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New-York-Marathon : Der „Mann mit dem Hammer“ hat zugeschlagen

Das Ende eines Ausreißversuchs: Daniel Do Nascimento am Boden Bild: AP

Die Kenianerin Sharon Lokedi und ihr Landsmann Evans Chebet setzen sich beim New-York-Marathon durch. Dramatisch endet der lange Ausreißversuch des Brasilianers Daniel Do Nascimento.

          2 Min.

          Daniel Ferreira do Nascimento ist als Marathonläufer kein Anfänger. Der 24-Jährige Brasilianer hält den Südamerika-Rekord, aufgestellt in 2:04:51 Stunden beim Seoul-Marathon in diesem Jahr. Anschließend vertrat er bei der Weltmeisterschaft in Eugene die Farben seines Heimatlandes, finishte in 2:07:35 als respektabler Achter.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Beim New-York-Marathon an diesem Sonntag versuchte er aber offensichtlich, auf besonders gewagte Weise in die Geschichtsbücher zu laufen. Trotz außergewöhnlich hoher Herbst-Temperaturen von mehr als 20 Grad Celsius suchte der junge Brasilianer im auffälligen fliederfarbenen Laufdress vom Start weg sein Heil in der Flucht. Vor den stoisch hinterher rennenden Favoriten, die in der kenianischen Rhythmusgruppe vereint liefen, baute er seine Führung kontinuierlich aus, rannte zeitweise mit zweieinhalb Minuten Vorsprung vorneweg.

          Erst nach etwa zwei Dritteln des Rennens wurde es dem erfahrenen Kenianer Evans Chebet in der Verfolgergruppe zu langsam. Der 33-Jährige setzte sich aus dem Pulk ab und machte sich auf, dem Brasilianer hinterher zu eilen. Do Nascimento wiederum verlor seinen zuvor so beeindruckend schnellen Rhythmus und damit auch nach und nach sein Zeitpolster. Bei Kilometer 26 musste er eine Toilettenpause einlegen, die zwar nur knapp 30 Sekunden dauerte, ihn aber auch danach noch deutlich aus dem Tritt brachte.

          Der Sieger: Evans Chebet
          Der Sieger: Evans Chebet : Bild: dpa

          Chebet näherte sich auf seiner Aufholjagd kontinuierlich, während Do Nascimento die Kräfte verließen. Bei Kilometer 32 wurde das Geschehen dann dramatisch: der noch knapp führende Brasilianer musste plötzlich anhalten, schaffte dann – offenbar von Krämpfen geplagt – nur noch ein paar wankende Schritte, ehe er schlagartig zusammen brach. Der bei Marathonläufern sprichwörtliche „Mann mit dem Hammer“ hatte zugeschlagen. Do Nascimento musste ärztlich versorgt werden. Chebet rannte unbeirrt vorbei – und anschließend seinem ersten Sieg über 42,195 Kilometer in New York entgegen.

          Der Kenianer verteidigte seinen Vorsprung, kam schließlich nach 2:08:41 Stunden ins Ziel und siegte vor Shura Kitata (2:08:54) aus Äthiopien sowie dem Niederländer Abdi Nageeye (2:10:31). Für Chebet war es nach seinem Erfolg beim Boston Marathon im April schon der zweite wichtige Langstrecken-Triumph in diesem Jahr. Den Streckenrekord in New York verpasste er freilich um mehr als drei Minuten.

          Die Spitzengruppe der Frauen-Elite: am Ende gewinnt Sharon Lokedi (rotes Trikot)
          Die Spitzengruppe der Frauen-Elite: am Ende gewinnt Sharon Lokedi (rotes Trikot) : Bild: AFP

          Bei den Frauen siegte Chebets Landsfrau Sharon Lokedi. Die 28-Jährige gewann gleich bei ihrem Marathon-Debüt in 2:23:23 Stunden knapp vor Lonah Salpeter (2:23:30) aus Israel und der äthiopischen Weltmeisterin Gotytom Gebreslase (2:23:39). Die 43 Jahre alte Kenianerin Edna Kiplagat, Weltmeisterin von 2011 und 2013, glänzte mit Platz vier (2:24:16). Insgesamt waren etwa 50.000 Teilnehmer am Start. Der Lauf erreichte damit die Größenordnung wie vor der Corona-Pandemie. 

          Keine Topläufer in Peking

          Auch in Peking haben über 30.000 Sportler am Sonntag die Marathondistanz aufgenommen. Wegen Chinas strenger Null-Covid-Politik durften jedoch nur Einwohner der Metropole teilnehmen und somit auch keine internationalen Topläufer. Das Rennen gewann der uigurischstämmige Anubaike Kuwan in 2:14:24 Stunden. Pandemiebedingt war der lange Lauf in der chinesischen Hauptstadt zuletzt 2019 ausgetragen worden.

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