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Rassismus und Polizeigewalt : Trump und seine Idee mit den Protest-Sportlern

  • -Aktualisiert am

Glaubt Donald Trump wirklich, dass er die Sportler auf seine Seite ziehen kann? Bild: Reuters

Sportler drängen die NBA zu handfesten politischen Zugeständnissen. Das überrascht kaum. Hochbezahlte, naive Entertainer sind sie längst nicht mehr. Nun will das Lager von Donald Trump wohl Kontakt zu ihnen aufnehmen. Kann das gutgehen?

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          Es war ein spontaner Protest ohne eine klare strategische Linie und ohne nachhaltigen Aktionsplan. War es ein Boykott? Ein Warnstreik? Ein Ausstand? Die Begriffe kursierten austauschbar, um zu benennen, dass die Basketballer in der besten Liga der Welt aus politischen Gründen am Mittwoch den NBA-Spielbetrieb lahmgelegt hatten. Die Konfusion hielt an, als die spontane Demonstration in der Quarantäne-Blase im Vergnügungspark Walt Disney World außerhalb von Orlando einen Tag später bereits wieder zu Ende war. Es sei im Interesse der Spieler, die Play-offs fortzusetzen und eine Meistermannschaft zu ermitteln, verlautete aus Florida.

          LeBron James ist eines der bekannten Gesichter im Kampf von Sportlern gegen Rassismus und Polizeigewalt.
          LeBron James ist eines der bekannten Gesichter im Kampf von Sportlern gegen Rassismus und Polizeigewalt. : Bild: AFP

          Was war also passiert? Es dauerte eine Weile, bis klar wurde: Zum ersten Mal in der Geschichte des amerikanischen Sports hatten Athleten eine Liga zu handfesten politischen Zugeständnisse bewegt. Dazu gehört eine Maßnahme mit Signalwirkung: In allen Städten, in denen dem Team die Arena gehört, werden die riesigen Gebäude am 3. November zu Wahllokalen umfunktioniert. Dies soll helfen, den erwarteten Andrang anlässlich der Präsidentenwahl zu bewältigen.

          Das Aktionskonzept mag angesichts einer landesweiten Wahl, bei der vor vier Jahren 136,7 Millionen Menschen ihre Stimme abgaben, nur einen geringen Effekt haben. Es schlägt jedoch symbolisch eine Brücke zwischen dem jüngsten, auf Video festgehaltenen Fall von Brutalität weißer Polizisten an Afroamerikanern aus dem Bundesstaat Wisconsin und der Forderung nach einem gesellschaftlichen Wandel.

          Und es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich eine wachsende Zahl an Athleten nicht länger nur als hochbezahlte, naive Entertainer der Massen verstehen, sondern als selbstbewusste, denkende Teilhaber an den Auseinandersetzungen um soziale Gerechtigkeit. LeBron James (Los Angeles Lakers), der Mann, der eine ganze Schule für benachteiligte Schwarze in seiner Heimatstadt Akron finanziert, weiß, dass nur konkretes Engagement etwas bringt: „Veränderungen passieren nicht einfach nur mit Reden!! Sie passieren, wenn man etwas tut.“ Und sei es erst mal nur das, was Chris Paul (Oklahoma City Thunder), der Präsident der Spielergewerkschaft, fordert: Geht wählen.

          Donald Trump, zu dessen Anliegen das Erschweren der Stimmabgabe unter anderem bei der Briefwahl gehört, ließ diesen Hinweis beim Wahlparteitag der Republikaner in dieser Woche an sich abperlen. Er wisse nicht viel über den NBA-Protest, sagte er, fügte aber hinzu: „Sie sind so etwas wie eine politische Organisation geworden.“ Und weiter: „Das ist nicht gut. Nicht gut für den Sport. Und nicht gut für das Land.“

          Die Kritik klang vergleichsweise milde. Noch Anfang des Monats hatte Trump erklärt, einige der Basketballer seien „sehr fies“ und „ehrlich gesagt sehr dumm“. Immerhin scheint er seinen Schwiegersohn und politischen Berater Jared Kushner dazu auserkoren haben, Kontakt mit Spielern wie LeBron James aufzunehmen. Angeblich um auszuloten, ob es Gemeinsamkeiten für politische Initiativen gibt. Dass es dazu kommt, ist unwahrscheinlich.

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