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NBA : Wo kein Geld wächst, wird der Basketball umgetopft

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Ab jetzt in hellblau: Jeff Green von den Oklahoma City Thunder während eines Testspiels in Sacramento am 10. Oktober Bild: AP

Beispiel Seattle SuperSonics: Alte Namen und große Meriten spielen in der NBA nur eine Nebenrolle. So spielt die ehemalige Mannschaft von Detlef Schrempf nun statt am Pazifik 2000 Meilen entfernt in Oklahoma City.

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          In seiner Karriere in Seattle hat Detlef Schrempf mehr als einmal erlebt, dass nicht immer alles so läuft, wie man hofft. Zum Beispiel 1996, als er mit den SuperSonics die Finalserie gegen die Chicago Bulls erreicht hatte und ihm der Traum vom Titelgewinn durch die Finger rann. Bei seiner Rückkehr vor knapp drei Jahren als Assistenztrainer lief es am Ende nicht viel besser.

          Da war aus der einst so erfolgreichen Mannschaft ein Kellerkind der nordamerikanischen Basketball-Profiliga (NBA) geworden. Mit einem Management, das in Sachen Kompetenz und Stil viele Wünsche offenließ. Doch das ist nichts gegen den gegenwärtigen Stimmungspegel. „Es ist beschämend“, sagte der ehemalige deutsche Nationalspieler, der in Seattle lebt und die Detlef-Schrempf-Stiftung betreibt, die sich unter anderem in sportlichen Entwicklungsländern um die Popularisierung des Basketballspiels bemüht. „Es ist traurig, es ist tragisch.“

          Aus Begeisterung droht Apathie zu werden

          Die starken Worte kann man verstehen. Schrempfs Seattle SuperSonics gibt es nämlich nicht mehr. Nach einem jahrelangen Tauziehen zog der Klub im Laufe des Sommers mit allen Spielern und allem Inventar in eine andere Stadt und läuft dort unter dem Namen Oklahoma City Thunder. Der Verlust hat vielen Sportfans in der regnerischen Region im Nordwesten der Vereinigten Staaten, der Heimat von Wirtschaftslokomotiven wie Boeing, Microsoft und Starbucks, ein völlig neues Gefühl vermittelt: dass innerhalb kürzester Zeit aus Begeisterung für eine Mannschaft und eine Sportart Apathie zu werden droht.

          Vergeblich: der Protest der Fans in Seattle gegen den Umzug

          „Das muss jetzt schnell gehen“, sagte Schrempf, als er gefragt wurde, ob wohl jemals wieder ein Team in der Stadt Fuß fassen könne. Er gebe einem solchen Projekt einen Zeitrahmen von 18 Monaten, meinte er. „Andernfalls ist es gelaufen.“

          Die Politiker wollen ein Team in Seattle nicht bezuschussen

          Was des einen Leid, ist des anderen Freud. Für das Team beginnt am Mittwoch im neuen Trikot und mit einem neuen Logo in Oklahoma City mit einem Heimspiel gegen die Milwaukee Bucks die Saison. Und Spieler wie Kevin Durant, der junge Star der Mannschaft, haben sich längst an den Gedanken gewöhnt. Und das nicht nur, weil Oklahoma City als basketballbegeistertes Pflaster gilt und zuletzt zwei Jahre lang die von Hurricane „Katrina“ vertriebenen New Orleans Hornets aufgenommen hatte. „Ich liebe Seattle“, sagt Durant. „Aber ich kann nicht viel dran ändern. Du kannst dir nicht aussuchen, wohin du gehst, wenn du gedraftet wirst. Und du kannst dir nicht aussuchen, wo deine Mannschaft spielt.“

          Dass Detlef Schrempf so pessimistisch klingt, liegt auch daran, dass die Chancen für Seattle, demnächst wieder eine NBA-Mannschaft zu bekommen, nicht gut aussehen. Die Lokalpolitiker in der Stadt und die Abgeordneten, die den Bundesstaat Washington vom Regierungssitz Olympia aus lenken, hatten der Liga in den letzten Jahren in einer zentralen Frage immer wieder einen Korb gegeben: Sie wollten das Team nicht bezuschussen.

          In Oklahoma City ist der Werbewert des Teams sehr viel höher

          Profiklubs im Milliardengeschäft des amerikanischen Liga-Alltags gerieren sich seit Jahrzehnten wie Sozialempfänger und verlangen von Kommunen und Steuerzahlern Hunderte von Millionen Dollar an Subventionen. Ohne solche Zusagen, meist in Form von Sachleistungen wie teuren Arenen mit Luxussuiten und aufwendiger Verkehrsanbindung, wandern sie in Städte wie Oklahoma City ab, wo man den Werbewert eines Teams sehr viel höher einstuft als in den bedeutenden Wirtschaftszentren des Landes und bereitwillig öffentliche Gelder zur Verfügung stellt. Im konkreten Fall handelt es sich um eine Summe von 120 Millionen Dollar.

          Eine solche Option war in Seattle lang und breit diskutiert, aber schließlich verworfen worden. Der Hauptgrund: Der Steuerzahler schultert bereits die Kosten für zwei neue Stadien für die Mariners (Baseball) und die Seahawks (Football). Ein Umstand, der Clay Bennett, einem Geschäftsmann aus Oklahoma City, sicher vertraut war, als er 2006 mit einer Reihe von Partnern für 350 Millionen Dollar dem Starbucks-Besitzer Howard Schultz die SuperSonics abkaufte.

          Auch die Lakers spielten nicht immer in Los Angeles

          Denn von Anfang an hatte er nur eine Absicht: Er wollte das Team in seine Heimat verpflanzen. Aber der Trick bestand darin, diese Absicht so gut zu verschleiern, dass die Politiker in Seattle am Ende wie die Hauptschuldigen aussehen und die Stadt Oklahoma City tief in den Steuersäckel greift.

          Kaffeebaron Schultz war über die Taktik derart verärgert, dass er im April Clay Bennett auf die Rückgabe des Klubs verklagte. Die Chancen für den Erfolg werden jedoch von den meisten Beobachtern als gering eingestuft. Zumal der Umzug von Klubs im amerikanischen Sport gang und gäbe ist. Allein in der NBA ist ein Drittel der aktuellen Teams im Laufe der Jahre auf der Suche nach einem stabilen Umfeld umgetopft worden. Bisweilen kann man sogar an den Namen erkennen, dass sie aus einer anderen Stadt und einer anderen Region stammen - wie bei den Los Angeles Lakers (ursprünglich in Minneapolis zu Hause) oder den Utah Jazz (vorher New Orleans).

          NBA-Geschäftsführer Stern will nach Europa und Asien expandieren

          Allerdings hat der Fall Seattle eine neue Dimension: Noch nie wurde eine ehemalige Meistermannschaft mit tiefen Wurzeln in der Bevölkerung verpflanzt. Solche Empfindungen scheinen den Liga-Verantwortlichen jedoch fremd. Auf NBA-Geschäftsführer David Stern (siehe: NBA-Commissioner David Stern: „Epo-Tests sind nicht gerechtfertigt“) zum Beispiel sollten die Basketballfans lieber nicht setzen. Der interessiert sich mehr für eine Expansion nach Europa und China (siehe: Die NBA in Berlin: Lahmer Schaukampf eines Sportimperiums) und hatte sich bereits bei Bennetts Verhandlungen im Frühjahr als Hardliner geoutet, der den Politikern in Seattle die Schuld an dem Dilemma gab.

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