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Nach dem Doping-Geständnis : Radsport-Präsident greift Jaksche an

  • Aktualisiert am

Jörg Jaksche steht vor einem Justiz-Marathon Bild: ddp

Der Präsident des Radsport-Weltverbandes hat das Doping-Geständnis von Jörg Jaksche kritisiert und eine automatische Strafmilderung abgelehnt. „Offenbar wollte er noch einmal Kasse machen“, warf Pat McQuaid dem Profi vor.

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          Das Starterfeld für die Tour de France ist kurz vor dem Auftakt am Samstag in London noch völlig unklar. Ausschlüsse von Profis und Team-Begleitern wegen Doping-Verwicklungen stehen bevor. Über 50 für die Tour vorgesehene Fahrer, unter ihnen Jens Voigt von CSC und der Mitfavorit Andreas Klöden von Astana, haben die für die Startberechtigung notwendige Verpflichtungs-Erklärung des Weltverbandes UCI noch nicht unterzeichnet.

          Milram-Teamchef Gianluigi Stanga, durch Jörg Jaksches „Spiegel“-Bekenntnisse schon sehr in die Ecke gedrängt, wurde am Dienstag weiter belastet. Der italienische Ex-Profi Ruggiero Torraco hatte bereits vor einigen Jahren gegenüber der Staatsanwaltschaft in Padua ausgesagt, dass er bei seiner Verpflichtung durch das damals von Stanga geleitete Colpack-Team zu Doping genötigt worden sei.

          „Stelle mich jedem Gericht“

          Jörg Jaksche selbst ist bereit für den Justiz-Marathon. „Ich stelle mich jedem Gericht“, sagte der geständige Doping-Sünder. „Zuerst wird es ein Treffen mit dem für mich zuständigen Österreichischen Verband geben. Mein Anwalt hatte sich bereits bei der Wada über die Kronzeugen-Regelung informiert, die eine Halbierung meiner zu erwartenden Strafe auf ein Jahr bringen könnte“, sagte der ehemalige Radprofi am Dienstag. Mögliche Kosten, die durch Klagen von ihm Beschuldigter entstehen könnten, seien Vertragsgegenstand mit dem „Spiegel“.

          Pat McQuaid: „Komplett falsch”
          Pat McQuaid: „Komplett falsch” : Bild: AFP

          In dem Nachrichtenmagazin hatte Jaksche eine umfassende Beichte abgelegt. Trotzdem ist die ermittelnde Staatsanwaltschaft Ansbach noch nicht wegen eines Vernehmungs-Termins an Jaksche-Anwalt Michael Lehner herangetreten, berichtete der seit sieben Jahren in Kitzbühel lebende Franke weiter.

          McQuaid widerspricht Jaksche

          Scharfe Kritik musste Jaksche von UCI-Präsident Pat McQuaid einstecken. „Jaksche ist ein Fahrer, dessen Karriere zu Ende geht. Offenbar wollte er daher noch einmal kurz vor Schluss Kasse machen“, sagte McQuaid dem am Dienstagabend ausgestrahlten ZDF-Magazin „Frontal21“. Eine Strafreduzierung hänge von den weiteren Aussagen des Athleten ab. Jaksches Äußerungen über Absprachen zwischen einzelnen Radteams und der UCI über Dopingkontrollen bezeichnete McQuaid als „komplett falsch“. Der Verband werde rechtliche Schritte prüfen.

          Von einer Einladung vor die unabhängige Anti-Doping-Kommission des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) durch Verbandspräsident Rudolf Scharping am Sonntag in Wiesbaden wusste Jaksche noch nichts: „Ich habe keine Einladung, komme aber gerne, wenn sie meine Aussage wollen.“ Das Gremium mit Fritz Sörgel vom Institut für medizinische und pharmazeutische Forschung in Nürnberg soll am 12. Juli seine Arbeit aufnehmen. Scharping trifft am Montag zusammen mit UCI-Chef Pat McQuaid Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Bei dem Treffen in Berlin geht es in erster Linie um die Ernsthaftigkeit beider Verbände im Kampf gegen Doping und um die avisierte Unterstützung von 150.000 Euro für die Weltmeisterschaft in Stuttgart.

          Auf seine „Spiegel-Beichte“ habe er „vornehmlich positive Reaktionen“ bekommen, sagte Jaksche. „Auch Zabel hat angerufen. Er fand es gut, dass ich ausgepackt habe“, berichtete der 30-Jährige. Erik Zabel hatte zusammen mit dem jetzigen T-Mobile-Teamchef Rolf Aldag am 24. Mai Doping-Vergehen gestanden - allerdings nur bis zur Verjährungsgrenze 1999.

          Im Hinblick auf die Tour ist „Kronzeuge“ Jaksche etwas optimistischer als Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer, der eine „sauberere Tour als in der Vergangenheit, aber keine saubere“ erwartet. „Natürlich gibt es noch Lücken bei den Kontrollen, aber es wird wesentlich korrekter zugehen, als noch vor zehn Jahren“. Im Vergleich zu den Jahren „1996, '97, '98 oder danach“ hätte sich heute schon viel zum Positiven verändert, sagte Jaksche.

          Voigt und Klöden haben noch nicht unterschrieben

          Ein Problem stellen vor dem Tour-Start die fehlenden Unterschriften unter der UCI-Verpflichtungserklärung dar. Jens Voigt vom Team CSC hatte am Sonntag in Wiesbaden erklärt, sich gemeinsam mit anderen Fahrern einen Anwalt genommen zu haben. „Mal sehen, ob wir unterschreiben“, sagte der Deutschland-Tour-Sieger des Vorjahres. Die UCI und der Tour-Veranstalter hatten angekündigt, Fahrer, die nicht unterschreiben, nicht starten zu lassen. Allerdings dürfte es dafür keine Rechtsgrundlage geben. Mit der Verpflichtungserklärung stimmen die Profis zu, bei einem positiven Doping-Befund mit einem Jahresgehalt zu haften und ihre DNA zum Abgleich mit dem Inhalt der beim mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes sicher gestellten Blutbeuteln zur Verfügung zu stellen. Unterschrieben hat am Dienstag Milram-Fahrer Alessandro Petacchi, dem wegen der überdosierten Einnahme von Asthma-Mitteln eine Doping-Sperre von zwei Jahren droht.

          Die Torraco-Aussage war für Stanga bislang ohne Konsequenzen geblieben. Erst nach Jaksches Erklärungen förderte Italiens Antidopingkommissions-Chef Ettore Torri die in Vergessenheit geratenen Aussagen aus den Archiven wieder ans Tageslicht. Nach Angaben der „Gazzetta dello Sport“ prüft Torri nun die Einleitung eines Verfahrens gegen den 56-jährigen Teammanager, über dessen sportliche Zukunft Milram-Sponsor Nordmilch spätestens bis Mittwoch entscheiden will.

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