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NBA-Profi Dennis Schröder : Artist auf dem Drahtseil

  • -Aktualisiert am

Kein Anlass für lang anhaltende Begeisterung

Für lang anhaltende Begeisterung gab es allerdings keinen Anlass. Sein Trainer Mike Budenholzer, der sich von Anfang an immer wieder Zeit genommen hatte, um dem jungen Deutschen auf dem großen Bildschirm in seinem Büro anhand von Videoaufzeichnungen die vielen Feinheiten des Spiels zu erklären und ihm sehr sachlich dessen Fehler vorzuführen, sagte bloß: „Er hat einige gute Sachen gemacht. Aber wir wollen, dass er, so wie der gesamte Kader, noch besser wird.“ Dennis Schröder wusste, was das heißt: „Für mich ändert sich nicht viel: Ich muss mit viel Energie verteidigen und selbstbewusst in der Offensive auftreten. Wenn ich so spiele wie bisher, wird das nächste Jahr noch besser. Und dann sehen wir, was passieren wird.“

So weit schaut man in Atlanta allerdings noch gar nicht. Denn die Hawks sind auf dem besten Weg, sich für die Play-offs der Eastern Conference zu qualifizieren. Mit 25 Siegen in 32 Begegnungen liegen sie derzeit zusammen mit den Toronto Raptors auf dem ersten Platz der Tabelle im Osten und sind dabei, sich eine komfortable Ausgangsposition für die kraftraubenden Best-of-Seven-Serien im April und Mai zu verschaffen. Kein Wunder, dass man angesichts solcher Entwicklungen Dennis Schröder in Deutschland hier und da bereits zum Star machte. So als wären vor kurzem nicht solche Talente wie Elias Harris, Tim Ohlbrecht und Niels Giffey aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt, weil sie die Erwartungen nicht erfüllen konnten.

Wird Dennis Schröder eines Tages so groß wie Dirk Nowitzki?
Wird Dennis Schröder eines Tages so groß wie Dirk Nowitzki? : Bild: dpa

Tatsächlich kämpft Dennis Schröder, Sohn einer Mutter aus dem westafrikanischen Land Gambia und eines deutschen Vaters, der vor ein paar Jahren starb, an so manchem Abend noch immer mit dem Frust, der von den Zahlen in der Spielstatistik besser auf den Punkt gebracht wird als von jedem Pixel-Potpourrie auf Instagram. Man denke nur an Freitag in Salt Lake City beim 98:92-Erfolg über die Utah Jazz. Da kam Schröder von der Bank und absolvierte nur eine Zwölf-Minuten-Schicht. Null Punkte, zwei Rebounds - so lautete die magere Bilanz.

Für Holger Geschwindner, der langjährige Mentor und persönliche Trainer von Dirk Nowitzki, der dessen Anfangsschwierigkeiten in Dallas erlebt hatte, ist das keine Überraschung. „Ein Spielmacher muss der verlängerte Arm vom Coach sein. Und dazu muss man nicht nur wissen, was der Trainer will, sondern auch, was die anderen Spieler wollen. Das ist hauptsächlich Kopfarbeit.“ Bis man das alles konstant fehlerfrei auf dem Niveau der NBA abliefern kann, vergeht natürlich Zeit. Zeit, die der Klub seinem Spieler offensichtlich geben will. Sonst hätte man nicht im Oktober bereits die vertragliche Option auf ein drittes Jahr genutzt und damit Schröder ein gewisses Maß an innerer Stabilität gegeben.

Kommen als Erster, gehen als Letzter

Es passt ins Bild. Denn Schröder hatte schon früh festgestellt, dass sich Trainer Mike Budenholzer als Pädagoge versteht und nicht als herrischer Zirkusdirektor. „Der Coach redet sehr viel mit mir“, verriet Dennis Schröder vor einer Weile. „Der war 19 Jahre bei den San Antonio Spurs und hat Tony Parker und dessen Entwicklung gesehen.“ Weshalb auch niemand von den Verantwortlichen der Hawks an Rajan Rondo von den Dallas Mavericks denkt, mit dem der Braunschweiger gerne verglichen wird, sondern an den Franzosen, der mit den Spurs viermal NBA-Meister und dabei in einer Finalserie als „wertvollster Spieler“ ausgezeichnet wurde.

„Man hat mir gesagt, dass ich so viel Potential habe wie Parker. Und dass sie mit mir so arbeiten wollen.“ An Schröder soll es nicht liegen. Er lernt Schritt für Schritt. „Wie man mit dem Geld umgeht. Dass man mit Medien aufpassen muss. Dass man sich nicht negativ äußert - bei Twitter und Facebook.“ Sein Arbeitseifer ist groß. Zum Training kommt er als Erster und geht als Letzter.

Von alldem wird vermutlich die deutsche Nationalmannschaft profitieren. Für die geht es demnächst um die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Dennis Schröder ist bereit, auch wenn Dirk Nowitzki womöglich abwinkt. „Ich hoffe, dass er die Kraft haben wird und mit mir die nächsten beiden Jahre in der Nationalmannschaft spielen wird“, sagte der Braunschweiger. Die Atlanta Hawks legen ihm keine Steine in den Weg. „Die unterstützen mich und wollen, dass ich im Sommer spiele, weil mich das nach vorne bringt. Es ist sehr wichtig, dass man im Sommer viel spielt und Praxis sammelt. Ich freue mich darauf, weil auch viele der Hawks kommen und zuschauen werden.“ Alle anderen bekommen die entscheidenden Bilder auf Instagram zu sehen.

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