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Michael Kraus : Der Handball-Luftikus

  • -Aktualisiert am

Handball-Model Kraus: „Ich fühle mich vor der Kamera einfach wohl” Bild:

Kraus: ein Allerweltsname. Im Handball aber ein Synonym für Dynamik. Kraus: der Mittelmann. Bei der EM soll dieser Name für deutschen Schwung stehen. Kraus: der Sonnyboy. Er sei ein lustiger Typ, müsse aber ernsthafter werden, findet Trainer Brand.

          Gelegentlich trägt Michael Kraus seine Haut zu Markte, er lässt dann sehr viel von sich sehen. Kraus posiert als Model, zum Beispiel für Unterwäsche. Er findet, dass dies eine „richtig gute Sache“ sei. „Ich fühle mich vor der Kamera einfach wohl“, sagt Kraus.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Natürlich ist das nur ein Nebenjob für den Mann, der im vergangenen Jahr als unbekümmerter Jüngling gefeierter Aufsteiger im deutschen Handball war. Kraus: ein Allerweltsname. Im Handball ist das aber ein Synonym für Dynamik, für Schnelligkeit. Kraus: In Norwegen, bei der Europameisterschaft, soll auch dieser Name wieder für deutschen Schwung stehen.

          Im All-Star-Team der Weltmeisterschaft

          Michael Kraus, 24 Jahre alt, wird zu den „Popstars“ unter den Handball-Weltmeistern gezählt, er ist - wie der Hamburger Pascal Hens mit seiner Irokesenfrisur - der Schwarm der jugendlichen Fans. Das hat mit dem Äußeren des ehemaligen „Bravo Boys“ zu tun, aber selbstredend auch mit der Frische, mit der er im Handball in der Regel ans Werk geht.

          Der Mittelmann mit Zug zum Tor

          Im Vorjahr, bei den rauschenden Handballfesten auf deutschem Boden, hatte Kraus für so viel Wirbel gesorgt, dass er schließlich sogar ins All-Star-Team der Weltmeisterschaft gewählt wurde. Wie Henning Fritz, der „Hexer“ im Tor. Heiner Brand, der Bundestrainer, sah das jedoch mit einer gewissen Skepsis: Er wähnte Kraus, bei allem Respekt vor dessen Leistungen, noch nicht reif für eine solche Ehre.

          Zentrale Rolle im deutschen Spiel

          Kraus, der Mittelmann: Er nimmt im deutschen Spiel eine zentrale Rolle ein - er interpretiert sie jedoch anders als Markus Baur, der 36 Jahre alte Stratege. Kraus, der 2007 von Frischauf Göppingen nach Lemgo wechselte, baut im Hochgeschwindigkeitssport Handball vor allem auf seine Athletik, Baur in erster Linie auf seine Erfahrung - und die Fähigkeit, die Mannschaft im Fall des Falles mit ruhiger Hand zu führen. „Das muss ich noch lernen“, sagt Kraus.

          Baur wird ihm dabei, da er künftig als Trainer des TBV Lemgo fungieren wird, gute Dienste erweisen können. Kraus profitiert natürlich jetzt schon von den Tipps des gewieften Taktikers Baur. Kraus sagt, dass er ihn häufig zur Seite nehme. Baur erläutert seinem jungen Kompagnon dann seine Vorstellungen, und Kraus betont: „Ich begrüße das sehr.“

          „Insgesamt ein lustiger Typ“

          Michael Kraus, der Luftikus: Das ist die andere Seite des aufstrebenden Handballspielers, der offensichtlich auch Brand manchmal noch nicht verlässlich genug ist und bisweilen, wie es heißt, auch Termine verschwitze. Kraus, sagt der Handball-Lehrer aus Gummersbach, sei „insgesamt ein lustiger Typ“. Er schätzt das einerseits, keine Frage, aber der Sportpädagoge Brand würde sich auch wünschen, dass Kraus sich mit manchen Dingen ernsthafter auseinandersetzte. „Er macht sich nicht immer über alles Gedanken.“ Immerhin gelobt Kraus nun Besserung, er will dabei sogar ein rasantes Tempo anschlagen. „Ich weiß, was Brand meint“, sagt er - und kündigt an, dass dies „auf jeden Fall zu 200 Prozent abgestellt wird“.

          Verstimmung hatte im Vorjahr auch sein Abschied aus Göppingen hervorgerufen, die Schwaben hätten gern weiterhin auf die Galionsfigur Kraus gesetzt. Kraus jedoch sieht in Ostwestfalen eher „eine Perspektive für die kommenden Jahre“ - mit dem TBV Lemgo möchte er die nationale Spitze anstreben und auch im internationalen Handball vorankommen. Hauptsächlich Velimir Petkovic, der Trainer von Frischauf, war verärgert über Kraus - zumal sein bester Schüler eigentlich bis 2008 in Göppingen hatte bleiben wollen. „Er war der König“, sagt der Serbe, der für Kraus ein großer Förderer war - zwischen den beiden hatte sich im Laufe der Jahre sogar eine Art Vater-Sohn-Beziehung entwickelt. Lange gab es kaum noch Kontakt zwischen Kraus und Petkovic - bis sich der Handballprofi unmittelbar vor der EM auf Anregung von Baur dazu durchrang, seinen einstigen Lehrmeister in Göppingen zu besuchen.

          Angeblich eingelebt in Ostwestfalen

          Sechs Stunden dauerte diese Begegnung, es wurde eine Aussöhnung - und Kraus, der Abtrünnige, sagt, dass er jetzt „komplett erleichtert“ sei. Es sei so, erzählt er über dieses Gefühl, „als wäre ein Stein, der 500 Kilogramm wiegt, von meinem Herzen gefallen“. Kraus spricht jetzt wieder von einer sehr innigen Beziehung zu Petkovic. „Ich habe einfach gemerkt, dass ich ihn echt liebe.“ Vermutlich hat er Petkovic bei der Göppinger Aussprache auch zu erklären versucht, dass eine Neuorientierung im Handball für ihn wichtig gewesen ist. In die Fremde zu ziehen, sich dem TBV Lemgo anzuschließen, sagt Michael Kraus, „hat mich persönlich weitergebracht“. Zunächst allerdings hatte ihn doch großes Heimweh geplagt, und wann immer es möglich war, fuhr er in die Heimat, zur Familie und zu den Freunden. Er behauptet, dass sich das inzwischen gelegt habe, Kraus hat sich angeblich eingelebt in Ostwestfalen.

          Der uneingeschränkte Herrscher wie in Göppingen ist er in Lemgo gewiss nicht, Kraus muss sich in der neuen Umgebung seiner Haut wehren. Das dürfte freilich keine schlechte Schule sein für den Sonnyboy des deutschen Handballs.

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