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Basketball in der NBA : Schröder wie einst Nowitzki

Ademola Okulaja
Ademola Okulaja : Bild: Reuters

Okulaja stand Schröder bei vielen seiner Schritte zur Seite. „Dennis“, sagt er, „ist keine Maschine, die das Land und den Verein wechselt - und trotzdem läuft alles ganz normal weiter.“ Anfangs war vieles eine Nummer zu groß für ihn in den Vereinigten Staaten: die Metropole Atlanta, in der, rechnet man die Außenbezirke dazu, mehr als fünf Millionen Menschen leben; die Distanz nach Deutschland; das neue Team, das bei den Heimspielen von bis zu 20 000 Zuschauern unterstützt wird. Nowitzki ging es ähnlich, als er 1998 von Würzburg nach Dallas ging. Nach wenigen Monaten dachte er damals sogar darüber nach, das NBA-Projekt abzubrechen, um wieder in die Heimat zurückzukehren. Heute hat kein außerhalb der Vereinigten Staaten geborener Athlet mehr Punkte in der NBA erzielt als der Würzburger.

Schröder ist geblieben, aber er nahm einen Umweg. Im vergangenen Jahr schickte ihn Trainer Budenholzer zu Bakersfield Jam in die D-League, die Nachwuchsliga der NBA. „Das war kein Rückschritt. Im Gegenteil, Dennis brauchte das“, erzählt Okulaja. „Und seine Trainer haben gesagt, dass sie dort noch keinen Jungen erlebt haben, der so hart gearbeitet hat. Das macht ihn aus: Dennis ist wissbegierig, er ist ein Arbeitstier, er pusht sich selbst nach vorne.“

Gerade erst war Okulaja wieder für eine Woche in den Vereinigten Staaten. Drei Tage hat er bei Schröder gewohnt, er hat sich seine Spiele angeschaut, mit den Verantwortlichen des Klubs gesprochen. Und er ist mit einem guten Eindruck zurück nach Deutschland gekommen. „Das Management ist zufrieden, sie freuen sich, dass Dennis in Atlanta spielt. Aber das ist eine Momentaufnahme, das wissen wir: Man muss hungrig bleiben, und Dennis ist hungrig“, sagt Okulaja. Erst vor ein paar Wochen haben die Hawks die entsprechende Option gezogen, Schröder hat nun auch einen Vertrag für die Saison 2015/16, der ihm 1,763 Millionen Dollar garantieren wird. In den ersten beiden Jahren wird er bis dahin schon rund drei Millionen Dollar verdient haben.

Schröder trägt die Nummer 17 auf seinem Trikot. Es war die Lieblingszahl seines Vaters Axel Schröder, dessen Namen hat er sich auf den rechten Arm tätowieren lassen. Der Vater starb an einem Herzinfarkt, als Schröder sechzehn Jahre alt war. Wenige Wochen zuvor hatte er ihm versprochen, es in die NBA zu schaffen. Der Sohn hielt Wort.

Große Show: Auch Schröder kennt bereits die Gepflogenheiten der NBA
Große Show: Auch Schröder kennt bereits die Gepflogenheiten der NBA : Bild: dpa

Aber wohin soll all das führen? Mit einer Bilanz von 9:6-Siegen belegen die Atlanta Hawks derzeit einen Play-off-Platz in der Eastern Conference. Schröder soll helfen, das Team in die heiße Phase der Saison zu führen. Trainer Budenholzer vertraut dem Deutschen auch in schwierigen Situationen. Mitte November brachte er Schröder in der Crunchtime gegen die New York Knicks (91:85). „Dennis Schröder nahm es in die Hand“, schrieb „The Atlanta Journal-Constitution“ danach. „Der jüngste Spieler im Team.“

Die Experten loben die Geschwindigkeit Schröders, seine Sprunggewalt, seine Übersicht. Mitunter allerdings hat er noch zu viele Ballverluste in seinem Spiel. Ein TV-Experte verglich Schröder neulich sogar mit Rajon Rondo, einem der besten Aufbauspieler der NBA, Meister mit den Boston Celtics im Jahr 2008, viermal für das All-Star-Team nominiert. Am Dienstag treffen Schröder und Rondo aufeinander, wenn die Hawks in Boston antreten. „Dennis hat die Veranlagung, ganz nach oben zu kommen: Er ist einer der schnellsten Jungs in der NBA überhaupt, und er hat den Willen. Vieles ist sehr, sehr positiv“, sagt Okulaja. Dann schweigt er einen Moment, überlegt, spricht schließlich weiter: „Aber zu jeder Karriere gehört ein wenig Glück dazu, und du musst gesund bleiben.“

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