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Mit Prothesen auf den Everest : „An den Füßen bekomme ich keine Frostbeulen“

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Viele Himalaja-Kenner beklagen sich über die Kommerzialisierung der Everest-Expeditionen.
Nicht die Kommerzialisierung ist das Problem, sondern die Unprofessionalität mancher Teams. Ich habe 50 000 Dollar bezahlt, denn ich wollte zwei Sherpas bei mir haben und sicher sein. Andere zahlen nur 8000 Dollar bis zum Basislager und versuchen es dann im Alleingang. Das ist unverantwortlich, denn andere riskieren ihr Leben, wenn diese Leute Probleme bekommen. Daher bin ich auch wütend auf David Sharp, so leid es mir um ihn tut.

Er stieg sogar ohne Sauerstoffflaschen hoch . . .
. . . und das haben bisher nur 80 oder 100 Menschen geschafft.

Die Todesrate am Everest liegt bei einem Opfer pro 14 Gipfelbesteigungen. Sind da touristische Ausflüge nicht makaber?
Beim Everest ist man ganz auf seine eigenen Kräfte angewiesen. Es ist die ultimative Herausforderung. Das hat sich seit Edmund Hillarys Erstaufstieg 1953 nicht geändert. Die Stiefel sind besser und die Sauerstoffflaschen leichter, das ist alles. Der einzige Unterschied ist, dass dort oben mehr Leute sind.

Etwa 600 Menschen warten zur Zeit im Hochlager Advanced Basecamp auf den Gipfelsturm. Zu viele?
Sicher. Viele von ihnen sollten dort nicht sein, denn sie sind nicht von Natur aus Bergsteiger, wie ich das mein Leben lang war, sondern haben einzig den Everest als Ziel. Aber wer kann ihnen den Aufstieg verbieten? So einen Berg kann man nicht absperren. Die Leute finden einen Weg, dort hochzukommen. Anarchie ist die Natur des Bergsteigens.

Sie haben sich in Ihrer Heimat Neuseeland als Prominenter vermarktet. Sie haben sich im Himalaja filmen lassen und auch im Jahr 2002, als sie schließlich doch noch auf den Gipfel des Mount Cook gelangten. Dass sie den Weg nach unten im Hubschrauber zurücklegten, nehmen Ihnen viele Bergsteiger übel.
Das war ein großer Fehler. Aber wir hatten schon einiges an Strecke zurückgelegt, als man uns anbot mitzufliegen. So viele Hubschrauber am Berg - das stieß einigen übel auf.

Haben Sie aus den missglückten Medienspektakeln nichts gelernt?
Das nächste Mal werde ich selber Regie führen! Ich hasse es, nicht die Kontrolle über alles zu haben.

Warum kehren Sie jetzt in den Himalaja zurück?
Weil ich dort amputierten Nepalesen mit Prothesen und Spenden helfe und mich mit Hilfe einer Stiftung um die Entwicklung eines unbemannten Rettungshubschraubers kümmere, der in diesem Jahr zum ersten Mal fliegen soll. Er ist wesentlich leichter als herkömmliche Hubschrauber und kann daher in Höhen von 8000 Meter hinauf. Damit sollte sich die Zahl der Toten auf dem Everest verringern lassen.

Warum opfert man eigentlich für einen Abenteuersport seine Beine?
Ich habe mir nicht ausgesucht, sie zu verlieren. Es war ein Unfall. Ich hätte sie gerne zurück. Aber da sie nicht nachwachsen, habe ich das Beste daraus gemacht. Zwischen einer Hand mit intakten Fingern und einer, der vier halbe Finger fehlen, liegen ganze zwei Monate. So schnell gewöhnt man sich daran - auch wenn mir noch immer die Olivenölflasche aus der Hand rutscht. Klavierspielen werde ich wohl nicht mehr lernen.

Gibt es sonst etwas, was Sie noch nicht können?
Schwimmen. Ich hatte immer Angst vor dem Wasser.

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