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Toronto Raptors in der NBA : Im Exil in der Sonne von Florida

  • -Aktualisiert am

Neues Zuhause: Die Toronto Raptors mit Yuta Watanabe spielen nun in Florida. Bild: AP

Die Not in Zeiten der Pandemie macht erfinderisch: Das kanadische Basketballteam der Toronto Raptors wird zum willkommenen Dauergast in Florida. Doch der Umzug zum Ausweichstandort hat seinen Preis.

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          Es ist nicht ganz einfach für einen kanadischen Profi-Klub, in Zeiten einer weltweiten Pandemie in einer amerikanischen Liga mitzuspielen. Eine Erfahrung, durch die das Baseballteam der Toronto Blue Jays im Sommer gehen musste, als es nach einem Ausweichquartier für eine um Monate verspätete und verkürzte Saison suchte. Weil die Grenzen Wochen zuvor für jedweden wirtschaftlich nicht unbedingt notwendigen Verkehr geschlossen worden waren, sondierten die Verantwortlichen zunächst Möglichkeiten in Pittsburgh und in Baltimore.

          Aber die örtlichen Gesundheitsbehörden winkten ab. Die Blue Jays kamen schließlich in Buffalo unter, aber nur weil sie bereit waren, ein kleineres Baseball-Stadion temporär so aufzupeppen, dass es den Bedingungen der Liga entsprach. Das Projekt verschlang mehrere Millionen Dollar, damit eine mobile Flutlichtanlage installiert und ein riesiges Zelt auf dem Parkplatz nebenan errichtet und so ausgestattet werden konnte, dass der Tross der Gastmannschaften hier unterkommen konnte.

          Auch für die Toronto Raptors, die vor etwas mehr als einem Jahr halb Kanada für den Basketball begeistert hatten, als sie als erstes Team aus dem Norden NBA-Meister wurden, wird die neue Saison nicht billig. Zwar fanden sie relativ rasch an der Westküste von Florida einen Ausweichstandort. Aber vor ihrem ersten Heimspiel an diesem Mittwoch (1.30 Uhr MEZ in der Nacht auf Donnerstag) gegen die New Orleans Pelicans musste die Amelie Arena von Tampa einer kosmetischen Operation unterzogen werden. Unter anderem wurde ein neues Parkett mit Markierungen und Markenzeichen und dem inspirierenden Slogan „We the North“ verlegt.

          Viel Aufwand

          Der Aufwand, Zuschauern in Live-Übertragungen im Fernsehen eine Art von Normalzustand zu suggerieren, wirkt kurios. Denn obwohl die Halle ein Fassungsvermögen von 20.000 Zuschauern hat, werden nur maximal 3800 eine Eintrittskarte kaufen können. Besucher müssen einen Sicherheitsabstand von zehn Metern zum Spielfeld einhalten und sich an den Tagen vor dem Spiel einem Covid-Schnelltest unterzogen haben. Selbstverständlich sind Masken Pflicht.

          Ob sich angesichts solcher Beschränkungen so viele Interessenten einfinden werden, ist schwer zu sagen. In Tampa ist – anders als in Orlando und Miami, wo die NBA in den achtziger Jahren Fuß fassen konnte – Profi-Basketball noch nie ein Thema gewesen. Immerhin schaukelte sich in der jüngsten Vergangenheit das Interesse an anderen Mannschaftssportarten hoch. Als das Eishockey-Team der Tampa Bay Lightning im September den unter strengen Quarantänebedingungen in Kanada ausgespielten Stanley Cup gewann, gab es nach der Rückkehr eine Bootsparade und eine Siegerehrung im Footballstadion mit Tausenden von Fans.

          In jener Arena, in der die Football-Profis der Tampa Bay Buccaneers seit der Verpflichtung von Star-Quarterback Tom Brady eine Renaissance erleben und sich Hoffnungen auf eine Teilnahme an den NFL-Playoffs machen, die am 9. Januar beginnen. Selbst die lange höchst durchschnittliche Baseballmannschaft der Tampa Bay Rays machte in diesem Jahr von sich reden, als sie zum ersten Mal in der Klubgeschichte die Endspielserie, genannt World Series, erreichen konnte.

          „Das ist wirklich beeindruckend“

          Das hilft den Vermarktern der Region in der Tourismuswerbung. „Sport besitzt das Potential, die Menschen zusammenzuschmieden“, sagt Rob Higgins, Geschäftsführer der Tampa Bay Sports Commission und Chef des Organisationskomitees, das sich um die Ausrichtung von Super Bowl LV kümmert, der am 7. Februar in Tampa stattfindet. In normalen Zeiten ist die Gegend während des Winters Ziel Hunderttausender Kanadier, die der Dunkelheit und der Kälte hoch im Norden zu entkommen versuchen.

          In diesem Jahr bleiben die meisten lieber zu Hause. Solche Gedanken muss sich der Kader der Toronto Raptors nicht machen. Spieler und Betreuer leben in ihrer eigenen Blase in einem großen neuen Hotel im Stadtzentrum mit Blick auf die Bay. Für die Zeit ihres Aufenthalts wurde extra für sie ein großer Ballsaal als Trainingszentrum hergerichtet. Trainer Nick Nurse war begeistert von den Arbeitsbedingungen. „Das ist wirklich beeindruckend“, sagte er. „Du kommst rein und denkst nur: Whoa.“

          Die Situation ähnelt jener in der Quarantäne-Blase in einem anderen Teil von Florida, in der die Liga den Sommer über ihre Meisterschaft austragen konnte. In Orlando schafften es die Raptors ein Jahr nach dem Titelgewinn bis unter die letzten acht. In der kommenden Saison dürfte man bereits über einen Play-off-Platz froh sein. Nachdem die Raptors 2019 bereits mit Kahwi Leonard den wichtigsten Leistungsträger verloren hatten, zog es vor ein paar Wochen Marc Gasol zu den Los Angeles Lakers und Serge Ibaka zum Nachbarklub Los Angeles Clippers, bei denen Leonard gelandet war.

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