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Quarterbacks in der NFL : Das war’s mit den Bierkrügen

  • -Aktualisiert am

Abgang im Blitzlicht: Ben Roethlisberger verabschiedet sich aus der NFL. Bild: AFP

Mit Ben Roethlisberger verschwindet der wohl letzte Vertreter einer lange erfolgreichen Quarterback-Generation. Doch darin liegt eine Chance: Die Nachfolger sind athletischer – und machen die NFL attraktiver.

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          Es gab in den vergangenen Tagen einen wiederkehrenden Witz in der Welt des American Football, der sich vor allem um Ben Roethlisberger drehte. Es ging dabei um die unterschiedlichen Typen auf der Spielmacher-Position, die derzeit in der National Football League (NFL) versammelt sind, und der Witz lautet frei übersetzt ungefähr so: „Wir könnten in diesem Jahr schon Quarterbacks wie Justin Herbert in den Play-offs haben und dabei zusehen, wie der quer über das Feld sprintet und spektakuläre 70-Yard-Pässe anbringt, stattdessen aber müssen wir ein weiteres Mal erleben, wie Ben Roethlisberger bewegungslos auf dem Rasen steht und Bierkrüge in die Endzone wirft.“

          Dass Roethlisberger tatsächlich gern mal ein Bier trinkt, ist verbürgt. Dass er auch mit den Krügen um sich wirft, nicht. Und auf dem Feld schon zweimal nicht. Aber es ist etwas Wahres dran an diesem Witz, wenngleich er im übertragenen Sinn zu verstehen ist. Die Unterschiede, die seit einiger Zeit vor allem im athletischen Bereich auf der Position des Quarterbacks, der wichtigsten überhaupt im Football, vorherrschen, sind gewaltig.

          Das Spiel der NFL hat sich verändert

          Da gibt es auf der einen Seite die jungen Wilden, die Spielmacher, die nicht nur hervorragend werfen (was eigentlich ihre primäre Aufgabe ist), sondern auch annähernd olympiareif sprinten können, Gegnern Schnippchen schlagen, Tricks und Kniffe entwickeln. Zu dieser Sorte gehört der erwähnte Herbert, 23 Jahre alter Quarterback der Los Angeles Chargers und am letzten NFL-Spieltag ganz knapp an der Qualifikation für die Play-offs gescheitert, woraufhin Roethlisberger, der eigentlich seine Karriere hatte beenden wollen, mit den Pittsburgh Steelers überraschend doch noch eine Saison- und Karriereverlängerung bekam.

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          Regeln, Positionen, Begriffe : Was Sie über Football wissen müssen Bild: Picture-Alliance

          Ein weiterer Spieler dieses Typs? Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs, gegen die die Steelers am Wochenende krachend verloren und sich damit endgültig aus dem Rennen um den Super Bowl verabschiedeten.

          Und da gibt es auf der anderen Seite ebenjene Quarterbacks, die fast das komplette Gegenteil dessen verkörpern, was Herbert oder Mahomes auszeichnet. Roethlisberger ist einer von ihnen, wenn nicht gar ihr Prototyp: 1,96 Meter groß, 109 Kilogramm schwer und mit dem Tempo und der Agilität einer Dampfwalze gesegnet (natürlich im übertragenen Sinn).

          Und ab mit dem „Bierkrug“ in Richtung Endzone: Ben Roethlisberger
          Und ab mit dem „Bierkrug“ in Richtung Endzone: Ben Roethlisberger : Bild: dpa

          Dafür aber machte er Zeit seiner Karriere, die 18 Jahre dauerte, das, was eigentlich seine primäre Aufgabe ist, mit einer beeindruckenden Souveränität: Pässe (oder: „Bierkrüge“) präzise in die gegnerische Endzone werfen. Das war erfolgreich: Roethlisberger, mittlerweile 39 Jahre alt, gewann zweimal den Super Bowl.

          Diese Ära ist nun vorbei, zumindest deutet vieles darauf hin, und mit ihr wohl auch die Ära eines Quarterback-Typs, der in der NFL so schnell nicht wiederkehren wird. Die jungen Wilden haben das Spiel verändert, und mit ihm die Anforderungen, die an neue, noch jüngere Spielmacher gestellt werden.

          Darin liegt eine Chance: Sosehr es schade ist um die Generation „Bierkrug“, macht sie doch den Weg frei für eine schnellere, höhepunktreichere NFL. Das ist bereits zu erleben: Anders als Herbert ist Mahomes nämlich in den Play-offs zu sehen. Nach dem Sieg über Roethlisberger auch weiterhin.

          Jan Ehrhardt
          Sportredakteur.

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