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Oldenburgs Mladen Drijencic : Vom Flüchtling zum Basketball-Erfolgstrainer

Erfolgreich und glücklich in Oldenburg: Trainer Mladen Drijencic (links, daneben Spieler Rickey Paulding) Bild: dpa

Seit Mladen Drijencic Trainer der Oldenburger Basketballer ist, sind sie ziemlich erfolgreich. Und er hat noch einiges vor. Bei der Einschätzung der Lage seiner Sportart widerspricht Drijencic gar dem Bundestrainer.

          Mladen Drijencic ist mit Basketball aufgewachsen. Bis er vor 25 Jahren vor dem Krieg aus seinem Heimatort Vareš in der Nähe von Sarajevo flüchten musste, war der Sport für ihn ein Hobby. In Krefeld dann ermöglichte das Spiel ihm, Fuß zu fassen und eine neue Heimat zu finden. „In den ersten vier Jahren im Amateurbereich von Uerdingen habe ich die deutsche Sprache gelernt, die deutsche Kultur und ich habe Leute kennengelernt, die Basketball verbindet. Darauf habe ich meine Existenz aufgebaut“, sagt er. „Der Sport ist ein großer Teil unseres Familienlebens.“ Im Basketball fand er, der in Bosnien-Hercegovina begonnen hatte, Maschinenbau zu studieren, seine erste Festanstellung; sie verschaffte ihm die Aufenthaltserlaubnis. Seit März 2015 ist Drijencic Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft von Oldenburg, gewann in seiner ersten Saison den Pokal, erreichte 2017 das Meisterschafts-Finale und gewann in dieser Spielzeit 28 von 34 Spielen der Punktrunde; im Viertelfinale besiegte sein Team Bonn.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Kein Trainer der Bundesliga geht beim Spiel seiner Mannschaft so mit wie der 54 Jahre alte Drijencic. Sohn Robert, 23 Jahre alt, spielt in der Pro B, der dritten Liga, und hilft bei den Profis aus. Zuletzt haben die beiden mit ihren EWE Baskets Oldenburg das Halbfinale der Play-offs um die deutsche Meisterschaft erreicht und beginnen die Serie gegen Alba Berlin mit einem Heimspiel an diesem Sonntag (15.00 Uhr bei Magenta Sport).

          Obwohl er lange Jugendtrainer war und die Basketball-Akademie Oldenburg leitete, spielt Drijencic mit einer kleinen, von Erfahrung geprägten Mannschaft. Rickey Paulding, eine Legende der Bundesliga, ist mit 36 Jahren der Senior des Teams; er spielt seit zwölf Jahren in Oldenburg. Als wertvollster Spieler der Liga hat sich der Anfang der Saison vom Eurocup-Sieger Darüssafaka Istanbul geholte Will Cummings etabliert, 27 Jahre alt und mit im Schnitt mehr als zwanzig Punkten pro Spiel erfolgreichster Werfer der BBL. Karsten Tadda, Philipp Schwethelm und Vojdan Stojanovski, Stützen des Teams, sind in ihren Dreißigern.

          Wo bleiben die Jungen? „Ich sage nicht, dass wir keine guten Basketballer haben. Ich sage nicht, dass wir in den Jugendprogrammen nicht gut arbeiten“, erwidert Drijencic. „Aber ich sage immer wieder: Die jungen Leute müssen in der Übergangsphase mehr Härte und mehr Ausdauer und mehr Hunger zeigen, um dort hinzukommen, wo sie hin wollen.“ Das Wort des Bundestrainers von der goldenen Generation überzeugt ihn nicht. Eben weil es vielen jungen Spielern, und da zitiert er Dirk Nowitzki als Kronzeugen, weniger ums Gewinnen gehe als vielmehr darum, auf Instagram und Twitter gut auszusehen, Followers zu haben und Klicks zu bekommen, gebe es ein Problem im Basketball: „Deshalb hat Henrik Rödl in einem Land von 80 Millionen nicht aus fünfzig Spielern die besten auszuwählen, sondern nur aus zwanzig.“

          In seinen vier Jahren in der ersten Klasse hat sich Drijencic als Trainer etabliert. Doch aufs Karussell, das ihn durch Europa führt, wollte er nicht aufsteigen. „Ich habe keinen Agenten, und ich habe keine Angebote. Vor allem habe ich ein glückliches Umfeld hier in Oldenburg“, sagte er während der Saison. „Hier entwickelt sich was, und es macht Spaß. Ich bin ein ganz anderer Trainer geworden.“ Klubchef Hermann Schüller sieht das offenbar ähnlich. Er verlängerte den Vertrag mit Drijencic vor den Play-offs bis 2021.

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          Drijencic hatte die undankbare Aufgabe, eine Mannschaft zu beschäftigen, der das internationale Geschäft weggebrochen war. Das Team sollte in der Champions League antreten, dafür war es zusammengestellt. Deshalb auch hatte der Klub seine Teilnahme am Eurocup abgesagt. Da beschloss Brose Bamberg, verärgert über die Euroleague, sich der konkurrierenden Champions League zu verpflichten. Oldenburg war raus. Auf die Teilnahme an der viertklassigen Europe League verzichtete der Klub.

          Ohne Reise- und Terminstress, auch ohne Verletzungen, konnten die Oldenburger am Zusammenhalt des Teams und individuellen Stärken arbeiten. Will Cummings habe seine Trefferquote im Vergleich zu seinen beiden vergangenen Spielzeiten bei Zwei-Punkte-Würfen und Dreiern um zehn Prozent verbessert, sagt Drijencic: „Er nutzt seine Zeit sehr vernünftig. Ich glaube, dies ist der Grund dafür, dass er mit uns eine so erfolgreiche Saison spielt.“

          Doch noch einmal wollen Coach und Spieler nicht auf die internationale Bühne verzichten. „Es war die ungeregelte Situation in den Verbänden, die uns die Möglichkeit dazu weggenommen hat“, schimpft Drijencic. Verband und Liga schafften es nicht, sich auf einen vernünftigen Rahmenterminplan zu einigen. „Das ist schade für den Basketball. Spieler und Klubs wollen sich im besten Anzug präsentieren. Aber der enge Terminplan verhindert das. Auch den Fans wird nicht immer das beste Produkt angeboten. Die Entscheidungsträger arbeiten, das muss man so sagen, gegen sich selbst.“

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