https://www.faz.net/-gtl-826p8

Nachtclubaffäre in New York : Warum ein NBA-Profi die Polizei anklagt

  • -Aktualisiert am

Thabo Sefolosha: „Ich könnte der nächste sein“ Bild: AP

NBA-Profi Thabo Sefolosha wird vor einem Nachtklub in New York festgenommen. Dabei bricht sich der Spieler des Wadenbein – und klagt die Polizei an. Nun stellen sich gleich mehrere Fragen.

          2 Min.

          Basketballprofi Thabo Sefolosha weiß, was es bedeutet, in einem Land zu leben, in dem die Hautfarbe eines Menschen eine entscheidende Rolle spielt. Sein Vater, ein dunkelhäutiger Musiker aus der Nähe von Pretoria, und seine Mutter, eine Malerin aus der Schweiz, lernten sich in Südafrika in der Zeit der Apartheid kennen und verließen deswegen das Land. Weshalb es nur konsequent war, dass der im Waadtland aufgewachsene NBA-Profi sich Anfang Dezember zu den zahlreicher werdenden und oft auf Video festgehaltenen Belegen für die Brutalität der amerikanischen Polizei gegenüber Afroamerikanern äußerte. „Es war gut, in NY zu sein und zu sehen, dass die Stimme von Menschen gehört wird, die in den Straßen protestieren“, schrieb er anlässlich einer Reise seiner Mannschaft nach New York und ergänzte den Satz mit ein paar Schlagworten. Eines erwies sich geradezu als seherisch: „Ich könnte der nächste sein.“

          Denn in den frühen Morgenstunden des Mittwochs vergangener Woche wurde der 30 Jahre alte Defensivspezialist der Atlanta Hawks in den Straßen von Manhattan vor einem populären Nachtclub nicht nur festgenommen. Gleich fünf Beamte, darunter einer mit einem Polizeiknüppel, rissen den 2,01 Meter großen Basketballer gewaltsam zu Boden. Bei dem Zwischenfall brach er sein Wadenbein und wird für die Dauer der am Wochenende beginnenden Playoffs seiner Mannschaft fehlen. Wie sehr, dass zeigte sich am Montag: Die Hawks verloren das Match gegen die New York Knicks 108:112, wobei Trainer Mike Budenholzer seinen jungen Braunschweiger Spielmacher Dennis Schröder bewusst schonte.

          Abgesehen von einer schriftlichen Erklärung, die er hinterher gemeinsam mit seinem ebenfalls festgenommenen Teamkollegen, dem mazedonischen Ceter Pero Antic, abgab, hat sich Sefolosha auf Anraten seines Anwalts zu dem Vorfall nicht geäußert. Beide bestritten die Darstellung der Behörden, wonach sie sich geweigert hätten, den Anweisungen der Polizisten zu folgen. Die Ordnungshüter waren wegen einer Messerstecherei angerückt, bei der ein dritter NBA-Profi, Chris Copeland von den Indiana Pacers, attackiert und verletzt worden war.

          „Zur falschen Zeit am falschen Ort“

          Antic gab vor ein paar Tagen Journalisten wenigstens ein paar Informationen. Die nähren den Verdacht, dass die Polizisten auch diesmal ihre Autorität rücksichtslos durchzusetzen versuchten. Mit der Messerstecherei hätten sie nichts zu tun gehabt. „Wir waren nicht zusammen“, sagte der 32-Jährige. „Wir hatten von alledem gar nichts mitbekommen. Das war ein Beispiel dafür, dass man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sein kann.“

          Leidet: NBA-Spieler Thabo Sefolosha

          Ungeklärt bleibt, weshalb die beiden Hawks-Spieler, die nur wenige Stunden zuvor mit der Mannschaft aus Atlanta angereist waren und am selben Abend in Brooklyn ein Spiel zu bestreiten hatten, mitten in der Nacht unterwegs waren, um einen Nachtclub zu frequentieren. Die wichtigere Frage aber bleibt: Warum hielten die Polizisten beide Spieler stundenlang in ihrem Gewahrsam fest, nahmen ihre Fingerabdrücke und ließen sie für die Verbrecherkartei fotografieren? Der offizielle Bericht listet eine Reihe angeblicher Vergehen auf: Sie hätten sich geweigert, die Stelle zu verlassen, an der die Ermittlungen begonnen hätten. Und sich ihrer Festnahme widersetzt.

          Die NBA-Spielergewerkschaft, deren Geschäfte seit kurzem von einer ehemaligen New Yorker Strafverteidigerin geführt werden, hat eine eigene Untersuchung begonnen. Auch die New Yorker Polizei will sich intern mit dem Fall beschäftigen. Sollte, wie Soloshas Anwalt erwartet, die Anklage gegen ihn und Antic fallengelassen werden, hätte er zumindest theoretisch die Aussicht auf Schadenersatz. Ebenso wie das Team, das nach einer hervorragenden regulären Saison zum ersten Mal seit langem Chancen auf die Meisterschaft hat.

          Weitere Themen

          Manchester City verteidigt Platz zwei

          Premier League : Manchester City verteidigt Platz zwei

          Manchester City bleibt zumindest mit etwas Abstand dem FC Liverpool auf den Fersen. In ungewohnten Trikots ist der Guardiola-Klub bei Crystal Palace erfolgreich. Klopps Team spielt erst am Sonntag.

          Der BVB meldet sich zurück

          1:0 gegen Mönchengladbach : Der BVB meldet sich zurück

          Die eine Borussia gewinnt, die andere bleibt zumindest bis Sonntag Tabellenführer: Der BVB vermeidet ausnahmsweise mal einen späten Ausgleich und schließt zu Mönchengladbach auf. Ein Tor des Kapitäns genügt in einem rasanten Spiel.

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.