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Dirk Nowitzki : „Ich habe mich nie als Star gesehen“

„Ich will nicht mehr einfach noch ein paar Dollar mehr verdienen“: Dirk Nowitzki Bild: AP

Seit 1999 spielt er für die Mavs. Die Fans in Dallas schwärmen von Dirk Nowitzkis Treue. Der Klubboss hat Angst vor dem ersten Tag ohne ihn. Im F.A.Z.-Interview spricht der NBA-Star über seinen Hakenwurf und den Verzicht auf viel Geld.

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          36 Jahre ist Dirk Nowitzki inzwischen alt, seit 1999 spielt er nun schon für die Mavericks. Mehr als 26.000 Punkte hat er erzielt, mehr als 9000 Rebounds gewonnen, 3000 Assists gespielt, 1000 Blocks gemacht, mehr als 1000 Drei-Punkte-Würfe verwandelt - so etwas ist außer ihm niemandem gelungen in der Geschichte der NBA. Gerade erst wurde Nowitzki von den NBA-Managern zum besten ausländischen Profi der Liga gewählt.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie sind Meister geworden, haben Millionen verdient - warum haben Sie noch immer nicht genug vom Basketball?

          „Der Wettbewerb mit den anderen Jungs in der Liga macht einfach noch einen Riesenspaß. Aber ganz so leicht ist es nicht mehr. Der Fan sieht ja nur die Show, er sieht nicht die Qual, die dahintersteckt. Die etlichen Konditionseinheiten, die Schusseinheiten, das Krafttraining, dazu muss ich mich schon manchmal motivieren, das wird nicht einfacher mit dem Alter. Aber ich weiß genau: Die anderen gehen auch in die Halle und arbeiten an sich, also darf ich nicht lockerlassen.“

          Feilen Sie noch immer am Hakenwurf?

          „Natürlich, mein Ziel ist es, dass ich besser werde, dass ich etwas Neues reinhaue, womit ich die Gegner überraschen kann. Holger (Anm. d. Red.: Entdecker und Mentor Holger Gschwindner) und ich haben den ganzen Sommer wieder daran gearbeitet, im Training schieße ich den Hakenwurf sehr gut - nicht aus dem Stand, aber aus der Bewegung heraus. Das Problem ist, wenn du nicht einhundert Prozent Vertrauen hast, dann bringst du ihn im Spiel nicht. Wenn der Druck da ist, verfalle ich deshalb immer wieder in den Fadeaway, bei dem ich einfach weiß, dass ich locker sechs- oder siebenmal von zehn Versuchen treffe.“

          Der Fadeaway, der einbeinige Sprungwurf im Rückwärtsfallen - Nowitzki hat ihn jahrelang mit seinem Privattrainer Gschwindner perfektioniert. Dieser Wurf ist von keinem Gegenspieler dieser Welt zu verteidigen. Die Fans in Dallas lieben diese Bewegung, in den Spielunterbrechungen imitieren sie den Superstar auf der Tribüne. Es gibt sogar einen Begriff dafür: „Dirking“. Der Deutsche ist der unumstrittene Superstar in der Mannschaft, obwohl sich einiges verändert hat über den Sommer. Nowitzki verlängerte seinen Vertrag und verzichtete auf viel Geld: 25 Millionen Dollar erhält er für die kommenden drei Jahre, allein in der zurückliegenden Saison hatte er noch 22,7 Millionen Dollar verdient. Mit dem eingesparten Geld holten die Mavericks Center Tyson Chandler und Aufbauspieler J. J. Barea zurück, beide zählten 2011 zur Meistermannschaft. Chandler Parsons wurde aus Houston geholt und soll Nowitzki im Angriff entlasten. Zudem wurden Jameer Nelson, Richard Jefferson, Raymond Felton und Charlie Villanueva verpflichtet.

          Warum verzichten Sie freiwillig auf so viel Geld?

          „Ich freue mich einfach, dass ich hier so lange spielen durfte und - so wie es aussieht - meine Karriere jetzt auch in Dallas beenden werde. Ich will nicht mehr einfach noch ein paar Dollar mehr verdienen, ich will in einer richtig guten Mannschaft spielen, ich will oben mitspielen, um den Titel kämpfen. Für mich war dieser Schritt selbstverständlich, die Mavericks und Mark (Anm. d. Red.: Besitzer Mark Cuban) haben mir sehr viel gegeben, sehr viel ermöglicht und auch schon sehr, sehr viel Geld bezahlt. Jetzt war es für mich einfach an der Zeit, etwas zurückzugeben.“

          Sie sind trotz Ihrer Erfolge so bescheiden geblieben.

          „Ich habe mich nie als Star gesehen. Ich bin ein Basketballspieler, der halt ganz gut den Ball in den Korb schmeißen kann. Aber diese Fähigkeit macht mich nicht irgendwie besser als andere Leute, die andere Jobs machen. Deswegen habe ich immer versucht, derselbe zu bleiben, der damals aus Würzburg weg ist. Natürlich hat sich mein Leben verändert, aber die Werte bleiben dieselben.“

          Bilderstrecke

          Wer sich in der „American Airlines Arena“ in Dallas umhört, wer die Leute nach Nowitzki fragt, der schaut schnell in lachende Gesichter. Der Sicherheitsmann, der davon spricht, wie höflich der Deutsche sei. Einer der Fans erzählt, dass Nowitzki keiner dieser Kerle sei, die heute hier spielen und morgen dort, der Deutsche wisse noch, was Treue bedeute. Und Mark Cuban, der Besitzer der Mavericks, sagt: „Ich habe Angst vor dem Moment, von dem an Dirk nicht mehr für uns spielt. Glauben Sie mir, das will wirklich niemand erleben hier.“ Nowitzki hat den Basketballsport verändert - in Dallas und in Deutschland.

          Deutschland hat den Zuschlag für die Vorrunde der Europameisterschaft 2015 erhalten. Wie sicher ist es, dass Sie dabei sein werden?

          „Im Moment ist leider gar nichts sicher. Es wäre natürlich toll, bei einer Heim-EM auflaufen zu dürfen, so etwas habe ich in meiner langen Karriere noch nicht erlebt. Aber jetzt möchte ich mich erst mal auf die lange Saison konzentrieren, und ich hoffe, dass sie richtig lang ist. Mit Playoffs und allem Drum und Dran. Und dann werde ich nächsten Sommer 37, da braucht man schon ein paar Tage, um sich zu regenerieren. Hoffentlich bleibe ich bis dahin verletzungsfrei, und dann setzen wir uns mit den Verantwortlichen des DBB zusammen und werden eine Entscheidung fällen, die hoffentlich für beide Seiten gut ist.“

          Was bedeutet so ein Turnier für den Basketball in Deutschland?

          „So etwas kann Massen mobilisieren, das kann dem Sport einen richtigen Schub geben.“

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