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NBA : Nowitzki muß sich noch mächtig anstrengen

  • -Aktualisiert am

Das ewige Feilen am perfekten Wurf Bild: dpa

Dirk Nowitzki kann sich beim Griff nach der „Larry O'Brien Trophy“ auf Holger Geschwindner stützen. Sein Mentor arbeitet mit ihm in Zusatzeinheiten an der Technik. NBA-Titel hin oder her - Geschwindner läßt nicht locker: „Es gibt noch einiges zu tun.“

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          Der Meisterschaftspokal ist sieben Kilogramm schwer und zeigt einen Basketball, der sich am Rande eines Korbes befindet. Der offizielle Name lautet „Larry O'Brien Trophy“, wofür sich in der National Basketball Association noch nie ein Spieler je interessiert hat. Was nicht nur daran liegt, daß kaum jemand weiß, wer eigentlich dieser Mann war (ein früherer NBA-Commissioner), sondern daß man mit dem unhandlichen, sechzig Zentimeter großen Teil aus vergoldetem massivem Silber so wenig anstellen kann.

          Seit ein paar Jahren bemüht sich die Marketingabteilung der Liga darum, die Skulptur zum Objekt einer kuriosen Begierde hochzustilisieren - mit namhaften Basketballprofis, die dem Pokal, als sei er eine attraktive Frau, in humorvollen Werbespots wie Liebhaber nahe kommen. Dazu gehörte auch Dirk Nowitzki. Nun sieht es so aus, als habe sich das Buhlen gelohnt. Die Ausgabe 2006 aus der Werkstatt des Juweliers Tiffany traf vor ein paar Tagen rechtzeitig zum Finale in Dallas ein. Und so durfte der Würzburger Nowitzki am Montag bei den Dreharbeiten zu einem neuen Werbespot den Pokal in seinen Händen halten.

          In 26 Jahren das erste Finale für die Mavericks

          Alles, was jetzt noch fehlt, damit er und die Dallas Mavericks ihn behalten dürfen, ist ein Erfolg über die Miami Heat. Um Meister in der NBA zu werden, muß das Team wie in den drei Play-off-Runden gegen die Memphies Grizzlies, die San Antonio Spurs und die Phoenix Suns in einer Serie von maximal sieben Begegnungen den Gegner insgesamt viermal schlagen. Die erste Auseinandersetzung findet am Donnerstag (in der Nacht zum Freitag ab 3.00 Uhr live auf Premiere) im American Airlines Center statt, wo knapp 20.000 Repräsentanten einer sportverrückten Metropole lautstark ihre Sehnsucht nach einem Titelgewinn artikulieren werden. Kein Wunder. Die Mavericks nehmen seit 26 Jahren am Spielbetrieb der NBA teil und haben es in derselben Zeit, in der die Dallas Cowboys drei Football-Titel und die Eishockeyspieler der Dallas Stars einen Stanley-Cup gewinnen konnten, nicht mal bis ins Finale geschafft.

          Geheimnis seines Erfolgs: Üben, üben, üben

          Den Zustand des ständigen Hoffens könnten Nowitzki und seine Kollegen in diesem Jahr beenden. Der beste Basketballspieler Europas zum Beispiel ist inzwischen so gut, daß ihm sogar seine profiliertesten Widersacher ohne Zögern Tribut zollen. So sagte neulich der Center Shaquille O'Neal über den 2,14 Meter großen deutschen Nationalspieler: „Er spielt bereits so, wie das die großgewachsenen Leute in vier oder fünf Jahren tun werden.“ Jeder „Basketball-Riese“ werde so spielen müssen wie Nowitzki, der beweglich ist, dribbeln kann und sicher aus der Distanz trifft. „Ich werde meinen Kindern erlauben, sein Spiel anzuschauen“, sagte O'Neal. Nowitzki hat solche Komplimente noch nicht oft gehört. „Das ist ziemlich entzückend“, sagte er, als ihm Reporter die O'Nealsche Wertschätzung zutrugen. Der muskelbepackte Center der Miami Heat ist indes auch ein Meister der sanften psychologischen Kriegsführung.

          Zusätzliche Trainingseinheiten mit Geschwindner

          Tatsächlich sollte in Dallas niemand riskieren, die Mannschaft aus Florida zu unterschätzen. Schon gar nicht jene Spieler, die dem gleichen Team im Februar eine herbe Niederlage mit einem für NBA-Verhältnisse ungewöhnlich hohen Vorsprung von 36 Punkten zugefügt hatten. Denn genau dieses Match löste bei O'Neal und seinen Gefährten jenen Ruck aus, auf den Trainer Pat Riley schon lange gewartet hatte: „Das Spiel hat uns hinreichend gedemütigt und beschämt, um endlich zusammenzuwachsen“, sagte er vor ein paar Tagen. Die unmittelbare Reaktion war beeindruckend. Miami verbuchte zehn Siege in Folge und mauserte sich im weiteren Verlauf der regulären Saison zu einem ernstzunehmenden Anwärter auf den Titel.

          „Wir werden alle Hände voll zu tun haben“, sagte Nowitzki mit Blick auf Gegner wie den kreativen Jungstar Dwyane Wade, der gewöhnlich mehr Punkte erzielt als O'Neal. Denn der Center wird seit Jahren von einer unerklärlichen Freiwurfschwäche geplagt, und dazu wird er wegen seiner klobigen Spielweise immer häufiger von den Schiedsrichtern zurückgepfiffen. Nowitzki kann sich übrigens bei dem Griff nach der Trophy auf jeden Fall auf einen Faktor stützen: Sein Mentor und Berater Holger Geschwindner ist in dieser Woche wieder nach Dallas geflogen und arbeitet mit ihm in zusätzlichen Trainingseinheiten an der Technik. Geschwindner glaubt nicht, daß sein Zögling bereits sein ganzes Potential ausgeschöpft hat. Er sieht eine Entwicklungskurve, die erst in zwei Jahren abgeschlossen sein wird. Solange muß sich Nowitzki noch mächtig anstrengen. Pokal hin oder her - Geschwindner läßt nicht locker: „Es gibt noch einiges zu tun.“

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