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Neuer Schlag gegen Doping : „Operacion Galgo“ in Spanien

  • Aktualisiert am

Die spanische Weltmeisterin im 3000-Meter-Hindernislauf, Marta Domínguez, steht unter Dopingverdacht Bild: AFP

Im Jahr 2006 deckte die Polizei mit der „Operación Puerto“ ein weit verzweigtes Dopingnetz im Radsport auf. Nun gibt es wieder eine Razzia in Spanien. Im Mittelpunkt stehen diesmal Weltmeisterin Marta Domínguez - und abermals Dopingarzt Eufemiano Fuentes.

          Die Polizei ermittelt gegen Spaniens erfolgreichste Leichtathletin Marta Domínguez wegen Dopingverdachts. Wie der staatliche Rundfunk RNE sowie mehrere Zeitungen in ihren Online-Portalen berichteten, durchsuchten Beamte in Zivil - der Spezialeinheit UCO der Guardia Civil - am Donnerstag auch die Wohnung der Weltmeisterin von 2009 (3000-Meter-Hindernislauf) und mehrmaligen Europameisterin in der nordspanischen Stadt Palencia.

          Es hat offenbar eine größere Anzahl von Festnahmen gegeben. Die Athletin, zwei Leichtathletik-Trainer, darunter der Betreuer der 35 Jahre alten Läuferin, César Pérez, ihr Manager und der auf Gran Canaria lebende mutmaßliche Dopingarzt Eufemiano Fuentes seien festgesetzt worden, verlautete aus Justizkreisen. Die Ermittler hatten im Rahmen einer „Operación Galgo“ (Galgo heißt übersetzt Windhund) genannten Anti-Doping-Aktion in verschiedenen spanischen Städten - Palencia, Madrid, Las Palmas - Hausdurchsuchungen vorgenommen. Es ist der dritte großangelegte Einsatz der Guardia Civil gegen Doping seit 2006.

          Die Polizei bestätigte die offenbar mit spanischen Dopingbekämpfern abgestimmte Aktion, gab aber zunächst keine Einzelheiten bekannt. Die Durchsuchungen wurden ohne Kenntnis des spanischen Leichtathletikverbandes unternommen. Verständlich, denn Marta Domínguez ist auch Vizepräsidentin des Verbandes. Augenzeugen beobachteten, wie Beamte Gegenstände aus der Wohnung von Domínguez abtransportierten. Derzeit macht sie eine Babypause, sie hat aber schon angekündigt, sie wolle in London 2012 bei den Olympischen Spielen antreten.

          Zahlreiche bekannte Radprofis auf der Liste von Fuentes

          Die Zeitung „El País“ (Internetausgabe) verglich die Polizeiaktion mit der „Operación Puerto“ im Mai 2006, bei der ein weit verzweigtes Dopingnetz im Radsport aufgedeckt worden war. Damals hatte der Mediziner Fuentes im Mittelpunkt gestanden. In die „Operacion Galgo“ soll auch Radprofi Luis Leon Sanchez verwickelt sein. Fuentes kennt Sanchez aus gemeinsamen Zeiten beim Team Liberty Seguros. Der Elfte der Tour de France 2010 ist einer der Spitzenprofis und hat einen neuen Vertrag beim Rabobank-Rennstall unterschrieben, wo er in der neuen Saison einer der Kapitäne sein soll. Bislang fuhr er bei Caisse d'Epargne.

          Nach den damaligen Ermittlungen der Guardia Civil soll Fuentes europaweit Profiradsportler unter anderem mit Eigenblut gedopt haben. In einer Madrider Wohnung fanden die Beamten Hunderte von Blutplasmakonserven sowie Epo, Wachstumshormon und Anabolika. Das Ermittlungsverfahren gegen Fuentes und weitere Verdächtige wurde 2007 vorläufig und 2008 dann endgültig eingestellt, da die Handlungen vor Inkrafttreten des Anti-Doping-Gesetzes in Spanien nicht strafbar gewesen seien.

          Auf der Liste der von Fuentes behandelten Radprofis fanden sich zahlreiche bekannte Fahrer, unter ihnen Jan Ullrich, Ivan Basso, Francisco Mancebo, Alejando Valverde, Roberto Heras, Tyler Hamilton, Joseba Beloki und Alberto Contador. Viele beteuern bis heute ihre Unschuld, andere - wie Jörg Jaksche - gaben ihre Verwicklung zu. Viele Ermittlungen gegen verdächtigte Fahrer verliefen aufgrund unklarer oder fehlender Gesetzeslage im Sande.

          Etliche Profis setzten ihre Karriere ohne Unterbrechung fort oder wurden nur vorübergehend von ihren Teams suspendiert. Im Dezember 2006 trat in Spanien ein Anti-Doping-Gesetz in Kraft, nach dem Manager, Betreuer und Mediziner zu Haftstrafen verurteilt werden können. Vor gut einem Jahr hatte die Polizei ein Dopingnetz ausgehoben, dem der Geher Paquillo Fernández angehörte. Der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele 2004 in Athen verbüßt derzeit seine Sperre.

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