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NBA-Profi Dennis Schröder : Mit Nowitzki in Rio spielen

Dennis Schröder hätte im ersten Jahr bei den Hawks gerne mehr Einsatzzeiten bekommen. Bild: dpa

Der deutsche Basketballspieler Dennis Schröder zieht nach seinem ersten Jahr in der amerikanischen Profiliga NBA Bilanz. Inzwischen hat er auch ein Rezept gegen Heimweh gefunden.

          Das beste Rezept gegen Heimweh? Training. Wenn er Sehnsucht nach seiner Familie in Braunschweig bekam, dann fuhr der 20 Jahre alte Basketballprofi Dennis Schröder, in die Halle der Atlanta Hawks und übte Würfe. „Auf dem Feld bin ich konzentriert“, erzählt er im Rückblick auf seine erste Saison in der NBA, dem Nonplusultra des Basketballs. „Da denke ich an nichts anderes.“ Das allerbeste Rezept gegen Heimweh? Die Familie nach Atlanta in Georgia holen. „Wenn man so eine Familie hat, ist das ein Glück“, sagt Schröder.

          Zuwachs für Familie Schröder

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Manchmal half der junge Dennis im Friseursalon seiner aus Gambia stammenden Mutter aus und traut sich deshalb bis heute zu, guten Freunden die Haare zu schneiden. Das Geschäft in Braunschweig ist seit Montag geschlossen. Die Schwester, die mithalf, hatte ohnehin gefehlt. Sie verbrachte das erste Jahr des Bruders mit in Amerika und bildete den Kern der kleinen Gruppe mit Cousin und Kumpel. Nun wird es Zuwachs geben bei Familie Schröder in Atlanta: Die zweite Schwester wird kommen, die beiden Brüder, einer sogar mit Freundin und selbstverständlich Mutter Fatou. Er werde wohl ein Haus suchen müssen, sagt Dennis Schröder, als er nach zwei Wochen Heimaturlaub einem Dutzend Journalisten und einer Handvoll Fernsehteams ein Gespräch gewährt. Das sei durchaus üblich unter Basketballprofis, erzählt Schröder. Im Jet der Hawks jedenfalls fliegen nicht nur Spieler und Management, sondern auch Journalisten und Familienmitglieder mit. „Das brauchst du schon in der NBA“, sagt er. „Wenn das Team mal verliert, ist es das Beste, wenn du Familie um dich rum hast.“

          Trost von Nowitzki

          49 Spiele mit im Schnitt 13 Minuten Spielzeit und 3,7 Punkten machte Schröder in seiner ersten Saison in der NBA. Zwischenzeitlich musste er aber auch sechsmal für die Bakersfield Jam in der D-League spielen. Dirk Nowitzki, der große Deutsche in Dallas, tröstete ihn am Telefon mit dem Hinweis, dass auch er in seinem ersten Jahr nicht viel eingesetzt worden sei. „Kontrollier das, was du kontrollieren kannst“, sagte er. Schröder nahm das als Aufforderung, sich keine Gedanken zu machen über das, was er nicht bestimmen kann, sondern umso härter zu trainieren und umso engagierter zu spielen.

          Aus Deutschland kamen Zuspruch und Rat von Livin Calin. Das ist der Trainer, der den achtjährigen Schröder entdeckte und in weniger als zehn Jahren in die Bundesliga brachte. „Ich will ihn gern einladen mit seiner Familie“, sagt nun großzügig der Neunzehnjährige, der in seinem ersten Jahr zum Millionär geworden ist. Doch damit blitzt der Familienmensch Schröder ab bei seinem Mentor. Vor fünf Jahren, als er überraschend seinen Vater verlor, schrieb er Calin, dieser sei nun sein Vater. Der Mann, der Nationaltrainer in Rumänien gewesen war und in Niedersachsen verschiedene Mannschaften betreut, erwiderte: „Ich habe noch hundert andere Kinder.“ Dennis sei nicht Dirk Nowitzki, sagt er nun, und er sei nicht dessen persönlicher Coach Holger Geschwindner. „Dennis war und ist anders als Dirk. Seine Entwicklung ist spektakulär, und er wird sehr schnell nicht Mama, nicht Bruder und auch nicht Livin brauchen.“

          Ein Coach aus Amerika

          Statt wie Nowitzki in jedem Jahr bei Geschwindner trainiert Schröder derzeit täglich in einer Braunschweiger Sporthalle mit einem Coach, den sein Klub aus Amerika geschickt hat. Die Arbeit an der Muskulatur - Schröder hat im ersten Jahr fünf, sechs Kilo zugelegt - und an den Würfen ist Hinweis darauf, dass Trainer Mike Budenholzer an der Entwicklung des jungen Deutschen interessiert ist. Vielleicht ist dies wiederum ein Hinweis darauf, dass Berichte, die Sacramento Kings wollten Schröder verpflichten, nicht mehr sind als Gerüchte, wie Schröders Manager Ademola Okulaja sagt.

          In zehn Tagen wird der junge Aufbauspieler wieder über den Atlantik fliegen, um sich in der Summer League in Las Vegas mit anderen Profis zu messen. Danach will er, anders als bei der Europameisterschaft 2013, der Nationalmannschaft zur Verfügung stehen für die Qualifikation zur nächsten EM. Denn da gibt es tatsächlich eine Gemeinsamkeit mit Dirk Nowitzki. „Ich will Olympia mit Dirk spielen“, erzählt Schröder, und umgekehrt sei es genauso.

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