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NBA-Finale : Ein Popovich lächelt nicht - obwohl ihm der Erfolg lacht

  • -Aktualisiert am

Vor dem vierten NBA-Titel mit den Spurs: Gregg Popovich Bild: REUTERS

Der Basketball-Manager und Trainer der San Antonio Spurs, Gregg Popovich, treibt seine Bescheidenheit auf die Spitze. Dabei fehlt seinem Team gegen die Cleveland Cavaliers nur noch ein Sieg zum Triumph in der Finalserie der NBA.

          3 Min.

          Das Leben hat bei Gregg Popovich einige Spuren hinterlassen, die ihm nicht gut zu Gesicht stehen. Die Augen und die Mundwinkel wirken immer so, als ob er unter sich und der Welt litte. Da sind die vielen kleinen Narben, an die er morgens beim Blick in den Spiegel erinnert wird. Und alles wird abgerundet von einer tiefen Stimme, deren Intonation so gleichförmig und ausdruckslos klingt, als quälte es ihn, mit der Welt kommunizieren zu müssen.

          Diese Art von Ausstrahlung passt zu einem Offizier der amerikanischen Luftwaffe, der sich mit Fragen der Spionageabwehr beschäftigt. Das hat Popovich in jungen Jahren tatsächlich einmal gemacht. Im Alltag des amerikanischen Profi-Basketballs ist solch ein Typ allerdings selten - weshalb der 58-jährige Trainer der San Antonio Spurs selbst nach so vielen Jahren wie ein unbeschriebenes Blatt wirkt. Und weshalb jedes geschriebene Porträt des Architekten der zur Zeit erfolgreichsten Basketballmannschaft Amerikas meistens einen kleinen, sehr persönlichen Schlenker enthält: etwa dass er gute Weine zu schätzen weiß, dass die Steine seines Weinkellers dieselbe goldgelbe buttrige Farbe haben wie ein Château d'Yquem. So etwas flößt einem Vertrauen ein. Denn ein echter Misanthrop gönnt sich meist keine edlen Tropfen.

          Bedürfnis nach kontrolliertem Spiel

          Von seinem Arbeitgeber kann Popovich, genannt "Pop", die Neigung nicht übernommen haben. Der hochdekorierte Vietnam-Veteran Peter Holt hatte einst enorme Alkoholprobleme - und entwickelte sich zum Abstinenzler. Holt, der Eigentümer der San Antonio Spurs, und sein General Manager und Cheftrainer Popovich brauchen keine Droge, um sich die Welt schönzumalen. Nachdem sie im letzten Jahr in den Play-offs nur knapp an den Dallas Mavericks gescheitert waren, stehen sie nach drei Siegen gegen die Cleveland Cavaliers in der „best of seven“-Finalserie der National Basketball Association (NBA) vor dem Triumph.

          Manchmal ist der Job an der Seitenlinie gefährlich
          Manchmal ist der Job an der Seitenlinie gefährlich : Bild: AP

          San Antonio betreibt eine konsequente, hautnahe Deckungsarbeit, ist körperlich stark und spult im Angriff am liebsten - ganz im Sinne von Popovich und seinem Bedürfnis nach kontrolliertem Spiel - einen fundierten Kombinationsbasketball ab. Dieser wird so nüchtern präsentiert, als ob er von einer Gruppe freudloser Programmierer ersonnen worden wäre. Das beste Beispiel ist Center Tim Duncan, der in seiner NBA-Karriere stets im Schatten eines Spielers wie Shaquille O'Neal stand, obwohl er von Experten als bester NBA-Center der letzten 20 Jahre eingestuft wird. Der 31-Jährige läuft mit einem hängenden Kopf herum und einem verschlossenen Gesicht. Auch wenn die Zuschauer brüllen und schreien: Duncan scheint taub. Sie alle treten außerordentlich bescheiden auf. Weshalb sie von den meisten Gegnern ganz erheblich unterschätzt werden.

          Ein guter Griff nach dem anderen

          Vieles an dem Team aus Texas ist anders als bei anderen. Vor allem ist es die Kontinuität ihrer Arbeit. Popovich, der mit dieser Mannschaft 1999, 2003 und 2005 den Titel gewann, amtiert bereits seit elf Jahren - was im amerikanischen Ligasport eine Rarität ist. Ihm gelingt in der Personalpolitik ein guter Griff nach dem anderen. Auf Duncan 1997 folgte die Verpflichtung von Spielmacher Tony Parker, der 2001 mit 19 Jahren aus Frankreich nach Texas kam. Ein Jahr darauf holte man den unorthodoxen Dribbler Manu Ginobili aus Argentinien, den Popovich einst wegen seiner wilden Pässe zur Schnecke machte. Alle drei Spieler hat der Klub bis mindestens 2009 unter Vertrag.

          Die letzten beiden Namen stehen für den Erfolg der Talentsuche eines Klubs, der sich mehr als die Konkurrenten außerhalb der Vereinigten Staaten umsieht. Spielerische Klasse ist dabei nur ein Kriterium. "Wir schauen uns zuerst den Charakter an, dann das Können", sagt Holt. Während sich andere Klubs mit den Eskapaden von undisziplinierten Spielern beschäftigen müssen, die zu Hause ihre Frauen schlagen oder nachts vor Strip-Lokalen mit ihren Pistolen herumballern, herrscht in San Antonio eine erstaunliche Ruhe.

          Nur Eva Longoria taucht in der Yellow Press auf

          Die langjährige Beziehung zwischen Parker und Eva Longoria - die beiden werden in diesem Sommer heiraten - war bereits das höchste der Gefühle in Sachen Yellow-Press-Schlagzeilen. Und die entstehen auch nur deshalb, weil die attraktive Fernsehschauspielerin ("Desperate Housewives") bei vielen Spielen unter den Zuschauern sitzt und ständig von den Fernsehkameras eingefangen wird.

          Holt, dessen Geschäft der Kauf von Riesenlastwagen und Tiefbautraktoren ist, hat seit 1996 das Sagen. Er erwarb damals einen Klub, der seit seiner Gründung (1967 als Dallas Chaparrals in der einstigen NBA-Konkurrenz namens ABA) oft nur für negative Schlagzeilen gesorgt hatte, aber mit Dream-Team-Center David Robinson eine Spielerpersönlichkeit ersten Ranges besaß. Als Erstes entließ er den aktuellen Trainer und überzeugte Popovich davon, dieses Amt zusätzlich zu seiner Rolle als General Manager zu übernehmen.

          Nach schwierigen Jahren floriert der Klub inzwischen auch finanziell. In der sportlichen Führung ist der Sohn montenegrinischer Einwanderer souveräner denn je. "Man hat mich mit Spielern gesegnet, die hinausgehen und Spiele gewinnen", hat Popovich, der Zögling des ehemaligen Mavericks-Trainers Don Nelson, mal gesagt. "Das hat mit mir nicht viel zu tun, aber ich werde den Ball behalten, den sie mir gegeben haben." Dass er dabei lächelt, darf niemand erwarten.

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