wie kompliziert so etwas werden kann, hat die National Football League NFL vor einem Jahr erlebt, als sie, nachdem die erste Infektionswelle abgeebbt war, eine Saison inmitten einer Pandemie durchzog. Da mussten Spitzenbegegnungen um mehrere Tage verschoben werden, weil sich zu viele Spieler mit Covid-19 angesteckt hatten. Die New England Patriots etwa sahen sich gezwungen, kurzfristig ein zweites Flugzeug zu chartern, um von der Ostküste nach Kansas City zu fliegen: eines exklusiv für Spieler, die dem positiv getesteten Quarterback Cam Newton zu nahe gekommen waren. Und eines für alle anderen.

          Newton, einer der besten Spielmacher der vergangenen Jahre, sollte die Lücke füllen, die Tom Brady hinterlassen hatte, der nach sechs Super-Bowl-Erfolgen zu den Tampa Bay Buccaneers gewechselt war. Die Mannschaft erreichte jedoch nicht mal die Play-offs der besten zwölf Teams. Trotzdem kam die Nachricht vor einer Woche, dass sich der Klub wenige Tage vor Beginn der neuen Saison von Newton trennt, überraschend. Die Entscheidung hat womöglich etwas damit zu tun, wie der Quarterback mit den neuen Regeln umgegangen war, die von der Liga für den Umgang mit dem Ansteckungsrisiko aufgestellt wurden.

          Danach müssen sich ungeimpfte Spieler jeden Tag einem Covid-Test unterziehen und dürfen während der Reisen zu Auswärtsspielen nicht das Hotel verlassen. Geimpfte werden solchen Restriktionen nicht unterworfen und müssen nur alle vierzehn Tage zum Test. Über Newtons Status kann nur spekuliert werden. Im Trainingslager hatte er erklärt, das Impfthema sei eine persönliche Angelegenheit. Der Klub schweigt. Die Patriots arbeiteten nun weiter ihren erst im Frühjahr gedrafteten jungen Quarterback Mac Jones ein.

          Keine Spielverlegungen mehr

          Das erste Pflichtspiel: am Sonntag im eigenen Stadion gegen die Miami Dolphins. Was die Zukunft im Duell mit einem anderen Gegner betrifft, das Coronavirus, sind die Verhältnisse in der NFL weiterhin unklar. Vor etwas mehr als einer Woche meldeten die Tennessee Titans, dass neun Spieler und der Trainer positiv getestet worden seien.

          Eine Entwicklung, auf die die Liga im vergangenen Jahr noch relativ flexibel mit Spielerverlegungen reagiert hätte. Damit ist es nun vorbei. Liga-Geschäftsführer Roger Goodell machte schon vor Wochen klar, dass die Regeln für den Spielbetrieb nicht verhandelbar sind: „Jeder Klub ist dazu verpflichtet, zum geplanten Termin und am geplanten Ort mit seiner Mannschaft anzutreten.“ Wer das nicht schafft, verliert nicht nur das Spiel am grünen Tisch.

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          Die Spieler der betroffenen Teams bekommen den entsprechenden Anteil ihres Jahresgehalts abgezogen. Der Druck von oben, so hatte die NFL-Führung offensichtlich spekuliert, würde die Klub-Verantwortlichen dazu bringen, den Widerstand unter prominenten Spielern gegen eine Impfung zu brechen. „Wir erleben durch die Variante Delta eine neue große Welle”, sagte Allen Sills, der Chefmediziner der Liga.

          Laut der Nachrichtenagentur Associated Press sind zwar mehr als 90 Prozent der Profis geimpft, aber der offene Widerstand von Profis gegen die Schutzmaßnahme verkompliziert die Situation. Und die massiven Auflagen scheinen kaum jemanden der Vakzin-Gegner umzustimmen. Ebenso wenig wie der Katalog von Geldbu­ßen, der zum Beispiel 14.650 Dollar Strafe für Profis vorsieht, die sich zwischendurch ­­in einem Nachtklub verlustieren, oder ­50. 000­ Dollar für Versuche, die Er­mitt­­l­ung von Kontaktpersonen zu sabotieren.

          Was sowohl Liga als auch Spielergewerkschaft, die den Covid-Regeln zugestimmt hatte, nicht kommen sahen, war das Verbreitungsrisiko, das von geimpften Menschen ausgeht, die nicht nur erkranken, sondern das Virus auch übertragen können. Die Gewerkschaft plädiert deshalb nun für tägliche Tests für alle.

          Eine Forderung, welche die Kosten für die Klubs weiter in die Höhe treibt, aber bei geimpften und frustrierten NFL-Profis nur auf wenig Sympathien trifft. Typisch die Haltung von Patriots-Defensivspieler Matthew Judon, der sich über die Gewerkschaft beklagte und vor allem eines kritisiert: Die Organisation hatte akzeptiert, dass im Falle einer Spielabsage jedes Teammitglied, egal ob geimpft oder infiziert oder nicht, einen Anteil seines Gehalts verliert.

          Auftakt zur NFL-Saison: Bradys Buccaneers gewinnen

          Ein verwandeltes Field Goal zwei Sekunden vor Schluss hat das erste Saisonspiel der NFL entschieden und Superstar Tom Brady mit den Tampa Bay Buccaneers den Sieg beschert. Die drei Punkte durch Ryan Succop schraubten das Resultat für den Super-Bowl-Sieger der vergangenen Spielzeit gegen die Dallas Cowboys am Donnerstagabend (Ortszeit) auf 31:29 und verdarben Cowboys-Quarterback Dak Prescott das Comeback nach langer Verletzungspause. Der 28-Jährige kam zwar auf starke drei Touchdown-Pässe und einen Raumgewinn von 403 Yards, einen Pass fingen die Buccaneers ab. Brady aber war noch erfolgreicher und warf den Football vier Mal zu einem Touchdown. Die zwei Interceptions fielen am Ende nicht mehr ins Gewicht.

          „Wir haben einiges zu verbessern, aber ich bin froh, dass wir gewonnen haben“, sagte Brady dem TV-Sender NBC unmittelbar nach dem Erfolg im mit mehr als 65 000 Zuschauern ausverkauften Raymond James Stadium in Tampa. „Es ist Football, es ist nicht perfekt, aber wir haben gewonnen.“

          Zwei seiner Pässe veredelte Bradys Kumpel Rob Gronkowski zu Touchdowns. „Wir spielen seit langem zusammen. Wenn du mit jemandem so lange spielst, hast du ein paar Werkzeuge im Kasten“, sagte Brady. Nach Angaben von US-Medien kommt das Duo nun auf 100 gemeinsame Touchdown-Spielzüge. Einen Ball fing Chris Godwin in der Endzone und auch Antonio Brown war erfolgreich. Bei den Cowboys hatte Amari Cooper zwei Touchdowns, CeeDee Lamb punktete ebenfalls.

          Brady will in dieser Saison seinen Super-Bowl-Rekord von bislang sieben Titeln ausbauen. Die ersten sechs holte er im Trikot der New England Patriots. Die spielen mit dem Stuttgarter Jakob Johnson im Kader am Sonntag ihr erstes Match gegen die Miami Dolphins. Zuvor hofft Amon-Ra St. Brown bei den Detroit Lions auf sein NFL-Debüt. (dpa)

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