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NBA-Finalsieg mit Dallas : Dirk Nowitzki auf dem Gipfel

  • -Aktualisiert am

Endlich am Ziel seiner Träume: Dirk Nowitzki und Dallas holen den NBA-Titel Bild: dpa

Dirk Nowitzki brauchte lange, um ins wichtigste Spiel seiner Karriere zu kommen. Im entscheidenden Moment gelingt dem Basketballprofi aber der große Wurf: Der Würzburger gewinnt den NBA-Titel mit Dallas und wird zum besten Spieler gewählt.

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          Holger Geschwindner bekam feuchte Augen, als alles vorbei war und Dirk Nowitzki schweißnass und abgekämpft auf das Podium stieg. Da hatte sein Zögling in der Umkleidekabine bereits eine kleine persönliche Auszeit genommen. „Das war natürlich ein bisschen emotional“, sagte Nowitzki später. „Ich habe ein bisschen geheult. Ich habe einfach einen Moment gebraucht.“ Nach einer Minute hatte sich der Würzburger jedoch schon wieder gefangen und war bereit, den Meisterpokal in Empfang zu nehmen, dem er einst in einem humorvollen Werbespot auf den Anrufbeantworter gesprochen hatte: „Ich liebe dich. Ich möchte dich umarmen.“

          Das kolossale Projekt, das einst am Röntgen-Gymnasium in Würzburg begonnen hatte, war vollbracht. Das riesige Talent, Geschwindner hatte Nowitzkis als 15-jährigen Schüler entdeckt und beharrlich gefördert, war auf dem höchsten Gipfel angekommen, den ein Basketballprofi erreichen kann: Mit dem Gewinn der NBA-Meisterschaft verbunden war noch ein dickes Ausrufezeichen - der Titel des wertvollsten Spielers in der Finalserie der besten Basketball-Liga.

          In der engen Umkleidekabine tief in der American Airlines Arena von Miami begossen sich die Mitglieder der Dallas Mavericks mit dem bereitgestellten kalifornischen Champagner und strahlten. Denn sie genossen in diesem Moment eine Gemeinsamkeit: Für jeden war es die erste NBA-Meisterschaft ihrer Karriere. Und für jemanden wie Jason Kidd, der 2002 und 2003 mit den New Jersey Nets zweimal nacheinander in der Endspielserie gescheitert war, kam der Erfolg im letzten Moment. Der vielseitige Spielgestalter und Distanzschütze ist bereits 38 Jahre alt.

          Zwei Sportler am Ziel ihrer Träume: Dirk Nowitzki und Jason Kidd von den Dallas Mavericks

          „Das war das ganze Jahr über unsere Stärke“

          Wahrscheinlich werden schon in ein paar Wochen die Umstände des entscheidenden Schritts zum Erfolg - des 105:95-Siegs im sechsten Spiel in der Nacht zum Montag - halbwegs vergessen sein. Das lag auch daran, dass einem solchen Sieg in der Halle des Gegners am Ende immer ein besonderes Flair fehlt, wenn die Mehrheit der Zuschauer gegen den Sieger anbrüllt und enttäuscht ist über den Ausgang. Dabei waren die 48 Minuten von Miami ein besonderer Beleg für die Leistung der Dallas Mavericks in der abgelaufenen Saison und für die Arbeit des taktisch klugen Trainers Rick Carlisle, der mit den Indiana Pacers und den Detroit Pistons kurz vor dem Titelgewinn gescheitert war.

          Denn Dallas glich die hohe Fehlwurfquote Nowitzkis in den ersten beiden Vierteln (nur drei Punkte) aus. „Das war das ganze Jahr über unsere Stärke“, sagte der Nationalspieler, der immerhin insgesamt noch auf 21 Punkte kam: „Wenn einer mal nicht so gut gespielt hat, half jemand anderer aus.“ Seine Nebenleute - vor allem Jason Terry mit seinen 27 Punkten und der blitzschnelle, virtuose Aufbauspieler Jose Barea (15) - waren am Sonntagabend unwiderstehlich und kompensierten das Defizit.

          Zusammenstoß auf dem Parkett in der Auszeit

          Dabei spitzte sich die Auseinandersetzung zwischendurch mehrfach zu. Die Spieler der Miami Heat, eine All-Star-Auswahl mit Ausnahmetalenten wie LeBron James (21 Punkte), Dwyane Wade (17) und Chris Bosh (19), die bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 mit der amerikanischen Auswahl die Goldmedaille gewonnen hatten, waren hochmotiviert zum Heimspiel angetreten. Besonders der zuletzt überraschend schwache LeBron James schien sich viel vorgenommen zu haben und eröffnete den Punktereigen für seine Mannschaft.

          In der steil aufragenden, einem Hexenkessel gleichenden Halle hofften 20.000 mit ohrenbetäubender Musik aufgepeitschte Fans, dass ihre Mannschaft den 2:3-Rückstand nach Spielen aufholen und eine siebte Partie erzwingen würde. Die Spannung erreichte im zweiten Viertel beim Stand von 40:42 ihren ersten Höhepunkt, als nach einem Zusammenstoß mitten auf dem Parkett in einer Auszeit ein Handgemenge zwischen DeShawn Stevenson, dem streitlustigsten Mavericks-Spieler, und Udonis Haslem von den Heat ausbrach, in das sich auch andere Spieler einmischten.

          „Mir gingen die Minuten nicht schnell genug vorbei“

          Die negative Energie verflog jedoch wieder, vor allem, weil Miamis Trainer Erik Spoelstra sein Team auf eine Taktik eingeschworen hatte, die dessen ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Er ließ seine Spieler Tempo machen, um die Mavericks zu Fehlern zu verführen und sie am Ende wohl auch konditionell zu überfordern. In den ersten Spielen hatte Miami noch versucht, das Spiel von Dallas zu ersticken. Doch mit dem Tempospiel scheiterte Miami schon am vergangenen Donnerstag in Dallas.

          Und so kam es auch am Sonntag. Zumal Nowitzki im vierten Viertel die gewohnte Wurfpräzision wiederfand und mit seinen Treffern den Vorsprung von Dallas hielt. Sechs Minuten vor dem Ende führten die Mavericks mit zehn Punkten. „Mir gingen die Minuten nicht schnell genug vorbei“, sagte der beste Basketballprofi Europas, der am Sonntag 33 Jahre alt wird und der in Dallas zwölf Jahre seinem Traum nachlief: „Ich hätte schon gerne die Uhr auf null gestellt. Aber das ist natürlich gefährlich. Sechs Minuten ist eine Menge Zeit. Da kann noch viel passieren.“

          „Denk an null sechs. Das Ding holen wir uns heute.“

          Zwischendurch hatten ihm seine Mannschaftskollegen immer wieder gut zugeredet, angesichts der anfänglich katastrophal schwachen Ausbeute bloß nicht mental aus dem Geschehen auszusteigen: „Du bist ein zu guter Schütze und ein zu guter Spieler, als dass du diese Dinger immer weiter verwirfst“, riefen sie ihrem Kapitän zu. Jason Terry, Leidensgenosse von 2006, als Dallas gegen Miami das Finale (2:4) verlor, ließ nicht locker: „Denk an null sechs“, sagte er, „Das Ding holen wir uns heute.“

          Terry, der sich im vergangenen Sommer den Meisterschaftspokal auf den rechten Arm tätowieren ließ, hielt das gute Stück wenig später in den Händen. Nowitzki stand derweil nicht der Sinn nach langen Erklärungen zum Verlauf einer Karriere, in der er trotz herber Rückschläge nie den Mut verloren hatte. Nur so viel bot er als Hinweis an: „Vielleicht wären wir nie wieder so weit gekommen, wenn wir nicht 2006 diese Enttäuschung erlebt hätten. Vielleicht wären Jason Terry und ich nie so als Mannschaft zusammengeschweißt worden.“

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