https://www.faz.net/-gtl-7yklg

Kampf um Super-Bowl-Einzug : Eiskaltes Duell der „Germanators“

  • -Aktualisiert am

Wichtige Rolle: Sebastian Vollmer (r.) ist eine Art Bodyguard für Quarterback Tom Brady Bild: dpa

Ein Deutscher steht sicher im Super Bowl: Die deutschen NFL-Profis Sebastian Vollmer und Björn Werner kämpfen um den Einzug ins Finale. In der Nacht zum Montag kämpfen sie mit den Patriots und den Colts ums Weiterkommen.

          3 Min.

          Es ist ein hartes Spiel, das den Akteuren unweigerlich irgendwann auf die Knochen geht. Das Risiko wird seit Jahren größer. „Es ist ein Spiel der Giganten geworden“, sagt Tom Brady von den New England Patriots. Er schwebt als Quarterback ständig in der Gefahr, von schwergewichtigen Gegnern ungespitzt in den Boden gerammt zu werden. Nicht immer bekommt Brady die Wucht jener rund 140 Kilo ab, die in der National Football League so etwas wie der neue Pegelstand für Spieler sind, die sich weniger um den Ball kümmern, sondern sich ins Getümmel werfen, um Gassen für andere frei zu machen oder die Dampframmen-Angriffe von heranstürmenden Spielern abzuwehren. An einem Sonntag im Oktober 2013 landeten sie zur Abwechslung mal auf dem rechten Unterschenkel von Sebastian Vollmer, der bei den Patriots so etwas wie Bradys Bodyguard ist. Unter dem Gewicht ging sein rechter Unterschenkel zu Bruch.

          Das Foto, das die Nachrichtenagentur dpa anschließend verbreitete, ist informativ und brutal zugleich. Es fing nämlich auch noch Vollmers schmerzverzerrtes Gesicht ein, während er mit voller Wucht zu Boden ging. Was es nicht zeigt: Auch die Mikrofone der Live-Fernsehübertragung fingen an diesem Tag im Oktober 2013 den lauten Schrei der Nummer 76 ein, als Vollmer mit seinen Händen auf den Rasen schlug. Er ahnte, dass die Verletzung mehr bedeutete als eine Fahrt ins Krankenhaus und eine längere Zeit der Rehabilitation.

          Schmerzensmann: Sebastian Vollmer bricht sich 2013 den Unterschenkel
          Schmerzensmann: Sebastian Vollmer bricht sich 2013 den Unterschenkel : Bild: Picture-Alliance

          Die unverschuldete Attacke kostete den 30-jährigen sehr viel mehr: eine siebenstellige Summe. Dafür ist der Vertrag verantwortlich, den der Football-Profi aus dem rheinischen Kaarst wenige Monate zuvor abgeschlossen hatte. Der garantierte ihm über die Laufzeit von vier Jahren eine für NFL-Verhältnisse und für sein Können eher niedrige Summe von 16,75 Millionen Dollar. 13 Millionen weitere Dollar hatte man in ein kompliziert gehäkeltes System aus kleinen und großen Bonuszahlungen eingewirkt. Versprechungen, die nur dann eingelöst werden, wenn Vollmer fit genug ist, um zu spielen.

          Weg in Super Bowl führt über Werners Colts

          Die Vereinbarung ist eines der krasseren Beispiele für die sozialdarwinistischen Praktiken in der Liga, die anders als etwa die National Basketball Association (NBA) ihren Leistungsträgern möglichst wenig an wirtschaftlicher Absicherung garantiert und sie in ihrem ständigen Kampf mit dem inneren Schweinehund irgendwann auch mental verschleißt. Vollmer hat das System allerdings noch nie kritisiert. „Jeder Spieler ist sich der Risiken bewusst. Die Entscheidung muss jeder selbst treffen“, lautete seine Einstellung von Anfang an.

          Fragen auf die zu erwartenden gesundheitlichen Langzeitprobleme bremste er mit der gleichen Einstellung aus, wie er das auf dem Platz gewöhnlich mit seinen heranstürmenden Gegenspielern macht. Auch nachdem ihm in seiner Karriere, die als Teenager bei den Düsseldorf Panthers begann, schon einiges zugestoßen war - Rückenbeschwerden, Gehirnerschütterung, gebrochener Fuß -, blieb er bei seiner Maxime: „Hier gucken wir immer nur in die Zukunft und bereiten uns auf das nächste Spiel vor. Das ist alles, womit wir uns beschäftigen. Die Vergangenheit lassen wir in der Vergangenheit.“

          Weitere Themen

          Lichtes Moment

          Trainerwechsel bei Mainz 05 : Lichtes Moment

          Cheftrainer Achim Beierlorzer wurden keine neuen Impulse mehr zugetraut. Nun übernimmt der Ko-Trainer Jan-Moritz Lichte bei Mainz 05 – für ihn sprechen vor allem vier Aspekte.

          Topmeldungen

          Streik: Verdi lässt Busse, Bahnen und Behörden still stehen.

          Streiks im öffentlichen Dienst : Wir sind Helden

          Verdi fordert wegen der Pandemie fast 5 Prozent mehr Lohn. Doch wie viele „Corona-Helden“ gibt es im öffentlichen Dienst überhaupt?
          Ein armenischer Soldat auf einem Foto, das vom armenischen Verteidigungsministerium verbreitet wurde.

          Konflikt in Nagornyj Karabach : Sterben im Niemandsland

          Im Konflikt in der Region Nagornyj Karabach gibt es viele widersprüchliche Angaben. Aserbaidschan meldet gar nur tote Zivilisten – bei Soldaten könnte dies die Kampfmoral senken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.