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Traum vom digitalen Athleten : Wie der Sprung auf die große E-Sport-Bühne gelingt

Wo es glitzert, blinkt und rummst: Wer es auf die große E-Sport-Bühne schafft, wird von Tausenden Fans beobachtet. Bild: dpa

Millionen Deutsche zocken regelmäßig am Computer oder an der Konsole: Nur wie startet man vom heimischen Rechner die große E-Sport-Karriere? Die Antwort ist einfach – und trotzdem gibt es Unterschiede.

          4 Min.

          Der Graben ist tief – und er ist in dieser Woche noch einmal deutlich tiefer geworden. Mit seiner Ankündigung, E-Sport wenn überhaupt nur in Teilen als Sportart in seinen Verband aufzunehmen, hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) viel Kritik aus der E-Sport- und Gaming-Szene auf sich gezogen. Der DOSB will im E-Sport künftig zwischen Sportartensimulationen wie „Fifa“ oder „F1“ und dem E-Gaming unterscheiden, das sportartenferne Spiele wie „Counter Strike“, League of Legends“ oder „Dota2“ beinhaltet. Die vom E-Sportbund Deutschland (ESBD) vorgeschlagene Definition, nach der E-Sport das sportwettkampfmäßige Spielen von Video- bzw. Computerspielen nach festgelegten Regeln sei, übernimmt der DOSB ausdrücklich nicht.

          Sebastian Reuter
          Redakteur vom Dienst.

          Eine Haltung, die den Präsidenten des erst vor einem Jahr gegründeten ESBD, Hans Jagnow, nur den Kopf schütteln lässt: „Die Positionierung zeigt, dass es weiterhin kaum Verständnis über die E-Sport-Bewegung gibt.“ Die Abgrenzungen seien für ihn „völlig unsachlich und verwirrend“. Er sagte: „Im DOSB positioniert man sich mit diesem Sonderweg komplett an der gesellschaftlichen Realität vorbei. Diesen Versuch der Spaltung wird die Generation E-Sport nicht mitmachen.“

          Millionen abräumen und gefeiert werden, wie ein Popstar

          Knapp die Hälfte der Deutschen kann mittlerweile etwas mit E-Sport anfangen, zwei Drittel der 16- bis 24-Jährigen glauben sogar, dass der digitale Sport den Olympischen Spielen helfen könnte, wieder mehr junge Zuschauer zu gewinnen. Bis 2020 soll der Umsatz der Branche hierzulande auf mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr ansteigen. Doch noch immer sind die Zweifel, ob E-Sport wirklich mehr ist als ein milliardenschweres Unterhaltungsgeschäft, auch abseits des DOSB weit verbreitet. Neben der allgemeinen Skepsis, ob professionelles Zocken überhaupt als Sport gelten sollte, und der Frage, welche Spiele sich als E-Sport eignen, ist es selbst für Interessierte häufig noch zu undurchsichtig, ob und wie einem Talent der Sprung vom heimischen Rechner auf die große E-Sport-Bühne gelingt. Wie entwickeln sich talentierte Gamer zu abgezockten Profis? Was sind das für Teams und Spieler aus China, Amerika oder Brasilien, die bei „Dota2“- und „Fifa“-Turnieren rund um den Globus Millionen abräumen und von jungen Fans gefeiert werden wie Popstars?

          Der Berliner Kuro Saleh „KuroKy“ Takhasomi ist Deutschlands erfolgreichster E-Sportler.
          Der Berliner Kuro Saleh „KuroKy“ Takhasomi ist Deutschlands erfolgreichster E-Sportler. : Bild: EPA

          Einer, der schon vielen digitalen Athleten dem Traum vom Profidasein erfüllt hat, ist Sebastian Huber. Seine Beratungsagentur „Stark eSports“ gehört zu den einflussreichsten in Deutschland und betreut 14 Spieler der Fußball-Simulation „Fifa“, von denen acht für Profiklubs in Deutschland, Dänemark und der Schweiz zocken. So wie viele „Fifa“-Profis sind auch sie von „Stark“-Beratern auf den Online- und Offline-Turnieren entdeckt worden, die regelmäßig für Amateure stattfinden und entweder via Internet oder live vor Ort verfolgt werden können. Fällt ein Spieler den Beratern auf, suchen sie das Gespräch, machen sich ein Bild von dessen Charakter und durchleuchten die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken. „Zudem absolvieren die Talente in den meisten Fällen Testspiele gegen unsere etablierten Profis. So erhalten wir eine weitere Einschätzung über Fähigkeiten und Potential“, sagt Huber. „Auf den Punkt gebracht, muss es einfach ein talentierter, lernwilliger und motivierter Junge sein – oder natürlich auch ein Mädchen.

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