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NBA-Finale : Nowitzki gibt Miami den letzten Korb

  • -Aktualisiert am

Mit links: Nowitzki setzt sich 4,6 Sekunden vor Schluss entscheidend durch Bild: AFP

Die Dallas Mavericks gleichen im NBA-Finale bei den Miami Heat zum 1:1 aus. Der Held des Abends: Dirk Nowitzki. Der Würzburger erzielt die letzten neun Punkte für Dallas und verwandelt eine drohende Niederlage in einen Sieg.

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          Die Dallas Mavericks haben in dieser Saison einen ganz eigenen Weg gefunden, den Play-off-Spielen um die Meisterschaft in der Nationalen Basketball Liga (NBA) besonders spannungsgeladene Momente zu geben: Sie schlampen ein bisschen, wirken so, als hätten sie nicht das Zeug, um einen guten Gegner an der kurzen Leine zu halten, drehen auf und gewinnen dann doch noch selbst Spiele, in denen sie kurz vor dem Ende scheinbar aussichtslos zurückliegen.

          Das war in den Serien gegen die Los Angeles Lakers so und auch gegen die Oklahoma City Thunder. In der Nacht zum Freitag rieben sich nun die Profis der Miami Heat ihre Augen, nachdem sie innerhalb von sechs Minuten einen Vorsprung von 15 Punkten verloren hatten und 4,5 Sekunden vor der Schlusssirene Dirk Nowitzki dabei zusehen mussten, wie der einen Korbleger zum Sieg vollendete: 95:93.

          Die Leistung des Kapitäns (24 Punkte) der Mavericks im entscheidenden Moment wird noch vielen im Gedächtnis bleiben - nicht nur den Stars der Miami Heat, LeBron James (20) und Dwyane Wade (36), die zwischendurch bereits gestenreich und provokativ ihre Korbwürfe und Dunks gefeiert hatten, als hätten sie das Spiel und damit auch die Meisterschaft in der Tasche. Denn der große Blonde mit der Nummer 41 demonstrierte seinen Gegnern und dem Millionenpublikum in den Schlusssekunden, dass er in diesem Jahr sogar im Stande ist, einen großen Wurf, den „big point“, mit links zu erzielen: mit der linken Hand, an deren Mittelfinger er derzeit eine Schiene tragen muss, nachdem der Franke im ersten Spiel am Dienstag beim Kampf um den Ball einen Sehnenriss erlitten hatte.

          Gegen eine weiße Wand: Nowitzki trifft spielentscheidend zum 95:93

          „Ich hatte ein gutes Gefühl für den Ball“

          Vor dem zweiten Treffen glaubte Miami eine Schwäche beim Deutschen entdeckt zu haben. Der aber bekannte hinterher, auch mit den übrigen Neunen bestens zurecht gekommen zu sein: „Ich hatte schon vor dem Spiel den Eindruck, dass mich das nicht stören würde. Und so war es. Ich hatte ein gutes Gefühl für den Ball.“

          Der glorreiche Endspurt des deutschen Nationalspielers, der, als es um Sieg oder Niederlage ging, ständig den Ball forderte und die letzten neun Punkte für seine Mannschaft erzielte, hätte jeden anderen zumindest zu einer Spur Euphorie verleitet. Nowitzki nicht. Der ließ sich - abgesehen von einer gewissen Gelassenheit im Tonfall seiner Stimme und dem entspannten Schlenderschritt durch die Gänge der American Airlines Arena - nicht den Hauch eines Genusses anmerken. „Wir sind eine erfahrene Mannschaft. Für uns sind die Hochs nicht so hoch und die Tiefs nicht so tief“, sagte er und dämpfte die Erwartungen vor den nächsten drei Spielen der Best-of-Seven-Serie, die in Dallas stattfinden werden. „Wir werden das nächste Spiel so angehen, als wäre es unser letztes.“ Dieses Match findet an diesem Sonntag statt.

          Umso bezeichnender war die Reaktion von Chris Bosh, der Miami auf vielerlei Weise geholfen hatte, das Auftaktspiel zu gewinnen. „Um ehrlich zu sein: Ich weiß wirklich nicht, was passiert ist“, sagte er. „Es lief eigentlich alles für uns. Ich glaube, sie haben uns ein wenig aus dem Rhythmus gebracht.“ Der ging verloren, als James etwa sieben Minuten vor dem Ende fern vom Korb und gut abgeschirmt in lange Dribblings verfiel und erst kurz vor dem Ablauf der Angriffszeit (24 Sekunden) warf.

          Twitter-Unterstützung für @swish41

          Der plötzliche Egoismus des Superstars stellte das Spiel auf den Kopf. Denn noch im dritten Viertel hatte Miami unwiderstehlich die Fehler der Mavericks ausgenutzt. Normalerweise haben Missgeschicke wie Ballverluste irreparable Konsequenzen. Diesmal ging es gut. Die Mavericks entschädigten sogar ihre Fans, von denen 20.000 in der eigenen Halle in Dallas die Übertragung verfolgten, mit einem dramatischen Comeback zur rechten Zeit. Selbst Steve Nash, NBA-Star und bester Freund von Nowitzki, saß in der Halle und trommelte die Nachricht via Twitter in die Welt hinaus: „Ihr wisst, ich musste @swish41 unterstützen!“ @swish41 ist der Twitter-Name von Nowitzki.

          Mit dem Sieg zog Dallas in der Serie gleich und erarbeitete sich eine realistische Chance auf den Titelgewinn. Dallas hat noch Potential. Denn Jason Terry und Jason Kidd blieben weit unter ihren Möglichkeiten. Ihr Leistungsdefizit wurde diesmal vor allem von einem Spieler wettgemacht: Small Forward Shawn Marion, der mit einer Reihe von Soloattacken zum Korb auf stattliche 20 Punkte kam.

          Spoelstra: „Das war sehr untypisch“

          Miamis Trainer Erik Spoelstra spielte den Leistungseinbruch seiner Mannschaft herunter. Vielleicht auch, weil ihn eine Teilschuld traf. Denn seine Ansagen während der letzten Auszeiten verpufften, und Ideen, Dallas sowie Nowitzki zu bremsen, fielen ihm in der Hektik der Schlussphase nicht ein. „Das war sehr untypisch - sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung“, erklärte der 40 Jahre alte Coach, einst Jugendtrainer in Herten, zur Aufklärung des Fiaskos. Weiter wollte er nicht zurückblicken: „Sobald wir im Flugzeug sitzen, werden wir unser Hirn, unsere Seele und unsere Körper auf Spiel Nummer drei eingestellt haben.“

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