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Becky Hammon : Die erste Trainerin in der NBA?

  • -Aktualisiert am

Bislang Assistenztrainerin: Becky Hammon bei den San Antonio Spurs Bild: AFP

Auf dem steinigen Weg nach oben beweist Becky Hammon viel Durchhaltevermögen. Als erste Frau in der NBA-Geschichte könnte sie nun Coach eines Männer-Teams werden. Und sie bekommt prominente Unterstützung.

          4 Min.

          Vielleicht wäre alles ganz anders gelaufen, wenn die beiden nicht im Sommer 2012 auf dem Rückweg aus London im Flugzeug nebeneinander gesessen hätten. Sie: die beste Spielerin in einer Mannschaft, die nie ganz das gehalten hatte, was man sich von ihr versprochen hatte. Er: einer der besten Basketball-Trainer seiner Generation. Das Gespräch verlief sehr angeregt. Denn sie unterhielten sich über alles Mögliche: über Politik und über guten Wein. Und über Russland, für das sie in den Tagen davor – obwohl Amerikanerin – zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen auf dem Platz gestanden hatte.

          Um Basketball ging es irgendwann auch. Aber nur weil Gregg Popovich, der damals mit den San Antonio Spurs schon viermal die NBA-Meisterschaft gewonnen hatte, einen Hang dazu hat, seine Gegenüber mit kleinen Provokationen aus der Reserve zu locken: „Wenn du als Assistenztrainer für mich arbeiten würdest, würdest du mir jedes Mal die Wahrheit sagen?“, fragte er. „Ich wüsste nicht, weshalb du mich sonst überhaupt fragen würdest“, sagte Becky Hammon, die damals für die San Antonio Silver Stars in der Frauenliga WNBA spielte. Sie erinnerte sich auch noch Jahre später an seine Antwort: „Gut. Ich will keinen Haufen aus Ja-Sagern.“

          Die Szene aus dem Flieger zurück nach Texas wurde zum Präludium einer ungewöhnlichen Karriere. Die begann, als sich Hammon ein Jahr darauf im linken Knie das Kreuzband riss und während der Reha-Zeit als Praktikantin in Popovichs Trainerteam anheuerte. Sie war bei Taktikdiskussionen und bei Sitzungen dabei, bei denen Videoaufzeichnungen von Spielen analysiert wurden, und saß bei Heimspielen direkt hinter der Auswechselbank. Und wenn Popovich sie nach ihrer Meinung fragte, sagte sie sie ihm.

          Durchsetzungsvermögen in der Männer-Liga: Becky Hammon
          Durchsetzungsvermögen in der Männer-Liga: Becky Hammon : Bild: AFP

          Sie bestand damals den wichtigsten Test. „Wenn man lange genug dabei gewesen ist, dann weiß man, wer coachen kann und wer nicht“, nannte Popovich später als Grund dafür, weshalb er Hammon 2014 fest angestellt hatte. „Becky ist eine von diesen Leuten. Sie ist ein Steve Kerr. Sie ist ein Doc Rivers. Sie gehört zu den Leuten, die ein Gefühl für das Spiel haben.“ Eine solche Aussage wäre allerdings nur halb so bedeutsam, wenn die betreffende Person den üblichen Chromosomensatz hätte. Weshalb Becky Hammon seit ein paar Jahren sowohl von skeptischen Blicken als auch von großen Schlagzeilen begleitet wird.

          „Becky Hammon schreibt Geschichte“

          So wie Anfang Januar beim Heimspiel der Spurs gegen die Los Angeles Lakers, als Popovich sich in der ersten Hälfte mit den Schiedsrichtern anlegte, aus der Halle verwiesen wurde und die 43-Jährige für den Rest des Spiels seinen Posten übernahm. „Becky Hammon schreibt Geschichte“, trompeteten Amerikas Sportmedien über den Augenblick, in dem zum ersten Mal eine Frau in einer amerikanischen Männer-Liga die Chefrolle übernommen hatte. Popovich und Hammon erwiesen sich hinterher als hervorragend eingespieltes Duo. Sie quittierte die Aufmerksamkeit eher gelassen („Klar, das ist etwas Besonderes, aber ich denke nicht gerne über das große Ganze nach“). Und er sortierte den Moment als Teil einer normalen Entwicklung ein: „Wir haben Becky nicht verpflichtet, um Geschichte zu schreiben. Sie hat sich das erarbeitet. Sie ist qualifiziert. Ja, sie ist zufälligerweise eine Frau. Aber das sollte irrelevant sein.“

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