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Turnen : Neben Simone Biles ist kein Platz im Scheinwerferlicht

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Quer in der Luft: Simone Biles am Stufenbarren. Bild: AP

Simone Biles begeistert auch in Stuttgart das Publikum. Die jugendlichen Fans kreischen. Und natürlich gewinnt die amerikanische Turnerin den Weltcup überlegen.

          Simone Biles kommt, turnt und lächelt – und natürlich gewinnt sie. So war es in der Vergangenheit, und so war es auch am Wochenende beim Weltcup in Stuttgart. Mit einem Vorsprung von mehr als dreieinhalb Punkten siegte die mit vier olympischen und 14 Weltmeistertiteln dekorierte Turnerin bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland. Wenn Simone Biles kommt, ist die Halle ausverkauft – auch in Stuttgart. Wenn sie auf die Bodenfläche stolziert, dann kreischen die jugendlichen Fans. Sie ist ein Glücksfall für jeden Veranstalter.

          Der Schwäbische Turnerbund hatte im Vorfeld verkündet, Biles habe sich für Stuttgart entschieden, um einen Wettkampf in der diesjährigen WM-Stadt zu absolvieren. Tatsächlich hatte sie vergangene Woche einen Fototermin für ihren Ausrüster in Paris und startet kommende Woche bei einer Show-Veranstaltung in London. Es sei schon eher ein „Business-Trip“, dieser Ausflug nach Europa, sagte sie nach dem Wettkampf. Doch nicht nur ihre Anwesenheit hat einen enormen Wert: 3,3 Millionen Menschen folgen Simone Biles auf Instagram. Wenn sie nicht gerade Fotos von ihrem Hund oder ihrem Freund verbreitet, dann häufig solche, auf denen sie auf einem Bett sitzt. „Bezahlte Partnerschaft“ heißt so etwas, in diesem Fall mit einer Matratzenfirma. Am Sonntagvormittag sind Simone Biles und ihr Trainer Laurent Landi die Ersten in der Halle: Simone beginnt ihr Aufwärmprogramm, das Publikum beklatscht jeden Salto.

          Neben ihr bleibt kaum Platz: Simone Biles mit den auf Rang zwei und drei plazierten Konkurrentinnen Anne-Marie Padurariu (Mitte) und Elisabeth Seitz aus Deutschland beim Selfie. Bilderstrecke

          Kurz darauf betritt auch die Russin Aliya Mustafina die Fläche. Auch Mustafina hat viele internationale Medaillen vorzuweisen – sieben bei Olympischen Spielen und zwölf bei Weltmeisterschaften. Wie Biles nahm die Barren-Olympiasiegerin von Rio nach den Spielen eine Auszeit: Sie heiratete und bekam 2017 ihre Tochter Alisa. Wie Biles gab auch Mustafina im vergangenen Jahr ihr internationales Comeback und gewann WM-Silber mit dem russischen Team. Notiz davon nahm kaum jemand. Neben Simone Biles bleibt kein Raum, auch nicht für Aliya Mustafina, die in Stuttgart Fünfte wurde.

          Die Leichtigkeit des Schweren

          „Die Schwerkraft alt aussehen lassen und damit neue Trends setzen, das ist Turnen“ lautet einer der Slogans, mit denen in Stuttgart für das Turnen geworben wird. Biles’ Dominanz und ihre Popularität haben genau damit zu tun: Am Sonntag zeigte sie nicht mal den Sprung, der seit letztem Herbst ihren Namen trägt, eine etwas leichtere Variante reichte für fast einen Punkt Vorsprung nach dem ersten Gerät. Biles’ Sprungkraft lässt viele Beobachter einigermaßen ungläubig zurück. Ihre außergewöhnliche Orientierung im Raum scheint sie nie im Stich zu lassen.

          Beides zusammen führt dazu, dass ihre Darbietungen am Sprung, Boden und Balken leicht aussehen, obwohl sie schwieriger sind als alles, was der Rest der Welt zeigt. Über die Frage, wie sie das schafft, wird nicht viel diskutiert in der Turnwelt. Auch nicht bei der vergangenen Weltmeisterschaft im Oktober 2018 in Doha, als sie nach einem Jahr Pause deutlich verbessert zurückkehrte und trotz akuter Probleme mit Nierensteinen vier Titel gewann. Ein Jahrhunderttalent eben. Ein Talent, das letzte Woche 22 Jahre alt geworden, 1,42 Meter groß ist und kein Gramm Fett am Körper hat. In Doha hatte sie auf Nachfrage erklärt, keine ADHS-Medikamente mehr zu nehmen, für die sie, wie nach den Spielen bekannt geworden war, in Rio 2016 eine medizinische Ausnahmegenehmigung hatte. Einer ihrer Sponsoren stellt Eiweißdrinks her, über die Biles schreibt: „Eins meiner allerliebsten Getränke, das meiner Regeneration in Training und Wettkampf hilft.“

          Der amerikanische Turnverband hat übrigens im vergangenen Dezember Konkurs angemeldet, zu Jahresbeginn gar zeitweise keine Stipendien an seine Turner ausgezahlt. Simone Biles ist finanziell längst unabhängig, auch ohne die 12 .000 Schweizer Franken (rund 10.500 Euro) Preisgeld für ihren Weltcup-Sieg. Auf die Frage, ob sie ihre chancenlose Konkurrenz überhaupt noch wahrnimmt, antwortet sie diplomatisch: „Ich kann ja nur meine eigenen Übungen beeinflussen.“

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