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Münchner Olympiabewerbung : Die größte Kür von allen

  • -Aktualisiert am

Botschafterin Witt: Werbung für München Bild: picture alliance / dpa

Vom Hochglanz-Promi zur ernstzunehmenden Managerin: Katarina Witt soll München die Olympischen Spiele 2018 bescheren - mit einem neuen Stil, altem Ehrgeiz und gegen interne Widerstände. Beim IOC-Kongress muss sie sich beweisen.

          Katarina Witt hat schon viele Kostüme getragen in ihrem Leben. Das Erste ganz Große: das mit Tüll durchsetzte Kringelkleidchen, in dem sie 1984 in Sarajevo zum ersten Mal Olympiasiegerin wurde zu George Gershwins „I got Rhythm“. Das Anrührendste: Das schlichte, betont weibliche Kleid, in dem sie 1994 in Lillehammer Abschied vom Leistungssport nahm und ihre Kür in Erinnerung an Sarajevo lief zu dem Anti-Kriegs-Titel „Sag mir, wo die Blumen sind“. Das Berühmteste: Das knallrote spanische Outfit, in dem sie 1988 in Calgary ihre amerikanische Konkurrentin Debi Thomas ausstach. Carmen gegen Carmen, Sozialismus gegen Kapitalismus - so wurde das Duell der beiden Eis-Diven damals interpretiert. Doch es war wohl eher völlig ideologiefrei. Wie immer vorher und nachher: Witt nicht für oder gegen irgendjemand oder irgendwas. Witt für Witt.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Das jüngste Kostüm ist ein lila Dirndl, das Katarina Witt auf dem Münchner Oktoberfest trug, zünftig geschnürt und mit genügend Freiraum versehen, dass die Boulevardpresse eine Fotoserie zum Weiterklicken daraus machte. Das ist Alltag für die ehemalige Eisprinzessin, den Showstar, die Schauspielerin, Moderatorin einer Tanz- und einer Abnehmsendung, erfolgreiche Produzentin und Selbstvermarkterin. Sex sells - dieses Prinzip hat ihren Erfolg immer bestimmt. Millionen von Männern wollten sie nackt sehen und kauften sich vor zwölf Jahren ein Exemplar des „Playboy“-Hefts, in dem Katarina Witt im Evakostüm abgelichtet war - das einzige andere weltweit restlos ausverkaufte Exemplar zeigte einst Marilyn Monroe. La Witt, Katarina die Große, die strahlende Sächsin, gehört zur deutschen und internationalen Bilderwelt.

          Das Dirndl allerdings hatte nicht nur ein tiefes Dekolleté, sondern einen tieferen Sinn. Katarina Witt ist aufgebrochen, um mit einem gekonnten Toe-Loop den Sprung auf eine neue Ebene der Gesellschaft zu machen. Als Präsentationschefin der Münchner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 hat sie die Chance, vom Hochglanz-Promi zu einer seriösen Managerin zu werden. Mit ihren 44 Jahren ist sie zwar immer noch eine bewunderte und begehrte Diva und von der Verzweiflung alternder Sexbomben weit entfernt. Sie lacht viel und laut, tritt gerne auch kumpelhaft auf und brilliert mit ihrem sächsischen Mutterwitz. Doch nun lässt sie sich plötzlich in Presseerklärungen bürokratische Kommentare zuschreiben, die sie live so trocken wohl eher nicht über die Lippen brächte, zum Beispiel zur jüngst vorgestellten Imagekampagne: „Wir wollen mit der Kampagne die Menschen in unserem Land mitnehmen und teilhaben lassen an den Träumen einer jungen Generation, die die Vorbilder von morgen sein könnten.“

          Der Zauber von 1988: Olympiasiegerin Witt im Carmen-Kostüm bei den Winterspielen von Calgary

          Die schwere Kür zuhause

          Eigentlich eher Originalton Thomas Bach. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Vorsitzende der Bewerbungsgesellschafter wird denn auch nicht müde, Katarina Witts Einsatz auf internationalem Parkett zu preisen. Ihre Gespräche mit den Entscheidern, den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), gehen offenbar weit über den Flirt-Status hinaus. Sie vertritt das Konzept der Bewerbung mit Leidenschaft und Detailkenntnis und ist entschlossen, die Spiele nach Bayern zu holen. „Ich möchte mich immer nur über Leistung definieren und über nichts anderes“, sagt sie. „Ich will immer eine sichtbare Leistung erbringen.“

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