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„March Madness“ : Der NBA-Traum von Moritz Wagner

  • -Aktualisiert am

Moritz Wagner will in die NBA. Bild: AP

Beim wichtigsten Nachwuchsturnier der Basketballer in den Vereinigten Staaten will sich der Deutsche Moritz Wagner für die beste Liga der Welt empfehlen. Einfach wird dies nicht. Doch die Vorzeichen sind gut.

          Man kann sich im Alter von siebzehn als Sportler mit Ambitionen schon mal leicht verzetteln. Erst recht, wenn die Einflüsterungen von außen besonders laut sind. Moritz Wagner war Ende 2014 deshalb auch hin und her gerissen. Es gab amerikanische Universitäten, die ihn mit einem Stipendium lockten. Aber auch sein Heimatklub Alba Berlin versuchte, ihn langfristig zu binden. Der junge Basketballer, jetzt 20 Jahre alt, fand damals „beides geil“, auch wenn er mit einem Wechsel in die Vereinigten Staaten den Traum vom Profisportler erst mal zur Seite schieben würde.

          Seit jener Zeit hat sich an der Lebensplanung nichts geändert. Und auch nicht an den Optionen. Vor gut einer Woche im Madison Square Garden von New York zeigte sich Wagner mal wieder von seiner besten Seite. Er wurde beim prestigeträchtigen Titel-Turnier der in der „Big Ten Conference“ zusammengeschlossenen vierzehn Colleges aus elf Bundesstaaten als herausragender Spieler ausgezeichnet. Die Entscheidung für den Wechsel an die sportbesessene University of Michigan in Ann Arbor und für die formenden Hände von Trainer John Beilein produziert erste Dividenden.

          Wagners Mutter Beate war in der Halle und wurde nach dem Turniersieg von ihrem Sohn umarmt: „Ich habe ihr gesagt: Unsere Ausbeute liegt bei 100 Prozent, wenn sie da ist“, sagte er, was eine Anspielung an den Erfolg von vor einem Jahr war, als die Michigan Wolverines ebenfalls „Big Ten“-Champion wurden. Der 2,11 Meter große Absolvent des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Pankow hat inzwischen die richtige Mischung aus emotionalem Eifer und handwerklichen Stärken gefunden, die man als Power Forward braucht, um sich auf diesem Niveau durchzusetzen.

          Beim Qualifikationsturnier „Big Ten“ wurde der Berliner Wagner (Mitte) als herausragender Spieler ausgezeichnet.

          Wagner ist nicht nur ein zuverlässiger Scorer geworden. Er zeigt auch in der Verteidigung seine Qualitäten und wurde zum Dreh- und Angelpunkt einer Mannschaft, die von diesem Donnerstag an beim K.-o.-Turnier der besten 68 Teams des Landes in der ersten Runde gegen Montana in den Wettbewerb einsteigt. Dieser fällt schon wegen seines Beinamens auf dem amerikanischen Sportkalender aus dem Rahmen: „March Madness“. Die Spieler mögen Amateure sein, trotzdem ist College-Basketball ein Riesengeschäft, das jedes Jahr Milliarden umsetzt. Neben der Aussicht auf Ruhm und Ehre und auf ein Diplom in einem Fach ihrer Wahl gibt es für die Spieler aber nichts zu holen. Auch als Schaulaufen für die NBA funktioniert das Ganze nur für eine kleine Schar von Spielern. Das amerikanische Publikum begeistert sich so oder so für College-Basketball.

          Man sieht es unter anderem in Ann Arbor unweit von Detroit, wo die Basketballer der University of Michigan regelmäßig eine Halle mit einem Fassungsvermögen von 12.000 Zuschauern füllen. Und wo man in jedem Winter zunächst nur ein Ziel verfolgt: im Rahmen der „Big Ten Conference“ die Rivalen der Universität Michigan State in East Lansing zu schlagen, gegen die man seit 1909 eine sportliche Dauerfehde austrägt. Beide Teams gehören zur höchsten Leistungskategorie, der sogenannten Division I, aus denen jedes Jahr im März die Spreu herausgefiltert wird. Traditionell die Besten: Teams aus der Provinz, die wie etwa Kentucky oder North Carolina den Stolz ganzer Bundesstaaten repräsentieren. Nicht die Spieler sind die Stars, sondern die Trainer mit Gehältern von weit mehr als einer Million Dollar, deren Rollenbild irgendwo zwischen Zuchtmeister und inspiriertem Pädagogen changiert.

          Aus Leidenschaft für den Sport und ohne Gehalt: Wagner spielt derzeit für die Michigan Wolverines.

          Die Sympathien für die Akteure auf dem Platz haben unter anderem damit zu tun, dass die Spieler kein Geld erhalten. Solchen Sportlern glaubt man einfach, dass sie sich aus reiner Lust am Spiel anstrengen. Dass Wagner dabei die beste Liga der Welt im Blick hat, ist kein Geheimnis. Schon im vergangenen Jahr signalisierte er sein Interesse, als er bei der „Combine“ in Chicago antrat, einem Leistungstest. Wagner haderte jedoch mit seinem Wurf und kehrte an die Uni zurück, um an seinem Können zu feilen. Er habe noch nicht wieder an die Profilaufbahn gedacht, sagte er vor etwa einer Woche: „Ich spiele einfach Basketball und genieße das. Es ist natürlich schwer, so etwas abzuschalten. Aber ich bin ein emotionaler Typ, der viel nachdenkt. Man ist einfach viel produktiver, wenn man so etwas wegschiebt.“

          Die Herausforderung, die unmittelbar vor ihm liegt, ist groß genug. Vor einem Jahr scheiterte Michigan nach zwei Siegen im Achtelfinale knapp an Oregon. Wagners Beitrag fiel mit sieben Punkten vergleichsweise bescheiden aus. Wenn er sich in diesem Jahr für die NBA empfehlen will, braucht er deshalb sehr viel stärkere Aufritte. Sollte es auch in diesem Jahr nicht für den Aufstieg in die beste Liga der Welt reichen, kann Wagner noch ein Jahr in Michigan bleiben und sich im kommenden Frühjahr wieder bewerben.

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