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Nationale Spiele in China : Die Masken rutschen schnell nach unten

Der Staatschef und der Sport: Präsident Xi Jinping eröffnete die Nationalen Spiele. Bild: AP

Ein Sportfest mit großer politischer Bedeutung: China probt mit den Nationalen Spielen in Xi’an für Olympia in Peking – und will ein Zeichen der Überlegenheit senden.

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          In einem voll besetzten Stadion in Xi’an hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in dieser Woche die sogenannten Nationalen Spiele eröffnet. Die Großveranstaltung mit Wettkämpfen in allen olympischen Disziplinen findet in China alle vier Jahre statt. In diesem Jahr kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Es ist die wichtigste Bewährungsprobe vor den Olympischen Winterspielen in Peking im Februar 2022. So kurz nach den Olympischen Sommerspielen in Tokio soll das Sportfest zudem eine politische Botschaft senden: China sei besser in der Lage als Japan, Großereignisse in Zeiten der Pandemie zu organisieren.

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          In den Staatsmedien wird genüsslich darauf hingewiesen, dass die Eröffnungsfeier und die Wettkämpfe in Tokio, anders als in Xi’an, vor fast leeren Rängen stattfanden. Selbst die Zahl der Athleten wird als Ausweis der Überlegenheit dargestellt. Tokio: 11.309. Xi’an: mehr als 12.000. Unerwähnt bleibt in den Berichten, dass die Tickets für die Eröffnungsfeier nicht käuflich zu erwerben waren. Die meisten Teilnehmer waren Mitarbeiter von Staatsbetrieben. In Xi’an ist zu hören, sie hätten vorab eine zweiwöchige Quarantäne durchlaufen.

          Politisierte Showeinlagen

          Die Feier gab einen Vorgeschmack auf die Politisierung des Sports in China, die auch bei den Olympischen Spielen zu erwarten ist. So wurden etwa die Athleten aus Tibet vom Stadionsprecher mit dem Lob empfangen, wonach die Region der Kommunistischen Partei besonders eifrig folge. Den Sportlern aus Xinjiang, wo die muslimische Bevölkerung massiv unterdrückt wird, wurde beschieden, dass ihre Region sich derzeit auf dem höchsten Entwicklungsstand ihrer Geschichte befinde.

          Eine Showeinlage bezog sich auf den „Langen Marsch“ der Roten Armee, den Gründungsmythos der Volksrepublik. Der Parteisekretär der Gastgeberprovinz Shaanxi, Liu Guozhong, sagte, die Spiele in Xi’an seien eine wichtige Wegmarke auf dem Weg Chinas zu einer Sportgroßmacht. Der Bevölkerung von Xi’an kommt bei den Spielen, die noch bis Ende des Monats dauern, keine Rolle zu. Während der Eröffnungsfeier war das neu gebaute Stadion weiträumig abgesperrt. Etwa zweihundert Bewohner hatten sich dennoch an der Zufahrtsstraße eingefunden, um einen Blick auf das einen Kilometer entfernte, blau angestrahlte Stadion zu werfen.

          Druck auf Funktionäre

          Zwar werden die Wettkämpfe auf Großbildschirmen in der Stadt beworben, doch Public Viewing gibt es nicht. Derlei unkontrollierte Versammlungen gelten in China als Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Ursprünglich hatte Xi’an gehofft, dass die Spiele der Stadt einen Tourismusboom bescheren könnten. Doch wichtige Sehenswürdigkeiten wie die Terrakotta-Armee sind derzeit geschlossen. Die Veranstalter haben darauf verzichtet, die Wettkämpfe landesweit zu bewerben.

          Die Funktionäre der Provinz stehen unter großem Druck. Als Ziel für die Spiele wurden „null Infektionen“ ausgegeben. Wenn es verfehlt wird, wäre das ein politisches Problem. Zwar ist das Infektionsgeschehen in China wegen der strikten Einreisebeschränkungen weitgehend unter Kontrolle, doch in der südostchinesischen Provinz Fujian ist es just in diesen Tagen zu einem neuen Ausbruch mit bislang 270 Fällen gekommen.

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