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Rafael Nadal : Viel mehr wert als Preisgeld und Punkte

  • -Aktualisiert am

Erleichterung nach Wochen der Rückschläge: Rafael Nadal gewinnt in Stuttgart Bild: AFP

Sandplatz-Spezialist Rafael Nadal kann es auch auf Rasen. Der Spanier wird in Stuttgart seiner Favoritenrolle gerecht und gewinnt ein spannendes Finale gegen Viktor Troicki in zwei Sätzen.

          2 Min.

          Sein Freudensprung mit geballter Faust erinnerte an einen Mittelstürmer, der ein wichtiges Tor geschossen hat; die nächste Pose, hochgerissene Arme, seliger Blick in den Himmel, an einen Sportler, der endlich einen lang ersehnten Titel gewonnen hat. Nichts von alledem traf auf Rafael Nadal zu. Der Spanier spielt zwar sehr gut Fußball, aber nach wie vor verdient er sein Geld mit Tennis. Und in dieser Sportart hat Nadal schon viel wichtigere Endspiele gewonnen, als das an diesem Sonntag auf der Anlage des TC Weissenhof auf dem Stuttgarter Killesberg. Doch das 7:6, 6:3 über den Serben Viktor Troicki war Nadal mehr wert als die 104.600 Dollar Prämie, als der Mercedes-AMG GT S und die 250 Weltranglistenpunkte, die sein 66. Sieg auf der ATP-Tour und sein dritter Sieg im Mercedes Cup nach 2005 und 2007 mit sich brachten. Für den 29 Jahre alten Star war dieser Erfolg das Zeichen, dass er nach einer Saison der Irrungen und Wirrungen wieder auf dem Weg zu alter Stärke ist.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Seit knapp einem Jahr habe ich wieder die Physis, um erfolgreich Tennis zu spielen, aber ich habe trotzdem viele Spiele verloren“, bekannte Nadal am Donnerstag. Als er das sagte, wirkte er nicht niedergeschlagen, sondern kämpferisch. Da hatte er gerade nach 2 Stunden und 40 Minuten Spielzeit den Zyprier Marco Baghdatis in drei Sätzen niedergerungen. Die meisten Stars hätten so ein Match voller Schwierigkeiten und Widrigkeiten irgendwann einmal sausen lassen. Aber Nadal biss sich durch, weil in ihm mit 29 Jahren immer noch das Feuer brennt. „Ich muss keinem anderen noch etwas beweisen, ich muss nur mir noch etwas beweisen“, sagte er. Und er will sich beweisen, dass seine Karriere nicht schon den Höhepunkt überschritten hat. „Ich glaube daran, dass ich immer noch besser werden kann.“

          „Ich kann meinem Körper wieder vertrauen“

          Danach hat es in diesem Jahr noch nicht ausgesehen. Bis auf einen Turniersieg bei einer zweitklassig besetzten Veranstaltung in Buenos Aires konnte Nadal keine Trophäe mit nach Hause nehmen. „Über viereinhalb Monate war es eine furchtbare Saison, mit zu vielen Tiefen. Seitdem spiele ich besser.“ Aber Murray (Madrid), Wawrinka (Rom) und Djokovic (Paris) erwiesen sich auf seinem Lieblingsbelag Sand zu stark. Nadal mag keine Ausreden: „An zu hohen Erwartungen lag es nicht. Ich habe neunmal in Paris gewonnen, da gibt es keine zu hohen Erwartungen mehr.“ Die Viertelfinal-Niederlage gegen Djokovic sei allein den Nachwirkungen seiner Formschwäche geschuldet: „Ich habe mich im ersten und zweiten Satz in einigen Momenten richtig wohl gegen Djokovic gefühlt. Aber um ihn zu besiegen, musst du drei oder vier Stunden an der obersten Grenze spielen. Um das zu schaffen, hatten mir in letzter Zeit diese Qualitätsspiele gefehlt.“

          Nadals vergleichsweise frühes Scheitern war für den Stuttgarter Turnierdirektor Edwin Weindorfer Gold wert, obwohl es ihn eine Menge Geld kostete. Denn nun verblieb dem Superstar genug Energie und Zeit, um die Einladung anzunehmen, am Mercedes-Cup teilzunehmen. Im Bereich einer halben Million Euro soll das Antrittsgeld betragen haben, eine lohnende Investition. Mit 53 800 Zuschauern gab es einen neuen Besucherrekord, zudem erhielt der Mercedes-Cup eine Publicity, die es erleichtern wird, das Ereignis als Wimbledon-Vorbereitung in den nächsten Jahren noch besser zu vermarkten.

          „Das war eine prima Woche für mich“, bekannte Nadal, der sich auf dem eher ungeliebten Rasen das Selbstvertrauen ein Stück weit zurückholen konnte, das er auf dem geliebten Sand verloren hat. „Die beste Art, sich schnell an Rasen zu gewöhnen und bereit für Wimbledon zu werden, ist, möglichst viele Spiele zu absolvieren“, sagte der Spanier. Gesagt, getan: Die Fortschritte, die er von Tag zu Tag machte, ließen sich an den Spielzeiten ablesen: 2:40 Stunden im Achtelfinale gegen Baghdatis, 2:20 im Viertelfinale gegen Tomic, 1:19 im Halbfinale gegen Monfils und 1:26 gegen im Endspiel gegen Troicki. Am Ende spielte Nadal druckvolles Rasentennis mit gefährlichen Aufschlägen und aggressiven Grundschlägen. Sogar Ansätze eines Volleyspiels zeigte der Spanier, der sichtlich Spaß an der Sache gewann. Von diesem Montag an hat er in Queens Gelegenheit, seinen Aufwärtstrend zu bestätigen. An der Physis wird es nach eigenen Aussagen nicht mehr scheitern. „Ich kann meinem Körper wieder vertrauen.“

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