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NBA-Chef David Stern : Der Herr des Rings

  • -Aktualisiert am

Herr des Basketballs: NBA-Commissioner David Stern Bild: REUTERS

Die komplette Saison der amerikanischen Basketball-Profiliga steht auf dem Spiel. Die ersten Wochen mit einigen Spielen sind schon gestrichen. Zentrale Figur im Tarifstreit ist NBA-Commissioner David Stern.

          Es war ein sonniger Sonntagnachmittag im Mai 1985 in Manhattan, als sich die Vertreter der sieben schlechtesten Mannschaften der NBA auf den Weg zum Waldorf Astoria machten. Ihr Ziel: der Ballsaal im 19. Stock, wo die Basketball-Profiliga zum ersten Mal ein kurzes Spektakel für die Livekameras des Fernsehens anberaumt hatte - die sogenannte „Draft Lottery” mit einer gläsernen Trommel und sieben Umschlägen. Eine Tombola, mit der sich das sportliche Schicksal ihrer Klubs verband.

          Die Fernseh-Bilder von damals zeigen einen Wirtschaftsprüfer, der die Couverts in die Trommel fallen lässt, aber seltsamerweise einen ganz bestimmten so hineinschiebt, dass der an einer Querstange aneckt. Und sie zeigen einen Mann mit großer Brille und ernstem Gesicht bei seinem ersten größeren Auftritt im Fernsehen: David Stern, der Commissioner der NBA, ein Mann mit einem strengen Gesicht.

          Er bläst kurz die Wangen auf, atmet aus und zieht mit einem Griff den Umschlag aus der Mitte des Stapels, dem der Wirtschaftsprüfer den kleinen Hieb mitgegeben hatte. Darin: das Logo der New York Knicks, einer der Glamour-Klubs in der Liga. Die Knicks gewannen an diesem Tag das Recht, den Center Patrick Ewing zu verpflichten, den damals besten Collegespieler der Vereinigten Staaten, und sie waren damit wieder im Aufwind. Für die NBA sah die Zukunft plötzlich ebenfalls besser aus. Sie schloss wenig später einen attraktiven Fernsehvertrag ab.

          Listiger Strippenzieher?

          Seit dieser „Lotterie” existiert ein oft geäußerter, aber nie bewiesener Verdacht: dass die ganze Show abgekartet war und dass David Stern einen Hang hat, den Geschäften in seinem Amtsbereich als eine Art Schicksalsfee ein wenig nachzuhelfen. So wie Jahre später, als er eine interne Untersuchung ins Leere laufen ließ, die klären sollte, ob Star-Profi Michael Jordan an einer teuren, aber nicht ganz ungefährlichen Spielleidenschaft leidet, aufgrund der er Hunderttausende von Dollar verzockt hatte.

          Jordan entkam dem Reiz-Thema, indem er ohne nachvollziehbaren Anlass die NBA verließ und zum Baseball wechselte. Gut für Stern, der einen Weg gefunden hatte, einem massiven Skandal aus dem Weg zu gehen.

          David Stern, Nachkomme einer russischen Emigrantenfamilie, aufgewachsen in New York und New Jersey, ein studierter Historiker und approbierter Rechtsanwalt, hat Mutmaßungen, er sei ein listiger Strippenzieher, stets weit von sich gewiesen. Keiner anderer Ligachef in Nordamerika kann auf eine derartige Amtszeit zurückblicken. Stern regiert seit 27 Jahren in den Büros der NBA im Olympic Tower in Manhattan gleich neben der St. Patrick’s Kathedrale als unumstrittener Boss und Moralrichter.

          „Es muss einen besseren Weg geben, als den Betrieb abzuschalten”

          Er weist Spieler, Schiedsrichter und notfalls auch Klubbesitzer in die Schranken, sobald das kostbarste Gut auf dem Spiel steht, das die Liga besitzt: ihr guter Ruf als Sportorganisation, in der hochtalentierte Athleten Abend für Abend zirzensische Leistungen bringen und in der, natürlich, alles mit rechten Mitteln zugeht. So hat er Mark Cuban, Eigentümer der Dallas Mavericks und Arbeitgeber von Dirk Nowitzki, im Laufe der Jahre zu Geldstrafen von mehr als 1,5 Millionen Dollar vergattert, weil der sich hartnäckig über die Leistungen der Schiedsrichter beschwerte und ihnen unterstellte, den Ausgang von Spielen zu beeinflussen.

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