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Golf : Frauen ja – aber nur ungern

  • -Aktualisiert am

Schwerer Stand in der noblen Gesellschaft: Nicht jeder sieht Frauen gerne auf dem Golfplatz. Bild: Picture-Alliance

Frauenfeindlichkeit im Golf ist weit verbreitet. In der noblen Gesellschaft gibt es etliche Hardliner, die sich gegen den Zeitgeist sträuben. Werden sie überstimmt, dann leider nur auf massiven Druck. Ein Kommentar.

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          Nein, die Gentlemen der „Honourable Company of Edinburgh Golfers“ sind nicht von allein zu der Einsicht gekommen, dass auch der exklusivste Club Schottlands seine frauenfeindliche Mitglieder-Politik beenden muss. Im vergangenen Jahr hatte die Abstimmung unter den rund 600 Herren die nötige Zweidrittelmehrheit für die Aufnahme von Frauen mit 64 Prozent noch knapp verfehlt.

          Nur ein Jahr später stimmten rund 80 Prozent der Mitglieder zu, künftig auch Damen in dem Kreis des ältesten Golfklubs der Welt (gegründet 1744) willkommen zu heißen, wie der Klub am Dienstag mitteilte. Die zweite Abstimmung und der Sinneswandel sind wohl der Tatsache zuzuschreiben, dass die R&A, der Veranstalter der British Open, kräftig Druck ausgeübt hatte: ohne Frauen keine British Open – und das, obwohl der Platz in Muirfield bisher schon 16 Mal als Gastgeber für das älteste Turnier der Welt gedient hat, zuletzt 2013, als Phil Mickelson siegte.

          Noch immer gibt es in dieser noblen Gesellschaft etliche Hardliner, die sich gegen den Zeitgeist sträuben. Immerhin 123 Herren stimmten auch diesmal dafür, alles beim Alten zu lassen. Aber sie wurden überstimmt, weil der Klub sein Renommee nicht nur aus der Tatsache bezieht, dass er 1744 die ersten 13 Golfregeln schriftlich formulierte, sondern vor allem daraus, dass der Platz eben dank der British Open in aller Welt bekannt ist.

          Alle anderen Austragungsorte von „The Open Championship“, wie das Turnier offiziell heißt, hatten bereits ihre misogynen Satzungen geändert. Selbst der Augusta National Golf Club, der alljährlich Anfang April das Masters im amerikanischen Südstaat Georgia ausrichtet, hatte schon 2012 seinen langen Widerstand gegen weibliche Mitglieder aufgeben müssen. Mittlerweile sind immerhin drei Damen Mitglieder.

          Doch Frauenfeindlichkeit im Golf ist nicht nur auf den angelsächsischen Sprachraum beschränkt. Im Jahr 2020 soll das olympische Golfturnier im Kasumigaseki Country Club, einem 1929 gegründeten feinen Privatklub im Nordwesten von Tokio, ausgetragen werden – in einem Klub, der Frauen weder als Mitglieder aufnimmt, noch sie am Sonntag auf dem Platz spielen lässt.

          John Coates, der für die Vorbereitung der Spiele in Tokio zuständige Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hatte bei den Asian Winter Games in Sapporo Ende Februar noch einmal unmissverständlich erklärt, dass die Organisatoren einen anderen Austragungsort finden müssen, wenn der Kasumigaseki Country Club seine diskriminierende Mitglieder-Satzung nicht ändert. Wahrscheinlich wird auch dieser Verein bei der nächsten Abstimmung im Juni klein beigeben. Traurig nur, dass es dazu wie im Fall der Honourable Company of Edinburgh Golfers massiven Drucks bedarf.

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