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NFL-Ärger vor Super Bowl : „Hey Roger, greif zum Telefon“

  • Aktualisiert am

„Hoffentlich muss kein anderes Team mehr so verlieren wie wir“: Saints-Trainer Sean Payton. Bild: dpa

Die New Orleans Saints dürfen nicht um den Super Bowl spielen und fühlen sich betrogen. Wieder müssen sich die Verantwortlichen der milliardenschweren Football-Profiliga einer Diskussion um ihre Schiedsrichter stellen.

          Auf einer Verkehrstafel über dem Pontchartrain Causeway nördlich von New Orleans stand in grell leuchtenden Buchstaben, was die Fans in der Stadt dachten. „Wir wurden bestohlen“ (We were robbed) war bei der Zufahrt auf die berühmte Brücke nach einer spontanen Umprogrammierung zu lesen, das bittere Aus der Saints nach einem Blackout im Halbfinale der NFL wirkt nach. Wieder mal müssen sich die Verantwortlichen der milliardenschweren Football-Profiliga einer Diskussion um ihre Schiedsrichter stellen. Bislang ziehen sie noch die Köpfe ein, es gibt keine Stellungnahme zu der schlimmen Fehlentscheidung, durch die sich die Saints nach ihrer Niederlage gegen die Los Angeles Rams (23:26 n.V.) um den Einzug in den 53. Super Bowl betrogen fühlen.

          Es wird Ligaboss Roger Goodell nicht viel anderes übrig bleiben, als sich zu entschuldigen. Zu eindeutig war die Szene, als Nickell Robey-Coleman bei 1:45 Minuten Restspielzeit Saints-Receiver Tommylee Lewis wegrammte, bevor der den Ball fangen konnte. Eine verbotene „Pass Interference“, doch ein Videobeweis war laut Regelbuch nicht erlaubt. Wer soll das verstehen? New Orleans hätte sechs Yards vor der Endzone einen neuen ersten Versuch bekommen müssen und damit beim Stand von 20:20 alle Trümpfe in der Hand gehabt. Doch die Männer in Schwarz und Weiß hielten die Rams am Leben. Der Rest ist Geschichte.

          Diese könnte allerdings umgeschrieben werden. Commissioner Goodell dürfte das Ergebnis revidieren oder ein Wiederholungsspiel ansetzen – Saints-Profi Michael Thomas weiß das. „Regel 17, Abschnitt 2, Artikel 3“, twitterte der Receiver und legte wenig später nach: „Hey Roger, greif zum Telefon“. Es wird nicht passieren, der Schaden ist schon jetzt enorm. Unverständnis, Wut, Hohn, bei den Reaktionen war alles dabei. Und den Vogel schoss Hulk Hogan ab. Die Wrestling-Legende montierte ein Bild von sich in die entscheidende Szene, der fliegende Hogan haut dabei Lewis mit den Füßen voran um. „Keine Flagge, Bruder. Ha Ha“, stand darunter. Eine Flagge werfen Schiedsrichter bei Regelverstößen – normalerweise jedenfalls.

          Nicht einmal zwei Wochen vor dem Super Bowl LIII in Atlanta hat die NFL einen Nebenschauplatz. Und das Thema wird noch lange heiß bleiben. Dass der hochgelobte Videobeweis nicht möglich war, ist das große Problem. Die Entscheidung stand, obwohl (fast) alle gesehen hatten, dass sie falsch war. Eine Regeländerung soll in der Liga aber laut US-Medienberichten schon bald diskutiert werden. „Keinem Team sollte die Möglichkeit genommen werden, ein Endspiel (oder schlicht einen Sieg) zu erreichen wegen Handlungen oder der Untätigkeit jener, die auf dem Feld für Fairness und Chancengleichheit sorgen sollen“, teilte Saints-Besitzerin Gayle Benson in einer Stellungnahme mit. Sie wolle Druck auf die NFL machen, denn Team und Fans seien „unfair beraubt worden“.

          Auch Saints-Trainer Sean Payton will sich weiter zu Wort melden. „Wir haben so viel Technologie. Ich bin im Wettbewerbskommitee, dadurch habe ich hoffentlich eine Stimme“, so Payton: „Hoffentlich muss kein anderes Team mehr so verlieren wie wir.“ Die NFL sah schnell großes Unheil kommen. Das Schiedsrichterteam um Bill Vinovich wurde nach dem Spiel laut Medienberichten sicherheitshalber in ein anderes Hotel umquartiert.

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