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Mickelson gegen Woods : Duell in der Wüste

  • -Aktualisiert am

Konzept mit Haken: Phil Mickelson und Tiger Woods Bild: AFP

Golf-Profi Phil Mickelson kann eine Leidenschaft fürs Zocken nicht leugnen. Nun tritt er gegen Tiger Woods in einem Schaukampf an. Es geht um neun Millionen Dollar oder nichts.

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          Es muss ein besonderer Kitzel sein, wenn man sich – sollte man ein paar Millionen Dollar übrig haben – in die schattigen Zonen des amerikanischen Geschäftslebens begibt und auf ein paar gewinnversprechende Spielchen einlässt. Nicht nur, weil man riskiert, das Geld wie im Casino im Handumdrehen zu verlieren. In diesem Fall geht es um einen der bekanntesten und erfolgreichsten Golfprofis der Welt.

          Um Phil Mickelson, der in den vergangenen Jahren mit Beziehungen zu zwielichtigen Figuren mehrfach für Schlagzeilen sorgte. Beim ersten Mal wurde der 48-Jährige, der in seiner langen Karriere durch den Gewinn von Preisgeldern und durch lukrative Werbeverträge ein Vermögen von mehr als 300 Millionen Dollar angehäuft hat, mit dem Betreiber illegaler Wettgeschäfte in Verbindung gebracht, der zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Beim zweiten Mal tauchte sein Name in den Akten eines Mannes auf, dem die Ermittler verbotenen Insiderhandel auf dem Aktienmarkt vorgeworfen hatten.

          Obwohl Mickelson, ein Golfer mit dem Gespür eines regelrechten Jongleurs, aber auch mit der Tendenz, lange Bälle links und rechts in die Botanik zu schlagen, am Rand von Golf-Turnieren keinem Mikrofon ausweicht, hat er bis heute nicht erklärt, wie er in dieses Milieu hineingeraten konnte. Im Frühjahr 2017 hatte er in einem Insiderhandel-Prozess in New York die Aussage verweigert, um sich nicht selbst zu belasten. Strafrechtliche Konsequenzen für ihn hatte dies nicht.

          Leidenschaft fürs Zocken

          Seine Leidenschaft fürs Zocken allerdings scheint ungebrochen. Vor ein paar Tagen brachte er mit einem Einsatz von 100.000 Dollar Tiger Woods dazu, auf eine Wette einzugehen, dass ihm am Freitag beim prestigeträchtigen Schaukampf der beiden auf dem Shadow-Creek-Golfplatz außerhalb der Spielermetropole Las Vegas – genannt „The Match“ – gleich am ersten Loch ein Birdie gelingt. Die Platzvorgabe für den auf rund 360 Meter kunstvoll in den Wüstensand ausgerollten Rasenteppich liegt bei vier Schlägen. Mickelson ist sicher: Er braucht nur drei.

          Oft genug musste Phil Mickelson (r.) Tiger Woods den Vortritt lassen.
          Oft genug musste Phil Mickelson (r.) Tiger Woods den Vortritt lassen. : Bild: Reuters

          Provokative Herausforderungen wie diese verfolgen übrigens nur einen Zweck: Sie sollen die Neugier auf ein Duell anheizen, für das sich sonst womöglich kaum jemand interessieren würde. Denn obwohl das ausgehandelte Wettbewerbsformat für Spannung sorgt, denn der Sieger erhält das gesamte Preisgeld von neun Million Dollar, und der Verlierer geht leer aus, hat das Konzept einen großen Haken. Um es zu finanzieren, müssen Millionen am Freitagnachmittag bereit sein, eine Pay-per-View-Gebühr von 19,99 Dollar zu bezahlen.

          Golf-Wettbewerbe ohne sportlichen Wert während der kälteren Jahreszeit hat es schon oft gegeben. In der Zeit der Rivalität zwischen den beiden Amerikanern Jack Nicklaus, Arnold Palmer und dem Südafrikaner Gary Player dienten solche Ansetzungen hauptsächlich dazu, neue Plätze in warmen Regionen Nordamerikas zu promoten. Fürs Fernsehen ließ sich mit dem Trio in solchen Kulissen eine joviale, humorige Stimmung inszenieren, zumal keiner der drei den Ausflug wirklich ernst nahm.

          Auch der junge Tiger Woods ließ sich mehrfach auf reine Schaukämpfe ein. „Battle of Bighorn“ – eine Serie, die über mehrere Jahre lief, brachte solche Konstellationen zustande wie das gemischte Doppel mit ihm und der Schwedin Annika Sörenstam gegen seinen Landsmann David Duval und die Australierin Karrie Webb. Austragungsort war ein Platz in Kalifornien. Als Termin wählte man den späten Montagnachmittag aus, wodurch man Interessierten im Osten der Vereinigten Staaten aufgrund des Zeitunterschieds von drei Stunden ein gemütliches Abendprogramm servieren konnte.

          Seit zehn Jahren hat es allerdings den Anschein, dass die Anziehungskraft des skandalgebeutelten Golfers nachgelassen hat. Zudem musste Woods, inzwischen 42 Jahre alt, immer wieder wegen gesundheitlicher Probleme pausieren. Und sein Spiel wirkte zwischendurch nur noch selten so gut wie einst. Seine Rückkehr im Jahr 2018 demonstrierte der Golf-Branche allerdings abseits einer sehr respektablen sportlichen Bilanz von Woods mit dem Gewinn der Tour Championship im September und dem Aufstieg auf Platz 13 der Weltrangliste vor allem eines: Sobald Woods bei einem Turnier vorne mitspielt, steigen die Einschaltquoten.

          Der Linkshänder Mickelson, Spitzname „Lefty“, auf der anderen Seite ist seit Jahren absoluter Publikumsliebling. Und das nicht nur wegen seiner respektablen Erfolge, sondern auch wegen seiner sympathischen Art, schwere Niederlagen wegzustecken. Was häufig der Fall war. Zwar ging er bei fünf Major-Turnieren als Sieger vom Platz, erlebte aber gleichzeitig insgesamt elfmal, was es heißt, kurz vor dem Ziel noch abgefangen zu werden. So steht er bei den US Open mit erstaunlichen sechs zweiten Plätzen zu Buche. Gewonnen hat er den Prestige-Wettbewerb noch nie.

          Oft genug musste Mickelson Tiger Woods den Vortritt lassen, was die persönliche Beziehung der beiden geprägt hat. Man respektiert sich, aber weiter geht die Zuneigung nicht. Sie als zwei Duellanten auf einen Platz zu schicken, wirkt denn auch wie eine Inszenierung mit mäßigem Unterhaltungswert. Anders als im Profiboxen, wo das Pay-per-View-Konzept für Kampfveranstaltungen mit Mega-Gagen gesorgt hat, wurde dieses Finanzierungsmodell im Golf noch nie ausprobiert. Weshalb David Levy, der Sportchef des übertragenden Senders, sich bedeckt hält, was die monetären Möglichkeiten angeht: „Bei so etwas vorab Schätzungen anzustellen ist so gut wie unmöglich.“ Mit anderen Worten: Das ganze Projekt hat für alle Beteiligten einen ähnlichen Reiz wie für den Freizeit-Zocker Mickelson. Nur so viel ist klar: Findet sich genug zahlende Kundschaft, will man solche Schaukämpfe auch im nächsten Jahr austragen.

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