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Tischtennis-WM : Odenwälder Harmonie um Superstar Timo Boll

Schon mal üben für Olympia: Patrick Franziska (hinten) und Timo Boll passen gut zusammen. Bild: EPA

Die Freunde Timo Boll und Patrick Franziska visieren bei der Tischtennis-Weltmeisterschaft im Doppel eine Medaille an. Für den deutschen Superstar wäre das ein weiterer Meilenstein. Der Auftakt verläuft allerdings mühsamer als gewünscht.

  • -Aktualisiert am

          Patrick Franziska kennt die Szenen, die am 8. April noch mal überall in der Tischtennisszene präsent waren. Zum 30. Mal jährte sich der Gewinn des WM-Titels im Doppel durch Jörg Roßkopf und Steffen Fetzner. Jener Roßkopf, der damals, 1989 in Dortmund, mit einem Vorhand-Topspin die Linie entlang den Matchball im Finale verwandelte, ist heute Franziskas Trainer. „Die Bilder habe ich auch vorher schon öfter gesehen. Und natürlich hat Rossi schon manchmal davon erzählt“, sagt der 26-Jährige Franziska.

          Es war der erste Weltmeistertitel für Deutschlands Tischtennis-Herren – und es ist bis heute der einzige. Bei der Individual-WM in Budapest, die am Sonntag begonnen hat, nehmen die Schützlinge von Bundestrainer Jörg Roßkopf einen neuen Anlauf. Einzel-Gold scheint außer Reichweite, im Doppel aber besteht zumindest eine realistische Medaillenchance. Weil diesmal zwei Deutsche ein Duo bilden, die als exzellente Doppelspieler gelten, bislang aber nur sehr selten zusammengespielt haben: Patrick Franziska und Timo Boll. Eine Kombination, die auch für den Bundestrainer zum „engeren Favoritenkreis“ gehört, beiden attestiert er, zu den besten Doppelspielern der Welt zu gehören.

          Kein weiteres deutsch-chinesisches Doppel

          „Ich freue mich total darauf“, sagte der jüngere der beiden gut befreundeten Odenwälder schon vor dem 4:2-Sieg in der ersten Runde gegen nigerianische Doppel Quadri Aruna/Olajide Omotayo, „vom Titel zu sprechen wäre vielleicht zu hoch gegriffen – eine Medaille würde ich auf jeden Fall auch nehmen“, so Franziska. Tatsächlich offenbarte das Auftaktspiel gewisse Mängel, die Deutschen mussten sich nach einem 1:2-Satzrückstand steigern. Am Nachmittag steht ab 17.25 Uhr die Begegnung gegen die Ägypter Mohamed El-Beiali/Ahmed Saleh als nächste Gelegenheit zum Einspielen auf dem Programm.

          Der Nationalspieler Franziska trat bei der WM vor zwei Jahren noch mit dem Dänen Jonathan Groth an, mit dem er 2016 auch Europameister geworden ist. Boll hatte währenddessen wie schon 2015 versucht, sich an der Seite des chinesischen Olympiasiegers Ma Long den Traum von WM-Gold zu erfüllen. Beide Male scheiterte das deutsch-chinesische Duo frühzeitig. Dass es einen dritten Versuch geben würde, stand nicht zur Debatte – in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, wo das Doppel eine wichtige Rolle im Mannschaftswettbewerb spielt, möchte der Bundestrainer dem Duo Boll/Franziska Wettkampfpraxis vermitteln. „Für Timo ist es mit Patrick vielleicht sogar einfacher als mit Ma Long“, glaubt Roßkopf. „Damals gab es viel Rummel, aber wenig Vorbereitung. Und am Ende war Ma Long dann auch noch ziemlich nervös.“

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          Weil Boll sich in den vergangenen Jahren auch häufig ganz aufs Einzel konzentrierte, waren gemeinsame Auftritte mit Franziska selten. Die Bilanz aber spricht für sich. 2013 und 2015 gewann das hessische Duo die German Open, beim dritten gemeinsamen Turnier, den Qatar Open im März dieses Jahres, wurden sie erst im Endspiel gestoppt. „Wir harmonieren einfach unglaublich – abseits von und an der Platte. Das macht es aus“, schwärmte Franziska hernach. Auch Boll weiß um die große Chance, die sich an der Seite seines Freundes im fortgeschrittenen Alter von 28 Jahren bieten könnte, dämpft aber die Erwartungen. Eine Medaille sei „vielleicht möglich, wenn wir beide gut spielen. Aber dazu muss alles passen.“ Für den deutschen Superstar, der wie siet nun fast zwei Jahrzehnten seinen Platz in der Weltspitze behauptet, eröffnen sich damit zudem noch einmal neue olympische Perspektiven für 2020 im tischtennisverrückten Japan.

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