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Los Angeles statt Boston : Neue Konkurrenz für Hamburger Olympia-Bewerbung

So sollte es aussehen: Bostons Pläne für 2024 Bild: Reuters

Weil in Boston die Zustimmung in der Bevölkerung rapide schwindet, soll nun wohl Los Angeles die Olympischen Spiele 2024 nach Amerika holen. Für die Hamburger Bewerbung bedeutet das ein neues Risiko.

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          Die Kandidaten laufen sich noch warm, da scheitert schon der erste. Boston 2024 ist, so wie es um die Zustimmung in Bevölkerung und Politik zur Olympiabewerbung steht, Geschichte. Während die Bewerbungsgesellschaft das Konzept innerstädtischer Sommerspiele mit der Verlagerung von Tennis und Segeln, von Schießen und Beach-Volleyball an die Ränder der Metropol-Region ruiniert, schwindet in der stolzen Stadt die Zustimmung.

          Nur noch 39 Prozent ihrer Bürger sind nach der jüngsten Umfrage für Olympia. Bürgermeister Marty Walsh reagiert auf das verbreitete Misstrauen, dass doch der Steuerzahler für die Spiele bezahlen muss, mit dem Versprechen, für keinerlei Olympia-Kosten bürgen zu wollen. Dann dürfte er auch keinen Gastgeber-Vertrag mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) schließen, und er wird das auch nicht müssen. Denn das Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten (USOC) steht kurz davor, Boston sein Vertrauen zu entziehen. Statt der historischen Stadt an der Ostküste soll sich Los Angeles an der Westküste um die Spiele bewerben.

          Der neue Kandidat steht hoch im Kurs

          Für den kleinen, feinen Außenseiter Hamburg wird das Rennen dadurch nicht einfacher. Das Engagement, mit dem einflussreiche Mitglieder des IOC die Amerikaner zum Pferdewechsel drängen, deutet darauf hin, dass der Kandidat aus Übersee hoch im Kurs steht. Das IOC hat etwas gut zu machen und will das offenbar bald erledigen. Im Oktober 2009 ließ es den amerikanischen Präsidenten Obama zur Entscheidung über die Olympiastadt 2016 nach Kopenhagen kommen und brüskierte ihn damit, dass es seine Heimatstadt Chicago im ersten Wahlgang rauswarf – vier Jahre nach dem Scheitern von New York 2012. Die Amerikaner verzichteten auf eine Bewerbung für 2020 und ließen sich auf die Verringerung ihrer überproportionalen Beteiligung an Sponsor- und Fernseh-Einnahmen des IOC ein.

          Damit ist der Weg frei – nicht nur für eine neue Bewerbung, sondern womöglich auch für die Olympischen Spiele. Die Vereinigten Staaten sind attraktiv für das IOC, weil sie nicht nur einen mächtigen Markt bieten. Und zwei Jahre nach den Winterspielen in Peking oder Almaty 2022 landete das IOC mit einem Votum für Kalifornien in einem vergleichsweise unproblematischen Staat. Zudem ist den Amerikanern zuzutrauen, Los Angeles 2024 wie einst die Spiele von 1984 in der Stadt privat zu finanzieren. Der Rückzug von Boston wäre also keine Chance, sondern ein neues Risiko für Hamburg.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

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