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Model als Sponsor : „Näher ran, Larissa!“

  • -Aktualisiert am

Bild: Hikmet Temizer

Die Offenbacher Tennisdamen werden von Marcus Schenkenberg gesponsert. Der Manager des schwedischen Models ist gleichzeitig Marketingchef beim Klub und will die Kooperation öffentlichkeitswirksam vermarkten.

          2 Min.

          Er soll Glamour von New York City nach Offenbach bringen, aber Marcus Schenkenberg sieht eher aus, als hätte er sich gerade einer besonders unangenehmen Wurzelbehandlung unterziehen müssen. Mit versteinertem Gesicht, dem er ab und zu ein angestrengtes Lächeln abringt, steht das schwedische Model in der Halle des Offenbacher Tennisclubs (OTC) und zupft am Revers seines Abendanzugs, während sich zwei Mitglieder des ersten Damenteams an seinen Oberarmen festhalten und ihm imaginäre Küsse auf die angespannten Wangen drücken.

          Die anderen fünf Mädchen, alle im Alter zwischen 14 und Anfang 20, positionieren derweil ihre Tennisschläger in James-Bond-Manier vor schwarzen Minikleidern und versuchen, nicht über ihre hohen Absätze zu stolpern. „Näher ran, Larissa“, schallt es aus der Gruppe von Fotografen und Kameraleuten, die die Szene umringt. Und: „Schieb’ doch dein Kleid noch ein bisschen hoch, damit man dein Bein besser sehen kann. Ja, so ist super.“

          Von New York nach Offenbach

          Der Mann, der diese Regieanweisungen gibt, heißt Frank Kuhlmann und ist nicht nur zuständiges Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit beim OTC, sondern auch Schenkenbergs Manager und damit die Offenbach-Connection des Schweden. Der Fototermin war seine Idee: Kuhlmann ist ein professioneller Vermarkter. Wie es dazu kam, erzählt er bereitwillig. „Der Marcus“ lebe eigentlich in New York, komme aber zwei-, dreimal im Jahr geschäftlich zu ihm nach Offenbach.

          Beim Essen auf der Terrasse des Klubrestaurants während eines solchen Besuchs habe man gemeinsam „den Mädels“ beim Training zugesehen. „Der Marcus hat ein Auge auf sie geworfen, die sind ja alle sehr attraktiv“ - woraufhin er, Kuhlmann, ihm von den Ambitionen der „Mädels“ erzählt habe: Das Damenteam will in die Hessenliga aufsteigen. Um das zu schaffen, müssten künftig aber regelmäßig sechs statt bisher vier Spielerinnen bei den Spielen antreten; dafür habe bisher das Geld gefehlt. Nun zeigt sich „der Marcus“ spendabel - die Summe will Kuhlmann nicht nennen, aber es geht um Reisekosten und Tennis-Outfits. Insgesamt werde wohl ein „niedriger fünfstelliger Betrag“ zusammenkommen.

          Professionelle Vermarktung

          Schenkenbergs finanzielles Engagement will Kuhlmann offenbar möglichst öffentlichkeitswirksam präsentieren, und sein Vorhaben scheint aufzugehen. Auf den Tenniskleidern der Mädchen, in denen sie sich sichtlich wohler fühlen als im kleinen Schwarzen, prangt das Marcus- Schenkenberg-Logo, das auch Parfüm, Gesichtscremes und Fitnessvideos für Männer ziert. Für die Bilderstrecke mit Sponsor und Tennis-Bondgirls hat Kuhlmann einen Exklusivvertrag mit der „Bild“-Zeitung vereinbart, auch mehrere Fernsehsender sind zum Termin gekommen. Sie seien „stolz und aufgeregt“, sagen die Mädchen in die Mikrofone und spielen, nachdem der Fototermin vorbei ist, geduldig Ball um Ball übers Netz, damit Schenkenberg für die Kameras ein sauberer Schlag gelingt.

          Das klappt auch irgendwann, doch sein Wurzelbehandlungsgesicht wird das schwedische Model, vor Jahren zum schönsten Mann der Welt gewählt, auch dabei nicht los. „Die Mädchen sehen super aus“, sagt er auf die Frage nach seinen Motiven, das Team zu unterstützen. Vielleicht könne er ja bei den Heimspielen die Gegner ablenken. „Und sie spielen gut. Ist ja auch wichtig.“ Man kann den OTC-Damen nur wünschen, dass es klappt mit dem Aufstieg und es das Bild im Tennis-Dress ist, das bleibt.

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