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Die Fecht-Misere : Stichtag Valentinstag

  • -Aktualisiert am

Treffer, versenkt: Es sieht so aus, als würde Olympia 2016 ohne deutsche Fecht-Teams über die Bühne gehen Bild: dpa

Für die Florett-Herren fiel Aschermittwoch auf Karnevals-Sonntag. Die Degen-Kollegen hegen noch eine kleine Olympia-Chance. Der allgemeine Niedergang der Fechter kommt nicht überraschend.

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          Am Aschermittwoch ist angeblich alles vorbei. Also heute. Doch eigentlich war am Karnevalssonntag schon Schluss - zumindest für die deutschen Florettfechter. Beim „Löwen von Bonn“, dem Traditionsturnier im Rheinischen, waren die Männer um den viermaligen Einzel-Weltmeister Peter Joppich so früh von der Planche gestoßen worden, dass nur noch ein Kater im einst so ruhmreichen Florettlager zurückblieb. 2012 hatten sie noch Olympia-Bronze gewonnen, 2016 in Rio sind sie nicht mal mehr teilnahmeberechtigt.

          Auch die deutschen Degen-Damen um Olympiasiegerin Britta Heidemann und die Kolleginnen mit dem Säbel sind längst vom gemeinsamen Weg nach Rio abgekommen. Säbel-Herren und Florett-Damen waren von vorneherein ausgeschlossen, da mit diesen Waffen diesmal keine Teamwettbewerbe auf dem Programm stehen. Bleiben die Degen-Herren, die zumindest bis zum Valentinstag noch vage Hoffnungen hegen dürfen.

          Peter Joppich: Der viermalige Weltmeister kann den gemeinsamen Abstieg der Florett-Fechter nicht aufhalten - nur als Solist darf er nach Rio

          Am Sonntag entscheidet sich in Vancouver, ob wenigstens ein deutsches Team nach Rio reisen darf – oder nur ein versprengtes Grüppchen aus vier, fünf Einzelkämpfern. Die Chancen sind allerdings gering. Denn die Degen-Truppe müsste beim Grand Prix in Kanada nicht nur ordentlich punkten, sondern zudem darauf hoffen, dass die konkurrierenden Equipen aus Ungarn und Tschechien deutlich hinter ihnen bleiben.

          Je acht Nationen sind bei Olympia in den Teamwettbewerben startberechtigt. Deren Fechter dürfen dann auch im Einzel starten, für das sich acht weitere Solisten mühsamer qualifizieren müssen. Der Modus bevorzugt eindeutig die großen Fecht-Nationen. Doch während Franzosen, Italiener und Russen praktisch alle verfügbaren Plätze ausschöpfen, ziehen die Deutschen keinen Nutzen daraus.

          Die Misere ist nicht ganz neu

          Während die Italiener in jeder Waffengattung so viele Sportförderplätze bei Polizei und Militär bereithalten wie die Deutschen insgesamt, während im Land der Musketiere die vierfache Zahl ambitionierter Fechter von gut ausgebildeten Trainern professionell trainiert wird, während die Russen ihre Kaderathleten an 250 Tagen im Jahr zentralisieren, kämpfen die deutschen Spitzenkräfte jeder für sich mit dem schwierigen Spagat aus Hochleistungssport und Berufsausbildung. Dazu kämpft der Deutsche Fechter-Bund als Organisation mit sich selbst und der Kleinstaaterei im Land.

          Trotz Olympiasiegerin Britta Heidemann: Die Degen-Damen schaffen es nicht als Team nach Rio

          Es fehlt an hauptamtlichem Personal ebenso wie an qualifizierter Führung im Ehrenamt. Anfang des Jahres trat Präsident Lothar Blase zurück, weil er seine Ziele nicht verwirklichen konnte. Zuvor hatte bereits Vizepräsident Luitwin Ress sein Amt aufgegeben. Der neue Präsident Dieter Lammer will nun alle Strukturen prüfen, damit die deutschen Fechter langfristig wieder schlagkräftig auftreten können. Von Olympia 2024 als Ziel ist die Rede.

          Die jüngsten Resultate sprechen für sich: 23 von 42 Medaillen teilten sich die drei großen Fechtnationen bei der WM 2014, sogar 25 waren es bei der EM 2015, immer noch 17 bei der WM 2015. Dagegen waren die Deutschen mit jeweils zwei bis drei Plaketten glücklich, denn sie kämpften mit anderen Startbedingungen. „Wir haben uns zu lange von unseren Topathleten ernährt“, stellte Florett-Bundestrainer Ulrich Schreck jüngst ernüchtert fest. Die Misere ist aber nicht ganz neu. Er selbst war noch am letzten Team-Olympiasieg als Aktiver beteiligt, das war in Barcelona – 1992.

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