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Basketballstar in Rente : Nowitzki und die große Zukunftsfrage

So wird man ihn nicht mehr sehen: Dirk Nowitzki im Trikot der Dallas Mavericks, hier im April 2019 Bild: dpa

Das Ziel für die anstehende Saison der besten Basketball-Liga der Welt lautet für Dirk Nowitzki: Abstand gewinnen. Für den ehemaligen NBA-Star gibt es jetzt sogar Eis zum Frühstück. Doch was macht er dann?

          2 Min.

          Er ist wieder da, auf der großen Bühne. Aber auf einer anderen. Vor kurzem stand Dirk Nowitzki im Schauspielhaus Frankfurt und las gemeinsam mit dem Schriftsteller Thomas Pletzinger Passagen aus seiner Biographie „The Great Nowitzki“. Mehr als 500 Seiten ist das Werk stark, und es beginnt dort, wo Nowitzkis Karriere zu Ende gegangen ist: am 10. April dieses Jahres in Dallas, dem letzten Heimspiel der Mavericks in der Saison.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An dem Tag also, an dem Nowitzki sein Karriereende bekanntgab. Nach 21 Spielzeiten und 1522 Partien für die Dallas Mavericks, nach 31.560 Punkten, nach dem Gewinn der Meisterschaft im Jahr 2011, nach etlichen persönlichen Auszeichnungen, nach Siegen und Tiefschlägen. Aber das ist noch längst nicht alles. Nowitzki, so formuliert es Pletzinger, „hatte ein amerikanisches Spiel grundlegend verändert, er hatte es revolutioniert. Basketball seit Nowitzki war anders als Basketball vor ihm: beweglicher, variabler, weniger erwartbar, feiner, raffinierter.“ Die Großen müssen nicht mehr länger unter dem Korb auf Bälle warten, sie werfen von außen, haben inzwischen sogar Spielmacherqualitäten.

          Kein Training seit sechs Monaten

          Nowitzkis Weg beschreibt Pletzinger, der einst selbst von einer Karriere als Basketball-Profi träumte, als wäre er immer dabei gewesen. Weil er das aber nicht war, zieht er vieles unter anderem aus Gesprächen mit Nowitzki und dessen Mentor, Trainer und Begleiter Holger Geschwindner. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Sportbuch, das von Nähe lebt, zugleich an verschiedenen Stellen aber auch deutlich macht, was diese Nähe kostet: Eine niederländische Direktbank, persönlicher Sponsor von Nowitzki, taucht immer wieder auf – und als Leser fragt man sich schon, welche inhaltliche Relevanz so manch eine Erwähnung hat. Sei es drum, Nowitzki gefällt das Buch. „Hat er gut gemacht“, sagte er in Frankfurt.

          Dabei ist Nowitzki trotz seiner Größe von 2,13 Metern, seiner beeindruckenden Laufbahn und seiner weltweiten Popularität gar kein Mann für den großen Auftritt. Auch aus der NBA hätte er sich lieber still und leise verabschiedet. Umso mehr hat er zuletzt die Ruhe genossen, die es in dieser Art in seinem durchgetakteten Erwachsenenleben womöglich noch nie gegeben hat. Seit einem halben Jahr habe er überhaupt nicht mehr trainiert, er sei gereist und habe vor allem gegessen, was er wollte und wann er wollte. Zum Frühstück gab es da schon mal ein Eis. Der Alltag als NBA-Profi ist da auf einmal ganz weit weg.

          Von nun an in Freizeitdress oder feinem Zwirn: Dirk Nowitzki

          Die alten Kollegen sind am Ende ihrer Saisonvorbereitung. Nur wenige Stunden nachdem Nowitzki in Frankfurt las, bestritten die Mavericks ihr letztes Spiel in der Pre-Season gegen die Los Angeles Clippers und siegten 102:87. Es gibt nun neue Hauptdarsteller in Dallas, und wieder kommen sie aus Europa: der Slowene Luka Doncic und der Lette Kristaps Porzingis. „Ich hoffe, dass Dallas mal wieder in die Play-offs kommt. Ich glaube, dass wir schon letztes Jahr gezeigt haben, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte Nowitzki.

          Die Favoriten in der am Dienstag beginnenden Saison aber werden andere sein – allen voran die beiden Teams aus Los Angeles, das sich als neues Kraftzentrum der NBA etablieren könnte. Die Clippers verpflichteten im Sommer unter anderem Kawhi Leonard vom Meister Toronto Raptors und Paul George aus Oklahoma und warten auf einmal mit einem neuen Superstar-Duo auf. Die Lakers hatten sich schon vor einem Jahr die Dienste von LeBron James gesichert, nun stößt auch noch Anthony Davis aus New Orleans dazu; gemeinsam könnten sie die Lakers wieder zu einer großen Nummer machen. Auch die Philadelphia 76ers, die Milwaukee Bucks und die Houston Rockets zählen zum großen Kreis der Favoriten.

          Nowitzki, der künftig womöglich als Geschäftsmann oder Anteilseigner der Mavericks wieder ins Rampenlicht treten könnte, wird sich das Ganze erst einmal aus der Distanz anschauen und eine Auszeit von einem weiteren halben Jahr nehmen. „Ich will etwas Abstand gewinnen, aber ich kann ja nicht von heute auf morgen sagen, das interessiert mich nicht mehr“, sagte Nowitzki. Es ist sein Leben.

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