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Nachwuchssportler : Mit Omas Tee in die Doping-Falle

  • -Aktualisiert am

Zum Glück nicht Radfahrer: Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch Bild: F.A.Z.-Foto Rainer Wohlfahrt

Selbst in einer Eliteschule des Sports ist Doping-Prävention kein selbstverständliches Thema: „Wir reden in der Schule und im Sport kaum darüber“, gibt ein junger Sportler zu. Doch die Nationale Anti-Doping-Agentur klärt in der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt auf.

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          Die Gefahr lauert schon in der Hausapotheke. Das falsche Medikament, selbst wenn es in gutem Glauben von der Mutter, dem Vater oder dem unwissenden Arzt verabreicht wurde, kann zu einer positiven Dopingprobe führen. „Und verantwortlich für die Wahl der richtigen Medikamente seid ihr Athleten ganz allein“, sagt Dominic Müser von der Abteilung Prävention der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada) den Schülern der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt.

          In der Aula der Eliteschule des Sports informiert die Nada die Schüler der Sportklassen vom neunten Jahrgang an, darunter 30 Kaderathleten, über Doping und dessen Folgen. Bei den Worten von Müser herrscht gespannte Stille, denn ein positiver Dopingbefund bedeutet auch für junge Athleten meist das Ende der Karriere: Gesperrt für zwei Jahre fehlt der motivierende Vergleich in Wettkämpfen und natürlich die Förderung im Leistungskader. „Wir reden in der Schule und im Sport kaum über Doping“, sagt einer der Zuhörer, ein junger Volleyballspieler. Dabei sei es wirklich wichtig, auch zu wissen, wie eine Dopingkontrolle denn genau vor sich gehe.

          Plötzlich standen die Kontrolleure vor der Haustür

          Und dafür hat die Nada dann auch gleich zwei bekannte Sportler aufs Podium geladen: den Zehnkämpfer und fünften bei der Europameisterschaft Pascal Behrenbruch und die bis vor drei Monaten noch aktive Bundesliga-Spielerin des FFC Frankfurt und Weltmeisterin von 2003, Nia Künzer. Als diese von ihrer ersten Dopingkontrolle sehr anschaulich berichtet, kann sich im Saal keiner das Schmunzeln verkneifen: „Ich war 16 oder 17 Jahre alt und total aufgeregt, als die Kontolleure auf einmal bei uns vor der Haustür standen“, berichtet sie. Unter Aufsicht musste sie Urin in einen Becher abgeben, dafür sei schon einiges an Überwindung vonnöten gewesen. Der Vorgang heiße zwar Sichtkontrolle, erfolge jedoch sehr diskret, beruhigte die Fußballerin die Sportlerinnen im Zuschauersaal.

          „Wir von der Nada sind nicht hier, weil wir glauben, dass ihr mit Doping schon in Berührung gekommen seid“, erklärt Müser den Schülern den Grund der Informationsveranstaltung. Vielmehr gehe es darum, auf Gefahren hinzuweisen und die Angst vor einer Dopingkontrolle zu nehmen. Denn jeder Athlet, der an nationalen Wettkämpfen teilnimmt oder in einen der Bundesleistungskader berufen wurde, müsse mit Tests rechnen. In diesem Falle könne einem ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel ebenso zum Verhängnis werden wie der asiatische Tee der Oma oder das Passivrauchen von Cannabis. „Das sind Dopingfallen, die man als Sportler vermeiden sollte“, sagt der gelernte Sportwissenschaftler Müser. Denn plötzlich gelte man als einer, der betrogen hat. Ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen liege ebenso vor, wenn versucht werde, eine Dopingkontrolle zu umgehen oder Sportler der A- und B-Kader die Meldepflicht verletzen, sagt Müser.

          „Kontrollen nicht überall auf der Welt gleich streng“

          Das hat Pascal Behrenbruch von der LG Eintracht Frankfurt am eigenen Leibe erfahren: „Man muss in eine Datenbank übers Internet genau eintragen, wann man wo trainiert und unterwegs ist. Das habe ich vergangenes Jahr einmal nicht gemacht und damit einen Test verpasst.“ Die Nachlässigkeit brachte ihm eine Verwarnung ein. Ein zweites Mal könne er sich so etwas nicht leisten, erzählt der Zehnkämpfer zerknirscht. „Dann bin ich gesperrt und die sportliche Karriere ist vorbei.“ Das Kontrollsystem in Deutschland, kritisiert Behrenbruch, sei „überaus genau“ im internationalen Vergleich. Auch eine Schülerin der Carl-von-Weinberg-Schule wundert sich über die extrem erfolgreichen amerikanischen Schwimmer in Peking und fragt nach den dortigen Kontrollmethoden.

          „Wir sind leider noch nicht so weit, dass die Doping-Kontrollen auf der Welt überall gleich streng sind“, sagt Ulrike Spitz, stellvertretende Geschäftsführerin der Nada. Zum Beispiel habe Jamaika noch keine nationale Doping-Agentur eingerichtet. Doch müsse das System der anderen Länder verbessert und nicht das eigene Kontrollsystem aufgeweicht werden, um Chancengleichheit zu schaffen. Ein Urteil, dem niemand widersprechen möchte. Und ganz am Ende der Veranstaltung traut sich dann doch noch ein Schüler, dem Sportidol die Frage der Fragen zu stellen: „Haben Sie denn nie daran gedacht zu dopen?“ „Als Zehnkämpfer hat sich mir diese Frage nie gestellt. Wenn ich jedoch Radfahrer wäre und alle an mir vorbeiziehen würden, dann würde ich sicherlich ins Grübeln kommen“, sagt Behrenbruch – mit einem Lachen.

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