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Doping im Schwimmsport : Erst Russland, jetzt China

  • Aktualisiert am

Bereits aus dem Verkehr gezogen: der chinesische Schwimmer Sun Yang Bild: dpa

Einem Medienbericht zufolge soll der chinesische Schwimmverband die Ergebnisse von Doping-Proben verheimlicht haben. Chinas Anti-Doping-Agentur dementiert das – gesteht aber andere Dinge.

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          Nach den Enthüllungen über einen gigantischen Dopingskandal im russischen Schwimmen hat die britische Zeitung „Times“ nun über vertuschte Proben in China berichtet. Dabei soll es um fünf Tests im Vorfeld der Olympia-Ausscheidung im nächsten Monat gegangen sein. Als Quelle werden Whistleblower aus dem chinesischen Verband angegeben. Die anonymen Quellen hätten sich an die „Times“ gewandt und erklärt, dass die Ergebnisse verheimlicht werden sollten, um Unruhe vor der Olympia-Qualifikation zu vermeiden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada soll Ermittlungen eingeleitet haben.

          Der chinesische Schwimmsport wird seit langem kritisch beobachtet. Vor zwei Jahrzehnten waren Dutzende Schwimmer aus dem Reich der Mitte bei Doping-Kontrollen aufgeflogen. Danach spielte China einige Jahre keine große Rolle mehr im internationalen Schwimmsport, um dann umso eindrucksvoller zurückzukommen. Chinas Olympiasieger Sun Yang, ein Konkurrent von Paul Biedermann, wurde ebenfalls schon aus dem Verkehr gezogen. Dank einer verkürzten Sperre durfte Sun Yang bei der Schwimm-WM im vergangenen Sommer starten.

          Widerspruch aus Peking

          Chinas Anti-Doping-Agentur hat unterdessen sechs positive Dopingtests bei chinesischen Schwimmern bestätigt. Drei der sechs Proben sollen nach Angaben der chinesischen Anti-Doping-Agentur den verbotenen Wirkstoff Clenbuterol enthalten, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Drei weitere positive Tests seit Jahresbeginn würden noch weiter untersucht. Die Welt-Anti-Doping-Agentur sei über alle positiven Tests informiert, teilte die chinesische Behörde mit.

          Zhao Jian, stellvertretender Direktor der chinesischen Anti-Doping-Agentur, betonte, dass China niemals positive Dopingtests verschleiert habe. Es habe keine Vertuschung gegeben, entgegnete er mit Blick auf den Bericht. Namen der positiv getesteten Sportler wurden nicht genannt. Der Wirkstoff Clenbuterol unterstützt den Aufbau von Muskeln. Immer wieder haben Sportler Clenbuterol verbotenerweise als Dopingmittel benutzt. Clenbuterol stand in Deutschland zudem mehrmals im Mittelpunkt von Tiermast-Skandalen.

          Bereits am Mittwoch hatte die „Times“ berichtet, dass es Beweise für eine „organisierte Drogenkultur“ im russischen Schwimmsport in den vergangenen zehn Jahren gebe. Zuvor hatte ein Doping-Skandal in der Leichtathletik des Landes den Sport erschüttert. Sergej Portugalow, Chefmediziner der seit vier Monaten suspendierten russischen Leichtathleten, soll auch den Schwimmern leistungssteigernde Mittel verabreicht haben.

          Der Weltschwimmverband Fina rief die Zeitung auf, neue Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen, damit bei Bedarf unverzüglich Ermittlungen eingeleitet werden könnten. Der Verband habe zwar keine Kenntnis von systematischem Doping, führe angesichts jüngster Erkenntnisse aber besonders viele Kontrollen dort durch.

          Noch vor Russland waren 2015 China, Australien und die Vereinigten Staaten die am häufigsten getesteten Nationen. Im Februar dieses Jahres weist die Fina-Statistik 38 Doping-Tests russischer Athleten aus – so viele wie bei keiner anderer Nation. Zum Vergleich: Sieben deutsche, 17 chinesische und 21 amerikanische Athleten wurde vergangenen Monat getestet – meist im Training, da im Februar nur wenige internationale Wettkämpfe stattfanden.

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