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Nachruf auf Kobe Bryant : „Black Mamba Out“

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Kobe Bryant und seine Tochter Gianna vor einem NBA-All-Star Game in Toronto. Beide sind bei einem Hubschrauberabsturz verstorben. Bild: AP

Fünf Mal war er NBA-Champion, 18 Mal spielte er im All-Star-Team, zwei Mal holte das Ausnahmetalent olympisches Gold: Mit Kobe Bryant ist einer der besten Basketball-Spieler aller Zeiten gestorben. Ein Nachruf.

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          Erst einen Tag zuvor stand sein Name zum ersten Mal seit langem wieder ganz oben auf den wichtigsten Sportseiten Amerikas. Der Grund: Jemand hatte ihn von seinem angestammten Platz weit oben in der ewigen Rangliste der besten Korbschützen in der besten Basketballliga verdrängt. Es wirkte wie ein Augenblick zum Innehalten. Denn Kobe Bryant, der in den zwanzig Jahren seiner Profikarriere insgesamt 33.643 Punkte erzielt hatte, war an diesem Abend nicht von irgendjemanden überholt worden. Sondern von LeBron James, dem aktuellen Bannerträger der NBA.

          Und das Ganze war nicht irgendwo passiert, sondern in der ausverkauften Arena in Philadelphia, der Heimatstadt von Bryant. Für James Anlass, dem Symbolgehalt des Augenblicks ein paar Erinnerungen hinzuzufügen und zu vermitteln, mit wie viel Respekt die ganz großen Basketballstars in Amerika miteinander umgehen. James erzählte von der ersten Begegnung der beiden 2002 während des NBA-All-Star-Wochenendes. Damals erhielt er, das aufstrebende Wunderkind, von Bryant eine Spezialausgabe seiner Basketballschuhe geschenkt. Die Sneaker trug der sogleich stolz im nächsten Spiel. Und das, obwohl sie eine Nummer zu klein waren.

          „Nun bin ich hier, in Philadelphia, im Trikot der Los Angeles Lakers“ – dem einzigen Klub, bei dem Bryant in seiner Profizeit gespielt hatte – stellte James achtzehn Jahre später fest und wurde philosophisch: „Das Universum legt dir einfach solche Sachen in den Weg. Was wohl heißt, wenn du auf die richtige Weise lebst und dem, was du machst, alles widmest, dann passiert so etwas ganz organisch.“

          Bekanntester NBA-Spieler seit Michael Jordan

          Einen Tag später, als das Flugzeug der Lakers in Los Angeles landete, stieg James mit Tränen im Gesicht aus der Maschine. Denn kurz zuvor hatte ihn die bestürzende Nachricht von Bryants Tod erreicht. Der Einundvierzigjährige, der im Frühjahr 2016 im Rahmen einer langen Abschiedstournee durch ganz Amerika seine Laufbahn beendet hatte, war zusammen mit acht anderen beim Absturz eines Hubschraubers im Nebel in der bergigen Landschaft im Norden von Los Angeles tödlich verunglückt. Unter den Toten: seine 13-jährige Tochter Gianna, eines der vier Kinder aus seiner Ehe mit seiner Frau Vanessa.

          Keine Reaktion wirkte persönlicher und unmittelbarer, als die Folgen des Unglücks bekannt wurden. Auch wenn viele Honoratioren und NBA-Spieler angemessene Worte fanden. So wie etwa NBA-Commissioner Adam Silver, dessen Vorgänger David Stern erst vor wenigen Wochen gestorben war, und der Bryant als „außergewöhnliches Talent mit absoluter Hingabe zum Gewinnen” pries und seine Erfolge aufzählte: Fünf Mal NBA-Champion, 18 Mal in der All-Star-Mannschaft der Western Conference, zwei Mal olympisches Gold.

          Was Barack Obama auf der Kurznachrichtenplattform Twitter schrieb, fand seinen Widerhall schnell bei mehr als zwei Millionen Menschen, die ihre Sympathie für den Tweet ausdrückten, in dem der frühere Präsident und ehemalige College-Basketballspieler Bryant als „Legende auf dem Spielfeld”
          würdigte. Ein Mann mit einer Ausstrahlung also, die von Anfang weit über die Grenzen des Landes hinausging. Weshalb er in den Jahren nach dem Rücktritt von Michael Jordan unbestritten zum bekanntesten NBA-Botschafter avancierte.

          Was allerdings auch deshalb passierte, weil sich die Liga parallel ein Milliardenpublikum auf allen Kontinenten erarbeiten konnte, während Bryant auf dem höchsten Punkt seiner Formkurve spielte. Und so wurden seine beiden Trikots – das mit der Nummer 8 aus der ersten Phase seiner Karriere und das mit der Nummer 24 aus dem zweiten Abschnitt zu Bestsellern weltweit. Konsequenterweise wurden 2017 gleich beide offiziell aus dem Verkehr gezogen, als sie in einer Feierstunde zum ersten Mal in der Reihe von Trikots anderer Lakers-Legenden unter dem Dach des Gebäudes gehisst wurden.

          Flugroute des verunglückten Hubschraubers mit Kobe Bryant

          Achtzehn Monate vorher bei seinem Abschiedsspiel am selben Ort, wo er nach Jahren mit vielen Verletzungen noch einmal aufdrehte, war er zum letzten Mal gebührend gefeiert worden. Mit Luftballons in Purpur und Gold und viel Konfetti, das von der Decke herunter geregnet war. Als er in Anspielung an jene Giftschlange, von der er sich bei der Auswahl seines Spitznamens „Black Mamba” hatte inspirieren lassen, kurz und bündig seine Entscheidung bekräftigte: „Mamba Out.”

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