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Michael van Gerwen : Allein gegen das Darts-Empire

Der Letzte vom Kontinent: Michael van Gerwen konkuriert mit drei Briten um die Krone des Darts. Bild: dpa

Darts wird im Streben um Erschließung neuer Märkte immer internationaler: Dennoch ist einmal mehr ein einsamer Niederländer der letzte Spieler, der sich der britischen Übermacht entgegenstellt.

          4 Min.

          Ein guter Pokerspieler ist Michael van Gerwen vermutlich nicht. Der Niederländer hat bei all seiner Klasse am Dartboard nämlich so manche Schwäche in der Körpersprache. Ihm ist erstaunlich deutlich anzusehen, wenn er mit seinem Spiel mit den drei Pfeilen unzufrieden ist. Zunächst bückt sich der Niederländer dann meist und ruckelt seine Socken zurecht. Und wenn die Darts auch nach diesem Ritual nicht wieder beständig in die Dreifach-20 oder das zum Beenden eines Spiels nötige Doppelfeld fliegen, dann zeigt der 29 Jahre alte und seit einem halben Jahrzehnt in der Geldrangliste des Profi-Dartsspielerverbands PDC Führende sein Zitronengesicht, bei dem er seine Gesichtsmuskulatur ähnlich prägnant verzieht wie beim Jubel über eine 180, aber eben eindeutig so, dass sich Unzufriedenheit erkennen lässt.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Samstagabend strapazierte van Gerwen seine Muskeln rund um Stirn, Nase und Mund nun abermals, obgleich der Niederländer nahezu ohne Schwierigkeiten nach einem klaren 5:1-Satzerfolg gegen Ryan Joyce ins Halbfinale der Weltmeisterschaft eingezogen ist. Van Gerwen mokierte sich über seinen Leistungsabfall in einem Spiel, in dem er anfangs die Pfeile mit fast traumwandlerischer Sicherheit in die Ziele steuerte. Nach den ersten beiden Sätzen hatte van Gerwen einen Durchschnitt von nahezu 110 Punkten für je drei Würfen, was bei einem theoretischen, aber praktisch nicht erreichbaren Maximalwert von 167 einer Quote von gut 70 Prozent beim Zielen aufs jeweils gewünschte und nur 0,8 Zentimeter hohe und rund vier Zentimeter breite Feld entspricht. Nach der 2:0-Satzführung aber ließ van Gerwen nach.

          Wenngleich seine spielerische Klasse dennoch locker ausreichte, um das Spiel im Griff zu behalten, so lag er am Ende nur noch bei 101,12 Durchschnittspunkten und somit unter den Werten anderer Halbfinalisten wie Michael Smith oder Gary Anderson, seinem Gegner im Halbfinale am Sonntagabend (live ab 20:30 Uhr in Sport1 und DAZN).

          Van Gerwens Gegner im Halbfinale: Gary Anderson Bilderstrecke
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          Die Konkurrenz registriert die in jüngster Zeit recht häufigen Falten der Zweifel van Gerwens genau und schöpft entsprechend Hoffnung. Der Schotte Anderson wird sich deshalb auch von den Rückenbeschwerden, die ihn seit Jahren immer mal wieder und während der laufenden WM beständig heimsuchen, nicht entmutigen lassen. Anderson ist im vorgezogenen Finale die Hoffnung des Empire, das Revier um das Dartboard herum abermals zu verteidigen. Denn obwohl der Darts-Vermarkter Barry Hearn seit vielen Jahren erfolgreich alles daransetzt, mit dem aus der Kneipe auf die großen Bühnen vorgedrungenen Sport neue Märkte zu erschließen, bleibt die Weltspitze eine britische Angelegenheit mit nur wenigen oranje Farbtupfern.

          Eine britische Angelegenheit

          Allein van Gerwen und dessen auf die Zielgerade seiner großartigen Spielerkarriere eingebogener niederländischer Landsmann Raymond van Barneveld haben in den vergangenen Jahren den Gegnern aus dem Mutterland des Darts und vor allem dem mittlerweile abgetretenen Rekordweltmeister Phil Taylor konstant die Stirn geboten und große Turniersiege „geklaut“. Die beiden sind neben dem 2003 erfolgreichen  Kanadier John Part und dem Australier Tony David die einzigen Weltmeister in vier Jahrzehnten und bei fast 70 Turnieren der beiden Verbände BDO und PDC, die nicht von der Insel stammen.

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