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Neue Schwimm-Liga ISL : Wie eine Party im Becken

Volle Kraft voraus: Athleten wie Chad Le Clos sollen der neuen ISL zum Erfolg verhelfen. Bild: AP

Die neue International Swimming League stößt auf durchweg positive Resonanz. Das liegt nicht nur an den finanziellen Rahmenbedingungen. Doch eine Frage bleibt offen.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Schwimmen, olympische Kernsportart, ist dabei, sich neu zu positionieren – indem die Athleten in den Mittelpunkt gerückt werden. Das soll mit Hilfe eines neuen Konstrukts geschehen. In Indianapolis startete dieser Tage die International Swimming League (ISL). Eine neuartige Profiliga, die auch außerhalb von Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften Zuschauer, Medien und Sponsoren für den Schwimmsport begeistern soll. Keine Langstrecken, keine Vorkämpfe – im TV-freundlichen Zwei-Stunden-Format werden ausschließlich Finals geschwommen. Staffel- und Knock-out-Rennen sollen zusätzlich Spannung bringen. Ein Event mit Partycharakter.

          Kern der ISL aber ist der Teamcharakter. Im Becken bleibt der Schwimmer Einzelsportler. Doch die Siege und Punkte sammelt er für sein Team. Acht international zusammengesetzte Mannschaften treten an sechs Wochenenden im Oktober und November in den Vereinigten Staaten und in Europa gegeneinander an. Die Teams setzen sich aus je zwölf Frauen und Männern zusammen. Die besten vier Teams bestreiten im Dezember das Ligafinale in Las Vegas.

          „Schwimmen braucht dringend ein Upgrade“, sagt ISL-Geschäftsführer Andrea di Nino: „Es kann doch nicht sein, dass wir sechs Monate irgendwo im Verborgenen trainieren, um uns dann ein, zwei Mal im Jahr zu zeigen.“ Di Nino ist bewusst, dass sich diese vielerorts vorherrschende Sichtweise nicht über Nacht ändern lässt. Schon gar nicht in der Olympiasaison. Aber der langjährige Trainer weiß auch, dass Wettkämpfe auch in den trainingsintensiven Monaten zum Programm gehören. „Und dann muss die Frage erlaubt sein: Wollt ihr nicht, dass eure Schwimmer gegen die Besten ihres Fachs antreten, vor einer tollen Kulisse und dafür auch noch bezahlt werden?“

          Bunte Lichter, viele im Wasser: Der Auftakt der ISL in Indianapolis kam bei Zuschauern und Athleten gut an.

          Die Macher der ISL haben von Beginn an die Sportler als Partner behandelt und sie beteiligt, auch monetär. 50 Prozent der Gewinne sollen an die Sportler weitergegeben werden. Ein Novum im Schwimmsport, in dem der Weltverband Fina bislang nicht einmal zehn Prozent seiner Gewinne in Form von Prämien an ohnehin nur wenige Sportler weiterreicht. Die ISL wiederum versprach Antrittsgelder für jeden Schwimmer, dazu persönliche Erfolgsprämien sowie Preisgelder fürs Team. In der Premierensaison sollen so garantiert 5,3 Millionen Dollar ausgeschüttet werden.

          41 Olympiasieger von Rio 2016 haben bereits bei unterschiedlichen Teams unterschrieben. Darunter die Superstars der Szene wie Katie Ledecky, Caeleb Dressel, Adam Peaty und Sarah Sjöström. Auch deutsche Topschwimmer haben sich der ISL angeschlossen. Sarah Köhler, Franziska Hentke, Philip Heintz und Poul Zellmann starten für das von Italiens Schwimm-Diva Federica Pellegrini angeführte Team „Aqua Centurions“. Und Franziska Hentke sagte nach der Ouvertüre in Indianapolis: „Ich fand, es war eine richtig gute Veranstaltung. Das Format hat auf jeden Fall Zukunft.“ Marco Koch, Reva Foos und Marius Kusch schwimmen für die „New York Breakers“, Christian Diener hat sich Peatys „London Roar“ angeschlossen. „Hier dabei zu sein fühlt sich irgendwie historisch an“, sagt Annika Bruhn, die erst kürzlich via Instagram von „DC Trident“ angeworben wurde. Natürlich spiele für sie auch eine Rolle, dass man mit der Teilnahme an der Serie Geld verdienen kann. „Aber ich freue mich vor allem auf das Erlebnis. Mit den big names in einer internationalen Mannschaft zu schwimmen, ist schon ziemlich cool.“ In Indianapolis siegte „Energy Standard“ aus Frankreich, angeführt von Chad le Clos und Sarah Sjöström.

          Der Weltverband hingegen hatte in den vergangenen Monaten viel unternommen, um die ISL zu verhindern. Erst drohte er den Schwimmern mit Sperren. Dann stellte der Verband kurzerhand eine für ausgewählte Stars zwar lukrative, aber wenig durchdachte Kopie der ISL auf die Beine. Für Di Nino steht fest: „Um die Zukunft des Schwimmens zu sichern, müssen wir jetzt agieren, sonst ziehen immer mehr Sportarten an uns vorbei.“ Immerhin: Für Europa hat sich Eurosport die Übertragungsrechte für die kommenden zwei Jahre gesichert. Ob Schwimmen aber tatsächlich als Mannschaftssport, als Ligasport jenseits von Landesgrenzen funktioniert, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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