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NBA : Der Trainer des einzigartigen Nowitzki

  • -Aktualisiert am

Ein besonderes Paar: Der deutsche NBA-Star Dirk Nowitzki (r.) von den Dallas Mavericks und sein Förderer Holger Geschwindner Bild: picture-alliance/ dpa

Dirk Nowitzki prägt die Finalserie in der NBA - wohl auch in Spiel drei in der Nacht zu Montag. Er hat sich zu einem ureigenen Typ entwickelt. Auch dank Holger Geschwindner. Der Mentor aus Deutschland trainiert den Superstar noch immer täglich.

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          Es war ein überraschendes Bild, das die Mitglieder einer Fernsehcrew vor zwei Wochen in der Basketball-Halle von Oklahoma City auf ihren Monitoren entdeckten. Eigentlich waren sie nur gekommen, um rechtzeitig vor dem dritten Spiel der Play-off-Serie zwischen Oklahoma City Thunder und den Dallas Mavericks ihre Kameraausrüstung zu testen. Doch was sie sahen, machte sie neugierig.

          Da zog sich ein älterer Mann eine Trainingshose an und warf Dirk Nowitzki den Ball zu. Der Star der Dallas Mavericks versuchte sich zunächst an einer Reihe von konventionellen Würfen aus unterschiedlichen Distanzen. „Aber dann wurde es verrückt“, erzählt einer der Kameraleute, die alles aufnahmen. Eine 50-Minuten-Session mit „den bizarrsten Dingen, die ich je gesehen habe“.

          Älterer Mann mit graumelierten Haaren

          Der deutsche Nationalspieler trainierte zum Beispiel eine 360-Grad-Pirouette auf der Höhe der Foul-Linie, und er arbeitete an einbeinigen Sprungwürfen, die zwar linkisch aussehen, aber ihm so gut wie immer gelingen. Er zielte aus unmöglichen Positionen auf den Korb, etwa aus der Hocke. Und er baute sich mit weit gespreizten Beinen auf, um so den Ball zu fangen und ihn in den Korb zu befördern. Derartige Übungen sind die Grundlage dafür, dass der 2,13 Meter große Basketballprofi in der Hektik des Spiels weder die Balance verliert noch die Orientierung.

          Trainingseifrig: Dirk Nowitzki in der Übunghalle

          Der ältere Mann mit den graumelierten Haaren ist der 65 Jahre alte Deutsche Holger Geschwindner. Wenn man so will, dann ist er der Entdecker von Nowitzki, seit Mitte der neunziger Jahre arbeiten beide zusammen. Geschwindner, Trainer, Mentor und Berater des Superstars, hat das Talent entdeckt und geformt. Nun könnten sie den gemeinsamen sportlichen Höhepunkt erleben. In der Nacht auf Montag (3 Uhr) kommt es zum dritten Spiel in der Finalserie (Best of seven) der nordamerikanischen Basketball-Profiliga (NBA) zwischen Dallas und Miami Heat (1:1). Und natürlich ist Geschwindner wieder dabei.

          So, wie er es immer macht, wenn eine Saison in ihre entscheidende Phase geht. Täglich widmen sie sich dann ihrem Spezialtraining, durch das Nowitzki auch mit 32 Jahren noch einen größeren spielerischen Werkzeugkasten erhalten soll. Kein anderer NBA-Profi käme auf die Idee, sich mit solchen Trainingsmethoden zu beschäftigen. Geschwindner hat sie in petto. Inklusive der einen oder anderen Wurfvariante, die eines Tages auch im Spiel zum Einsatz kommen könnte.

          „Es ist unglaublich“

          „Da sind ein paar Sachen, die er noch nicht auspacken kann“, sagt Geschwindner. „Wenn man die vorführt, dann muss man gewährleisten, dass die mit einem hohen Prozentsatz realisierbar sind und funktionieren.“ Und so bleiben sie auch in diesen Play-offs, in denen Nowitzki die Chance hat, zum ersten Mal in seiner Karriere die NBA-Meisterschaft zu gewinnen, vorerst noch im Werkzeugkasten.

          Was die Fachleute zu sehen bekommen, wie etwa der ehemalige NBA-Trainer Hubie Brown, der die Finalserie als Radio-Kommentator verfolgt, ist allerdings beeindruckend genug. „Es ist unglaublich“, sagt Brown.

          Vergleich mit Bird

          Für Nowitzkis außergewöhnliche körperliche Fähigkeiten haben sich in den dreizehn Jahren seiner NBA-Karriere nur wenige Experten und Sportjournalisten wirklich interessiert. In diesem Jahr hat sich das angesichts einer überlegenen Leistung der Mannschaft in den Serien gegen Portland, Los Angeles und Oklahoma geändert. Doch die wenigsten interessieren sich nach wie vor für die Grundbausteine seiner athletischen Leistung und die mentale Stärke Nowitzkis, der nach keinem Spiel - egal ob Sieg oder Niederlage - seine Gefühlswelt auch nur einen Spalt breit öffnet.

          Die amerikanische Nowitzki-Rezeption bleibt an der Oberfläche und wird derzeit hauptsächlich von einem Vergleich beherrscht: von jenem mit Larry Bird, dem letzten dominierenden weißen Amerikaner, der in den achtziger Jahren mit den Boston Celtics dreimal den Titel gewann und 1992 mit Michael Jordan und Magic Johnson bei den Olympischen Spielen in Barcelona Basketball von einem anderen Stern vorführte. Bird ließ vor Beginn der Play-offs an die Adresse von Nowitzki ausrichten, er „habe den Jungen schon immer bewundert“. Und er sehe tatsächlich „eine Vielzahl von Ähnlichkeiten“. Zum Beispiel Nowitzkis Arbeitsmoral und dessen Loyalität zu seinem Heimatland. „Das ist wirklich eine Ehre für mich, dass mich Leute mit ihm vergleichen“, sagt Bird.

          Wert des ganz eigenen Weges

          Nowitzki ist dank seiner Körpergröße und seiner Wurfgenauigkeit zu einer äußerst wirkungsvollen Spielerpersönlichkeit geworden. Dass er sich zu einem ureigenen Typ entwickelt hat, liegt unter anderem daran, dass er sich in den Händen von Geschwindner völlig anders entwickeln konnte als jedes junge amerikanische Talent mit seiner Körpergröße.

          In den Vereinigten Staaten hätte man den jungen Nowitzki in eine einzige Rolle gepresst: die des Centers. Und so wären alle seine anderen Begabungen verkümmert, und er hätte nie all das gelernt, was ihn heute zu einem besonderen Spieler macht: zu einem, der den Ball aus jeder Lage und aus jeder Entfernung über fast jeden Gegner hinweg im Korb versenken kann und dadurch die gegnerischen Mannschaften zwingt, ihn möglichst mit zwei Leuten zu decken.

          Den Wert dieses ganz eigenen Weges, auf dem Nowitzki zu einer überragenden Figur in der NBA geworden ist, haben nicht nur Experten wie Mavericks-Trainer Rick Carlisle erkannt. Auch Erok Spoelstra, Trainer der Miami Heat, gibt gerne zu, dass der Würzburger einzigartig ist. Carlisle, der seinen Star schon als einen der zehn besten Profis in der Geschichte der NBA feiert, geht noch einen Schritt weiter: „Nowitzki ist extrem einzigartig.“

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