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Michael Haaß : Ein Mittelklassemann für die Handball-Weltspitze

  • -Aktualisiert am

Der Mann aus dem Block: Michael Haaß (links) verteidigt mit Oliver Roggisch Bild: picture alliance / dpa

Michael Haaß weiß, dass es bessere Spielmacher als ihn gibt. Trotzdem sind die deutschen Handballer auf ihn angewiesen - auch an diesem Wochenende beim Supercup.

          Die immer gleiche Diskussion um den Anführer im Team, den Problemlöser, der auf jede Frage eine Antwort findet - Michael Haaß ist sie längst leid. „Ich bin es nicht“, sagt er mit einem milden Lächeln, „ich spiele zwar vorn und hinten auf zentralen Positionen, aber niemand erwartet von mir, dass ich Spiele allein gewinne.“

          Der 29 Jahre alte Handball-Profi steht stellvertretend für eine deutsche Nationalmannschaft, der die Helden und Stars abhandengekommen sind. Haaß’ sportliche Vita liest sich wie die eines typischen Mittelklassespielers: Essen, Düsseldorf, Minden, Göppingen, nun Magdeburg. Nur die Rhein-Neckar Löwen stechen hervor - aber dort spielte Haaß in der Saison 2006/07 kaum.

          Obwohl die großen Klubs sich nie für ihn interessierten, ist Haaß einer der Schlüsselspieler von Bundestrainer Martin Heuberger: exzellent im Abwehr-Mittelblock, solide im Angriff als Regisseur, ohne das ganz große Talent, aber mit der Eigenschaft, sich selbst und seine Qualitäten vernünftig einzuschätzen: „Ich bin mit meinen Aufgaben gewachsen. Ich weiß, dass ich torgefährlicher werden muss, dass es nicht reicht, nur den Ball zu verteilen. Wir haben nun mal keine Weltklassespieler im Rückraum. Wir müssen alles als Mannschaft lösen.“

          Wo andere Nationen einen Mikkel Hansen, einen Domagoj Duvnjak oder einen Nikola Karabatic besitzen - Handballer, die nach Belieben aus elf Metern treffen - da muss Haaß seine Nebenleute einsetzen und sich trauen, selbst in die Lücken zu stoßen.

          Einen Spielmacher wie Nikola Karabatic (links) haben die Deutschen nicht

          Seine Entwicklung sieht der Spätentwickler nicht am Ende. 2007 gehörte er zum Kader der deutschen Weltmeister, spielte aber keine Sekunde. 2013 ist er einer der Anführer. Ein ruhiger, in sich ruhender Chef. Er sagt: „Ich liege abends nicht im Bett und zerbreche mir den Kopf, was im nächsten Spiel sein wird.“ Er denkt schon eher darüber nach, ob er sein Elektrotechnik-Studium irgendwann beenden wird.

          Für die Deutschen und ihren nicht besonders beeindruckenden Rückraum ohne Stars aus Kiel, Hamburg oder Mannheim sind Lehrgänge wie der aktuelle in Barsinghausen Gold wert. „Wir haben endlich mal Zeit, uns Dinge zu erarbeiten“, sagt Haaß. Er brennt darauf, an diesem Wochenende Neues vorzuführen: In Bremen und Hamburg trifft die erste Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) auf Schweden (Freitag, 19.30 Uhr), Ägypten und Polen.

          „Derzeit denkt keiner von uns an die EM“

          Früher war dieser Supercup der Probelauf für anstehende Großereignisse. Doch dieses Mal schauen die Deutschen nur zu, wenn sich im Januar in Dänemark die Besten messen. Haaß fühlt schon mal vor, wenn er sagt: „Derzeit denkt keiner von uns an die EM. Aber es werden natürlich die Schlagzeilen kommen, dass wir die Deppen sind. Da müssen wir dann durch.“

          Weil die Mannschaft in der Qualifikation enttäuschte und dieser Eindruck haftenblieb, wären drei Siege im Supercup ein erster Schritt zur Wiedergutmachung. Haaß erzählt, dass man sich intern geschworen habe, Niederlagen wie die vom Juni in Montenegro künftig zu vermeiden: „Wir haben uns gesagt, dass es so nicht weitergeht. Es ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen.“

          Die EM im kommenden Januar wird ohne die Deutschen stattfinden

          Wie weit die Erkenntnis führt, ist erst im Juni 2014 zu beantworten: Da spielt Deutschland in zwei Partien um die Teilnahme an der WM 2015 in Qatar. „Es bringt wenig, schon jetzt dran zu denken“, sagt Haaß, „wir müssen dann einfach da sein. Gleichgültig, wie der Gegner heißt.“

          Haaß selbst ist nach einer kleineren Verletzung im September angekommen beim Traditionsklub in Magdeburg, spielt gut und besser - vor allem hinten. Geschmeichelt hat es ihm, dass der SCM ihn unbedingt wollte. Wer an die schlimmen Bilder von der EM 2012 in Serbien denkt, als beim Hauptrundenspiel gegen Polen sein Sprunggelenk brach, wundert sich, dass Haaß überhaupt spielt.

          Kein Europapokal und keine EM

          „So richtig gut wird der Fuß nicht mehr“, sagt er. Nach Belastungen schmerzt das rechte Gelenk, verlangt Schonung. Insofern passt diese Saison: „Ich habe die niedrigste Belastung überhaupt“, sagt Haaß schmunzelnd. Kein Europapokal mit Magdeburg, keine EM mit Deutschland: schön für sein Gelenk. Aber Michael Haaß hätte es ganz sicher lieber anders.

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