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NFL-Team sorgt für Aufsehen : Der Herzschlag der Buffalo Bills

Quarterback für die Zukunft: Josh Allen Bild: AP

Donald Trump wollte das Team einst kaufen, mittlerweile aber stehen die Buffalo Bills wegen sportlicher Leistungen und ihrer berüchtigten Fans in den Schlagzeilen. Im Play-off-Halbfinale wartet ausgerechnet der Super-Bowl-Sieger.

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          In Buffalo gibt es eine Tradition. Sie hat mit einem Klapptisch zu tun. Gelegentlich auch mit Brennspiritus oder Benzin – oder einer anderen, zuweilen trinkbaren hochprozentigen Flüssigkeit. Hinzu kommt das Dach eines Autos, meistens, oder die Ladefläche eines Pick-Ups. Und zu guter Letzt ein Football-Fan, der vor oder nach einem Spiel der Buffalo Bills mit Ellenbogen und Schulter voraus von besagtem Autodach mit voller Wucht auf den – manchmal in Brand gesetzten – Klapptisch springt, ihn so durchschlägt und nicht selten schmerzhaft auf dem harten Asphaltboden des Stadionparkplatzes landet. Die Fans der Buffalo Bills sind, zurückhaltend ausgedrückt, speziell.

          Nun will es die Geschichte des Teams in der National Football League (NFL) allerdings, dass seine Anhänger nicht immer gerade bester Stimmung waren nach den Spielen ihrer Mannschaft. Die Franchise aus dem Bundesstaat New York hat es immerhin als bislang einzige der Liga geschafft, in vier Jahren nacheinander jeweils den Super Bowl zu erreichen, das Endspiel der NFL, und jedes Mal zu verlieren. Anfang der 1990er Jahre war das. Und abgesehen von diesem traurigen Rekord und einigen wenigen erfolgreichen Spielzeiten ging es die meiste Zeit eher ab statt auf. Doch das könnte sich jetzt ändern.

          Außenseiter aber nicht chancenlos

          Seit einigen Jahren ist in Buffalo ein Aufwärtstrend zu erkennen. Nach zwei Play-off-Teilnahmen 2018 und 2020, die beide in der ersten Runde endeten, stehen die Bills nun nach einer herausragenden Saison mit 13 Siegen und zwei gewonnen Play-off-Spielen gegen die Indianapolis Colts und Baltimore Ravens sogar im Halbfinale. Zum ersten Mal seit 1994, dem Jahr, in dem sie zum vierten Mal in Serie einen Super Bowl verloren hatten. Dass Buffalo in der Nacht zu Montag (0.40 Uhr MEZ bei Pro Sieben und bei DAZN) gegen Titelverteidiger Kansas City Chiefs zwar Außenseiter, aber keinesfalls chancenlos ist, und wohl auch in den kommenden Jahren ein Super-Bowl-Kandidat bleiben wird, spiegelt diesen Trend wider.

          Die positive Entwicklung nimmt ihren Ursprung vor allem in der Verpflichtung des Cheftrainers Sean McDermott 2017 und einiger auch von ihm vorangebrachter Personalentscheidungen. Nicht nur sorgte der 46-Jährige dafür, dass die seit jeher stabile Defensive weiterhin stabil blieb. Auch traf er 2018 bei der jährlichen Draft, bei der die besten Nachwuchsspieler an die NFL-Teams verteilt werden, eine zukunftweisende Wahl für die zuvor instabile Offensive: Mit Quarterback Josh Allen lotste McDermott einen der wohl vielversprechendsten Spielmacher seiner Generation an den Eriesee, an dessen Ufer Buffalo liegt.

          Allen fügte sich nahezu nahtlos ein und ergänzt seither die mutige und druckvolle Spielweise seines Trainers mit großem Erfolg. Besonders zu Passempfänger Stefon Diggs, der in dieser Saison von den Minnesota Vikings zu den Bills gestoßen ist, scheint der Quarterback eine außergewöhnliche Chemie aufgebaut zu haben. Das Duo war für beinahe die Hälfte aller erzielten Touchdowns verantwortlich, mit 1535 Yards (1403 Meter) sorgte Diggs zudem für so viel Raumgewinn wie kein anderer Spieler seiner Mannschaft. Überhaupt kam Buffalo in dieser Saison im Schnitt auf 31,3 Punkte pro Spiel. Nur die Green Bay Packers, die im zweiten Halbfinale gegen die Tampa Bay Buccaneers stehen, übertrafen diesen Wert.

          Allen, 24 Jahre alt, spielt hart, präzise, mobil und fast immer mit dem Auge für das Unerwartete, den besonderen Moment. Diggs, 27, sucht und findet die Lücken in der gegnerischen Verteidigung. Trainer McDermott gibt beiden genügend Raum, sich zu entfalten und stimmt sein eigenes Offensivkonzept auch auf die Stärken seiner beiden Stars ab. Gemeinsam haben sie den Bills eine neue Identität verschafft und den alten, angestaubten Lack der Vergangenheit zumindest teilweise abgekratzt. Die Zeiten, in denen Protagonisten wie O. J. Simpson, der nach seiner Karriere als NFL-Runningback zwischenzeitlich des Mordes an seiner ehemaligen Frau Nicole Brown-Simpson verdächtigt worden ist, oder Donald Trump, der die Franchise einst kaufen wollte, die Schlagzeilen in Buffalo bestimmten, scheinen vorbei.

          Nun steht wieder der Sport im Vordergrund. Gegen Kansas City könnte das nächste Highlight folgen. Auch weil Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes im Viertelfinale vor einer Woche gegen die Cleveland Browns mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste. Zwar scheint er rechtzeitig für das Duell fit zu werden. Welches Niveau Mahomes dabei aber erreichen wird, bleibt abzuwarten. „Unser Team hat einen gemeinsamen Herzschlag“, sagte sein Widersacher Allen vor dem Aufeinandertreffen. „Wir sind perfekt aufeinander abgestimmt.“ Und Diggs meinte: „Wir sind wie eine Familie. Trainer, Spieler, Fans. Gemeinsam können wir Großes erreichen.“

          So kommen die Anhänger von Buffalo wieder ins Spiel. Ob die Klapptisch-Vorräte in den örtlichen Märkten für Heimbedarf reichen werden? Ein Anruf vor Ort gibt Aufschluss: Ja, Tische sind noch vorhanden, sagt die Dame von Walmart am Telefon. Aber die Nachfrage sei groß. Vermutlich größer als jemals zuvor.

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