https://www.faz.net/-gtl-8fqln

Sieg beim Grand National : Millionenpreis für Billigflieger

  • -Aktualisiert am

Tückische Hürden: Die Tannenzweige fliegen locker davon, doch darunter verbirgt sich eine feste Holzhecke. Die späteren Sieger, Jockey David Mullins und sein Wallach Rule the World, wären am 27. Sprung fast gestürzt. Bild: dpa

Michael O’Learys Wallach Rule The World gewinnt das Grand National und damit umgerechnet knapp 700.000 Euro. Wichtiger als das Geld ist aber etwas anderes.

          3 Min.

          Michael O’Leary ist ein Erfolgsmensch. Mit der Billigfluglinie Ryan Air bringt der 55-jährige Ire seit Mitte der neunziger Jahre die großen europäischen Luftfahrtgesellschaften ins Schwitzen. Aber auch in seiner Freizeit will er gewinnen. Der Fan von Manchester City, der seine neuesten Flugideen gerne mal im Vereinstrikot präsentiert, frönt einem Hobby, das sehr kostspielig sein kann. Zumindest, wenn man es wie O’Leary in größerem Stil pflegt. Er besitzt Rennpferde, die unter dem Namen seiner Farm in Gigginstown House im irischen County Westmeath laufen.

          Seine Liebe gilt dem Hindernissport; über das Hafergeld muss er sich in jüngster Zeit aber wahrlich keine Gedanken machen. Denn innerhalb weniger Wochen haben seine Pferde einige der größten Rennen in England und Irland gewonnen: Mitte März den Cheltenham Gold Cup mit dem in Deutschland gezüchteten Don Cossack, dann das Irish Grand National mit Rogue Angel und am Samstag nun die Krönung durch den neunjährigen Wallach Rule The World: Das Grand National im englischen Aintree, das berühmteste Hindernisrennen der Welt. „Ich werde jetzt aufhören“, jubilierte O’Leary. „Ein Gold Cup und zwei Grand Nationals innerhalb einer Saison – das geht nicht mehr besser.“

          Berüchtigt schwieriges Rennen

          Der Cheltenham Gold Cup ist aus sportlicher Sicht das wertvollste Rennen, denn hier tragen alle Starter das gleiche Gewicht. Das Grand National hingegen ist ein Handicap, so dass die Pferde je nach Vorleistung unterschiedlich viele Kilos über die Hindernisse schleppen müssen. Das ist der Grund, weshalb es seit 1974 und dem legendären Red Rum kein Pferd mehr geschafft hat, das Rennen zweimal nacheinander zu gewinnen. Auch in diesem Jahr scheiterte Vorjahressieger Many Clouds am Höchstgewicht und dem weichen Geläuf. Er führte zwar eine Zeit- lang, doch am Ende landete er abgeschlagen auf dem 16. Platz. Er erreichte als letzter der insgesamt 39 Starter das Ziel. Viele stürzten, einige wurden angehalten. Die gute Nachricht aber lautete, dass es offenbar weder für Ross noch Reiter ernsthafte Verletzungen gegeben hat.

          Das Grand National ist mit einer Million Pfund Preisgeld dotiert – umgerechnet 700.000 Euro gewinnt allein der Sieger. Aber wichtiger noch ist das Prestige. „Es gibt kein grandioseres Gefühl, als im Grand National zu siegen“, sagt der ehemalige Championjockey Tony McCoy, der immerhin mehr als 4350 Rennen gewann und 2010 in Aintree triumphierte: „Millionen schauen zu- und für Jockeys gibt es keinen größeren Tag.“ Für die Wetter offenbar auch nicht: Allein in dem Rennen werden schätzungsweise 200 Millionen Euro gewettet – das Fünf- bis Sechsfache des Jahreswettumsatzes im gesamten deutschen Turf. Das Grand National ist aber auch berüchtigt schwierig: Es geht über die ungewöhnlich lange Distanz von 6900 Metern mit 30 schweren Sprüngen, um die sich viele Geschichten ranken. Sie tragen Namen wie Becher’s Brook – eine 1,50 Meter hohe Hecke, deren Landepunkt aber 2,40 Meter tiefer liegt als der Absprung – Canal’s Turn oder The Chair. Die Hindernisse sind mit losen Tannenzweigen abgedeckt, die von den Pferden beim Sprung leicht heruntergefegt werden. Doch im Kern bestehen sie aus einer festen Holzhecke, die kaum Fehler verzeiht.

          „Er hat sich zweimal das Becken gebrochen.“

          Doch ohne Fehler kommt kaum jemand über die zwei Runden. So auch nicht der Sieger, der beinahe am 27. Sprung zu Boden gegangen wäre. Doch der erst 19 Jahre alte Jockey David Mullins konnte sich im Sattel halten. Und der 33:1-Außenseiter Rule The World hatte auch nicht die Lust verloren. Ganz im Gegenteil – auf den letzten Metern legte er entscheidend zu und siegte am Ende mit sechs Längen vor dem Mitfavoriten The Last Samurai (8:1) und dem größten Außenseiter im Feld Vics Canvas (100:1). „Es ist ein seltsames Gefühl“, berichtete Jockey Mullins, eine Neffe des irischen Erfolgstrainers Willie Mullins, nach seinem ersten Ritt im Grand National. „Du kannst es eigentlich nicht glauben. Der Sieg gehört dem Trainer. Mouse ist ein Genie. Keiner kann wie er ein Pferd so punktgenau vorbereiten.“

          Es war in der Tat eine erstaunliche Trainingsleistung des 65-jährigen Iren Michael „Mouse“ Morris. Denn Rule The World hatte bei 13 Starts zuvor noch nie über Jagdhindernisse gewonnen. „Er hat sich zweimal das Becken gebrochen. Man kann sich gar nicht ausmalen, wie gut er wohl wäre, wenn er einen gesunden Hintern hätte“, sagte Morris, der selbst ein erfolgreicher Hindernisjockey war und seit 1981 trainiert. Für O’Leary gewann er 2006 den Cheltenham Gold Cup und kürzlich auch das Irish Grand National. Den Sieg im März widmete er seinem Sohn Christopher, der im vergangenen Jahr in Argentinien tödlich verunglückte.

          Weitere Themen

          Tipps für die Auswahl von E-Wallets Video-Seite öffnen

          Mobil Bezahlen : Tipps für die Auswahl von E-Wallets

          In E-Wallets kann man Geld speichern und damit mobil bezahlen. Besonders wichtig bei der Auswahl: die Sicherheitsstandards des Anbieters. Nutzer sollten aber auch auf bestimmte Funktionen und mögliche Gebühren achten.

          Topmeldungen

          Parteitag in Berlin : Die Wende der SPD

          Der Parteitag in Berlin ist ein historischer Bruch für die SPD. Sie verabschiedet sich endgültig von der „neoliberalen“ Schröder-Ära durch ein Programm für einen „neuen Sozialstaat“.

          Auch Montag Streiks in Frankreich : Rien ne va plus

          Frankreich steht still: Am Samstag fährt nur ein Bruchteil der Züge, Lkw-Fahrer legen gleich mehrere Autobahnen lahm. Und die Gewerkschaften kündigen weitere massive Proteste an – auch zum Beginn der neuen Woche.

          Klimademo in Madrid : 500.000 Demonstranten – oder 15.000?

          Eine halbe Million Menschen demonstrierten laut Greta Thunberg in Madrid für eine andere Klimapolitik. Die Polizei zählte allerdings deutlich weniger. Die Aufmerksamkeit der Weltpresse verzerrt das Bild.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.