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NBA und deutscher Basketball : Nebenjob Bundestrainer

Aufstrebendes Basketball-Hirn: Chris Fleming Bild: Picture-Alliance

Der Cheftrainer der Denver Nuggets spricht über die Verpflichtungen seines künftigen Assistenten, als pflege dieser ein nettes Hobby. Dabei ist Chris Fleming Bundestrainer. Und muss deshalb in Deutschland präsent sein.

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          Der nächste Schritt - das ist stets, was Basketball-Profis tun, wenn sie die Mannschaft wechseln und entweder mehr Verantwortung übernehmen oder um bedeutendere Titel spielen. Nur so wachsen sie: mit neuen Herausforderungen. Chris Fleming, mit gerade 45 Jahren ehrgeiziger Profi durch und durch, tut zwei Schritte auf einmal. Seit November führt er als Bundestrainer die Nationalmannschaft gen Olympia; wenn sie sich nicht bei der bevorstehenden Europameisterschaft für Rio 2016 qualifiziert, soll sie das später für Tokio 2020 tun.

          Aber bevor die ersten Testspiele für seine ersten internationalen Titelkämpfe überhaupt begonnen haben, macht Fleming den nächsten, einen Riesenschritt: in die NBA. In der Sehnsuchts-Liga fast jeden Basketball-Spielers erwartet ihn ein Platz im Trainerstab der Denver Nuggets.

          Als „aufstrebendes Basketball-Hirn“ beschreibt die Denver Post den Amerikaner, der seit mehr als zwanzig Jahren in Deutschland lebt und der mit Bamberg viermal Meister wurde. Nuggets-Cheftrainer Michael Malone spricht über die Verpflichtungen, die sein künftiger Assistent in Europa hat, als pflege dieser ein nettes Hobby: soll er ruhig weitermachen. Ähnlich ist es beim Deutschen Basketball-Bund. Prima, dass der Bundestrainer in der spielfreien Zeit - Dreiviertel des Jahres - nicht tatenlos herumsitze, sagt dessen Präsident Ingo Weiss.

          Ein Bundestrainer muss die Liga ständig im Auge haben

          Der Schritt von Fleming zeigt wieder einmal, dass ein guter Coach mit der Betreuung der Nationalmannschaft nicht ausgelastet ist - und dass das Verbot der Liga, die Auswahl und gleichzeitig einen Bundesliga-Klub zu betreuen, schädlich ist. Das bewies Bundestrainer Dirk Bauermann, der nebenberuflich die Basketballspieler des FC Bayern München in die erste Liga führte - und ausscheiden musste, um sie dort betreuen zu dürfen. Das bewies Svetislav Pesic, der ihm erst als Bundes- und dann als Bayern-Trainer folgte. Das bewiesen die kurzzeitigen und von mangelnder Autorität geprägten Amtszeiten von Frank Menz und Emir Mutapcic.

          Was innerhalb der deutschen Liga nicht möglich ist, soll sich nun mit Arbeitsplätzen in zwei Welten, achttausend Kilometer voneinander entfernt, als ideal erweisen. Das ist eine Illusion. Ein Bundestrainer muss die Liga ständig im Auge haben, junge Spieler intensiv betreuen, Talente fordern wie fördern, Kontakte schmieden. Er muss präsent sein. Wenn der Verband den Preis dafür nicht zahlen kann, dann muss die Liga sich korrigieren, damit die Nationalmannschaft vorankommt: Gute Bundesligatrainer gibt es genügend.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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