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Neue Sportmacht Qatar : Der Scheich liebt Handball

  • -Aktualisiert am

Konfetti für die aufstrebenden Handballer: Qatar hat 2014 immerhin die Asienmeisterschaft gewonnen Bild: AFP

Mit der Hilfe von Qatar und einem Rekordvertrag kämpft die Internationale Handball-Föderation um ihre Zukunft. 81 Millionen Euro kassiert der Verband für die WM-Übertragungsrechte bis 2017.

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          Als Tennisprofi hatte es Nasser Ghanim Al-Khelaïfi, 40, nicht in die Weltspitze geschafft. Rund 16.000 Dollar hat der Rechtshänder zwischen 1992 und 2002 eingespielt, einmal brachte er es auf Platz 995 in der ATP-Weltrangliste. Als Geschäftsmann zählt Al-Khelaïfi heute zu den einflussreichsten Figuren des globalen Sports. Der Mann aus dem Wüstenstaat Qatar fungiert seit 2011 als Präsident von Paris St. Germain, einem der ambitioniertesten Fußballklubs der Welt.

          Im Auftrag des Mehrheitseigners Qatar Sports Investment soll er, ein recht leiser Mann mit Distinktion und feinen Manieren, die Franzosen bis 2016 an die Weltspitze führen. Das ist sein wichtigster Job. Nebenbei fungiert Al-Khelaïfi als General Manager von beIN Sports, Sportableger des arabischen TV-Senders Al Dschazira, der sich ebenfalls in qatarischem Staatsbesitz befindet. In dieser Funktion führte es ihn jüngst in eine Villa nach Basel, der Zentrale der Internationalen Handball-Föderation (IHF).

          Der TV-Vertrag, den er dort mit IHF-Präsident Hassan Moustafa fixierte, sprengte alle bisherigen Dimensionen im Handball: Rund 100 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet etwa 81 Millionen Euro) zahlt beIN Sports für die Übertragungsrechte an allen Handball-Weltmeisterschaften zwischen 2014 und 2017. Der vorherige IHF-Partner Ufasports hatte circa 60 Millionen Franken berappen müssen. Die IHF-Granden jubeln nicht nur über die Rekorderlöse. Sie wollen mit beIN Sports auch den allmählichen Niedergang der Sportart stoppen.

          Handball-Präsident Hassan Moustafa: mit Qatar in die Zukunft
          Handball-Präsident Hassan Moustafa: mit Qatar in die Zukunft : Bild: dpa

          „Wir sind in manchen Ländern wie Pakistan, Indien, den USA, Kanada, China oder Australien noch schwach“, sagte Moustafa nach dem Vertragsabschluss. „BeIN hat dort Kanäle und kann alle Haushalte erreichen.“ Mit dem Sender könne man, propagiert Moustafa, in diesen Märkten die Aufmerksamkeit für den Handball erhöhen.

          Moustafa ist in Sorge, da das Internationale Olympische Komitee (IOC) Handball kürzlich in die Gruppe D zurückstufte. Das hat geringere IOC-Zuwendungen für die IHF zur Folge. Und die Gefahr wird realer, dass Handball eines Tages aus dem olympischen Programm gestrichen werden könnte, weil sich nur Europa dafür interessiert. „Ein Partner wie beIN Sports bringt sehr wohl etwas für die Präsenz des Handballs in der Welt“, lobt Gerd Butzeck, der Geschäftsführer der europäischen Klubvereinigung FCH, die Partnerschaft mit Qatar.

          Scheich Joaan bin Hamad al-Thani, der Bruder des Emirs, leitet das Organisiationskommitee der WM 2015
          Scheich Joaan bin Hamad al-Thani, der Bruder des Emirs, leitet das Organisiationskommitee der WM 2015 : Bild: AFP

          Und die Qatarer? Sind entzückt, ließ Al-Khelaïfi nach der Unterschrift im großen Konferenzsaal der IHF-Zentrale wissen. „Wir sind sehr stolz auf diesen Kontrakt. Handball ist ein sehr interessanter Sport, und zwar weltweit, nicht nur im Mittleren Osten“, sagte der Manager, der mit Leibwächtern und Assistenten gekommen war. „Wir lieben Handball. Handball ist sehr wichtig für unser Netzwerk.“ Die Stimmung war gelöst. Der Qatarer lachte viel mit Hassan Moustafa. Dann ließen sie sich von einem Reporter des arabischen Senders interviewen.

          „Al-Thani ist ganz verrückt nach Handball“

          Nun schwingt stets ein Generalvorwurf mit, wenn Qatar seinen Einfluss in der Welt des Sports vergrößert: Der Staat am Persischen Golf wolle den internationalen Sport kaufen. Das Engagement im Handball indes hat, wenn man präzise hinschaut, viele Gründe. Zunächst hat Scheich Tamid Bin Hamad Al-Thani an dieser Sportart einen Narren gefressen - als kürzlich das Maskottchen für die WM 2015 in Doha präsentiert wurde, stellte sich der Emir in ein Handballtor. „Al-Thani ist ganz verrückt nach Handball“, sagt Moustafa strahlend.

          Aber es ist nicht nur das Hobby des Emirs. Mit der WM im Januar 2015 in Doha will sich Qatar unbedingt als perfekter Gastgeber präsentieren und so ein publizistisches Gegengewicht schaffen zu den vielen negativen Schlagzeilen rund um die Fußball-WM 2022. Das Budget für die Handball-WM, für die drei neue Arenen gebaut werden, liegt laut Moustafa bei 1,2 Milliarden Rial - also weit über 200 Millionen Euro.

          Spielort der WM: Al-Sadd Sports Hall in Doha
          Spielort der WM: Al-Sadd Sports Hall in Doha : Bild: AFP

          Und natürlich arbeitet es sich unkomplizierter, wenn auch die Fernsehrechte für dieses Event in qatarischer Hand liegen. Zugleich versichern die Investoren, sich nicht nur kurzfristig im Handball zu engagieren. „Dieser Vertrag ist auch strategisch motiviert, wir wollen uns in einer zweiten populären Sportart langfristig gut aufstellen“, sagte Al-Khelaïfi in Basel. Ein Argument für den aktuellen Deal war auch, dass die WM 2017 in Frankreich ausgetragen wird - ein Markt, in dem sich beIN Sport (nicht nur im Handball) noch stärker etablieren will. Schon heute überträgt der arabische Sender für den französischen TV-Konsumenten auch Spiele aus der Handball-Bundesliga. Auch finanziert Paris St. Germain eine ehrgeizige Handballabteilung.

          Viele Insider bezweifeln jedoch, dass beIN Sports die neuen Handballrechte wird refinanzieren können. Das gebe der Handball, der zuletzt ziemlich gelitten hat, nicht her. Al-Khelaïfi lächelt über diese Frage hinweg und sagt: „Wir wissen, dass diese Rechte sehr werthaltig sind.“ Aus einer neuen Studie des Wirtschaftsprüfungskonzerns Deloitte geht hervor, dass die Preise für TV-Rechte weiterhin steigen, darauf weist Butzeck hin. Er sagt: „Ich würde mir wünschen, dass beIN Sports mit den Rechten Geld verdient.“ Eine Refinanzierung wäre eine Zäsur: ein Beweis dafür, dass es wieder aufwärtsgeht mit der Sportart Handball.

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