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Mythos Ironman : Tausend Geburtstage

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Mehr als ein Triathlon: Der Ironman Hawaii ist aufgeladen mit Emotion und Wucht, Bewunderung und Staunen. Bild: AP

Es wird viel Unsinn über Mythen im Sport erzählt, aber diese beiden Worte packen selbst Menschen, denen Extremsport sonst ziemlich schnuppe ist: „Ironman“ und „Hawaii“.

          Für den, der ein bisschen Rennrad fährt, ein wenig schwimmt, mal einen Marathon läuft und sich an einem kurzen Triathlon versucht, gibt es zwei Wörter, die ihn nicht mehr loslassen. Das eine Wort ist „Ironman“, das andere „Hawaii“. Und es sind nicht nur Ausdauerfreaks, die der ultimative Dreikampf auf der Pazifikinsel fasziniert, es gibt kaum eine Marke im Sport, die so aufgeladen ist mit Emotion und Wucht, Bewunderung und Staunen.

          Es wird viel von Mythen erzählt im Sport, damit wird viel Unsinn getrieben, aber die 3,8 Kilometer Schwimmen im offenen Meer, die 180 Kilometer Radfahren und der Marathon durch die Lavawüste auf Big Island - dieses Rennen mit seiner großen Geschichte ist tatsächlich ein Mythos, der selbst Menschen in der Seele packt, denen der Extremsport sonst ziemlich schnuppe ist.

          Was macht den Reiz dieses Rennens aus? Seine Strahlkraft? Die Organisation des Ironman Hawaii ist mäßig, die produzierten Fernsehbilder sind ein Witz, Zuschauer gibt es auch nicht viele auf Big Island. Das spielt aber keine Rolle. Was dieses Rennen zu einem Faszinosum macht, hat man am Samstag wieder eindrucksvoll verfolgen können. Nirgendwo sonst sieht man Athleten aus nächster Nähe, die sich über viele Stunden am gerade noch Erträglichen entlang hangeln, die in eine eigene Welt abtauchen, in der nichts mehr zählt als Leistung und, vor allem, Wille.

          Nirgendwo wird Wille sichtbarer. Der Wille, nicht aufzugeben, der Wille, anzukommen. Wer Frodeno im Ziel von Hawaii gesehen hat, den furchtbaren Zustand, in dem er für bald eine halbe Stunde war, kann seine Leistung ermessen, und die Arbeit, das Training, die dahinter stecken.

          Sieger Frodeno: Über viele Stunden am gerade noch Erträglichen entlang gehangelt

          Frodeno hat 2008 olympisches Gold auf der Kurzstrecke gewonnen und sich dann an die Langstrecke herangetastet. Bei seinem ersten Ironman musste er beim Marathon 22 Gehpausen einlegen, er hat sich ins Ziel geschafft. Bei einem Ironman gibt es, wie in jedem anderen Solo-Rennen, nur einen Sieger, aber bei jedem Ironman gibt es auch Hunderte, auf Hawaii Tausende Gewinner. Jeder, der das Ziel erreicht, wird gefeiert, auf Hawaii ist es üblich, dass die Stars, frisch geduscht, spät am Abend wieder am Ziel vorbei schauen, um den Amateuren die Ehre zu erweisen, es gibt keinen Sport, in dem Amateure und Profis so eng miteinander verbunden sind.

          Frodenos Olympiasieg war, natürlich, eine große Sache. Was die Öffentlichkeitswirksamkeit und die Verdienstmöglichkeiten betrifft, führen ihn seine nunmehr zwei Siege auf Hawaii aber in eine andere Sphäre. Schon sein erster Sieg im vergangenen Jahr machte ihn zu einem wohlhabenden Mann - und zum „Sportler des Jahres“, ein Titel, den er selbst im Olympiajahr vermutlich wieder gewinnen wird. Wer sollte ihm diesen Titel streitig machen? Vielleicht Fabian Hambüchen.

          Jeder Langstreckentriathlon ist eine leidvolle Erfahrung. Jeder Athlet bezahlt unterwegs mit allem, was er hat. Er kommt buchstäblich erschöpft ins Ziel. Aber die Leere wird dann aufgefüllt mit einem Lohn, der alles aufwiegt: Glück. Patrick Lange, der gefeierte Dritte, hat es am Samstag hinter der Ziellinie so beschrieben: „Es ist ein unfassbarer Cocktail aus Gefühlen. Es ist wie tausend Geburtstage, Weihnachten und Ostern zusammen, das alles in zehn Sekunden.“

          Newcomer Patrick Lange (rechts) auf dem Podium mit Sieger Jan Frodeno (Mitte) und Sebastian Kienle: „Wie tausend Geburtstage, Weihnachten und Ostern zusammen“

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